Sonntag vor der Passionszeit Estomihi am 14.02.2021

Mitwirkende:

Olga Gelhorn, Elisabeth Karner, Meinolf Herting, Almuth Reihs-Vetter, Katrin Herting

Glockengeläut und Musik zum Eingang

Thomas Adams (1785-1858)

Eröffung und Begrüßung

P:     Im Namen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.
G:    Amen.
P:     Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
G:     Der Himmel und Erde gemacht hat.
P:    Der Herr sei mit euch.
G:    Und mit deinem Geist.

Herzlich willkommen zum Gottesdienst am Sonntag vor der Passionszeit.  Estomihi – so der Name des heutigen Sonntags. Das bedeutet: Sei mir. Worte, entnommen aus Psalm 31. Sei mir ein starker Fels, sei mir eine Burg – so wendet sich der Psalmbeter hilfesuchend an Gott.
Sei mir Hilfe, Gott! – Wie gut ist es, dass auch wir eingeladen sind, betend in diese Worte einzustimmen, gerade in dieser Zeit, in wir verzweifelt suchen nach sicherem Grund und Geborgenheit.
Mitten hinein in diese Suche gibt uns der Wochenspruch einen Ausblick auf die Passionszeit, die nächste Woche beginnt. Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. – so schreibt es der Evangelist Lukas im 18. Kapitel.
Wir sind hineingenommen in die große Suchbewegung nach Gott und Gottes Suche nach uns, seinen Menschenkindern. Eine Suche, die jede und jeden von uns anfragt und auf-fordert, die nicht immer einfach und unbeschwert ist für beide Seiten. Gleichzeitig können wir aber auch miteinander einen ahnenden Blick werfen auf das, was sich erfüllt in Jesus, der die tragende Hoffnung für uns selbst und andere ist, zu Lebzeiten und darüber hinaus.

Eingangsgebet

Gott, guter Vater,
du hast dein Herz gehütet
und es anrührbar gemacht.
Mit freundlichen Augen
schaust du mich an.
Deine Liebe zu mir übersteht meine Fehler.

In deinem Wortschatz
finden sich die alten, zärtlichen Worte:
Erbarmen, Gnade,
Güte, Barmherzigkeit.

Lehre mich deine Sprache,
lass mich weitergeben,
was ich erfahre von dir:

Damit ich anderen begegne
mit freundlichem Gesicht,
gütigen Worten,
stärkenden Gesten
und einem weiten Herzen.

Amen.
(entnommen aus: Höchste Zeit für Barmherzigkeit; Tina Willms)

Lied: EG 401 Liebe, die du mich zum Bilde

1. Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht, Liebe, die du mich so milde nach dem Fall hast wiederbracht: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
2. Liebe, die du mich erkoren, eh ich noch geschaffen war, Liebe, die du Mensch geboren und mir gleich wardst ganz und gar: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
3. Liebe, die für mich gelitten und gestorben in der Zeit, Liebe, die mir hat erstritten ewge Lust und Seligkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort, Liebe, die sich ganz ergeben mir zum Heil und Seelenhort: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
5. Liebe, die mich hat gebunden an ihr Joch mit Leib und Sinn, Liebe, die mich überwunden und mein Herz hat ganz dahin: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
(Text: Johann Scheffler 1657; Str. 4 Frankfurt/Main 1665/Melodie: Komm, o komm du Geist des Lebens Nr.134)

Psalmgebet: Ps 31A

 Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deiner Wohnung und ich dir danke, dass du mir hilfst. ♫
2 HERR, auf dich traue ich, / lass mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit!
    3 Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!
4 Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.
    5 Du wollest mich aus dem Netze ziehen, / das sie mir heimlich stellten; denn du bist meine Stärke.
6 In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.
    8 Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und kennst die Not meiner
    Seele
9 und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes;
du stellst meine Füße auf weiten Raum.
    16 Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich
    verfolgen.
17 Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht; hilf mir durch deine Güte!.

♫ Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deiner Wohnung und ich dir danke, dass du mir hilfst. ♫

Amen

Lesung des Predigttextes: Jesaja 58, 1-9a

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht beim Propheten Jesaja im 58. Kapitel.

1 Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! 2 Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei. 3 »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst's nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. 4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. 5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? 6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7 Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.
Worte der Heiligen Schrift.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde,
ein Ruf. Laut. Eindringlich. Klar. Nicht zu überhören. Eine Stimme wie der Klang einer Posaune.
Es ertönt eine Botschaft, die es in sich hat. Eine Predigt im Klartextformat. Worte, die ungeschönt Missstände benennen und das Leben der Adressaten auf den Kopf stellt:
Ihr als Gottes Volk – ihr wollt Gott-gefällig leben. Ja, ihr fastet und pflegt religiöse Riten.
Aber wie könnte es Gott gefallen, wenn ihr fastet, Verzicht übt, euch selbst kasteit  – das Resultat aber bloß schlechte, zänkische Laune und ein richtig mieser Umgang mit euren Mitmenschen ist! Das passt nicht zusammen! Und es passt auch nicht, dass ihr dann nach Gott schreit, seine Nähe einfordert, als ob ihr mit ihm im Reinen seid, als ob ihr alles verstanden hättet und euch mit eurem leeren, herzlosen „Ich-tu`s-doch-alles-für-Gott“-Gehabe den Himmel verdienen könntet!
Ich höre förmlich Jesajas Stimme, die die Luft zum Beben bringt.
“Ohne Liebe und Barmherzigkeit ist das alles nichts!“ – das ist die Botschaft, die aus seinen Worten auch durch meine Ohren bis in mein Herz dringt und dort einiges bewegt.
Zugegeben: Religiöses Fasten und sich körperlich selbst zu kasteien, das ist ehrlich gesagt nicht ganz mein Thema, und auch in meinem Umfeld kenne ich niemanden, der heute so etwas noch intensiv und ausgeprägt praktiziert. Dennoch ist mir diese Ambivalenz der Lebensführung, die Jesaja anspricht, vertraut.
Gottesdienst feiern, beten, in der Bibel lesen – na klar! Das ist mir wichtig, und ich denke, dass Gott das wohl gefällt. Ehrlich gesagt habe ich aber auch schon mal den Gedanken gedacht, dass mich das alles doch eigentlich zu einer ganz guten Christin machen müsste, und auch, dass ich bei Gott deshalb gute Karten haben sollte.
Hmmm….ganz schön vermessen, oder? Glaube ich denn wahrhaftig, ich könnte und müsste mir den Himmel verdienen? Wenn ich noch ehrlicher mit mir selbst, vor den Menschen, die mir begegnen, und vor allem ehrlich vor Gott bin, muss ich mir eingestehen: Ich schaffe es in meinem Alltag oft genug nicht, meinen Mitmenschen mit Liebe zu begegnen oder gar barmherzig mit ihnen umzugehen. Das, was für mich „Gottesdienst“ ist und das, was ich praktisch lebe, klafft so manches Mal auseinander. Meist passiert das wohl eher unbeabsichtigt, aber manchmal erlebe ich auch, wie ich bewusst „fies“ zu anderen bin, weil ich in diesen Momenten vor lauter Trotz, Wut ,Traurigkeit oder auch Überheblichkeit einfach nicht anders kann – und manchmal auch nicht will.
Diese Selbsterkenntnis zeigt mir, wie angewiesen ich doch auf Gott bin. Mir wird bewusst, dass ich ohne ihn auf mich selbst verworfen wäre und daran wohl zugrunde ginge. Liebe und Barmherzigkeit – die kann ich ganz offensichtlich nicht aus mir selbst heraus schöpfen. Nicht für mich selbst und auch nicht, um sie weiterzugeben. Die Quelle für dieses Handeln liegt allein bei Gott. Sich für seine Gegenwart zu öffnen, sich von ihm selbst öffnen und mit Liebe füllen zu lassen, in Beziehung zu ihm zu sein. Sich selbst zurückzunehmen, auf den Anspruch zu verzichten, allein aus eigener Kraft das Leben beherrschen zu wollen – ich ahne, dass diese Art von Verzicht ein Fasten ist, das die Bindung an Gott stärkt und vertieft und diese Bindung keine Fessel, sondern größte Freiheit bedeutet, da es eine Liebes-Beziehung ist. Ich spüre, dass der zunächst raue Ton, den Jesaja hier anschlägt, irgendwie gut tut. Er rüttelt mich auf und in seiner Klarheit kann ich beim genauen Hinhören einen Puls wahrnehmen, der mich zum Zentrum der Liebe führt. Wenn alles Überflüssige um mich herum wegfällt, wenn der gemütliche Brei aufdiktierter, alltäglicher Lebensweisheiten schweigt, wenn ich mir mit mir selbst nicht mehr im Wege stehe, dann kann ich ihn hören: Gottes Herzschlag. Unaufhörlich pulsiert er für uns und unaufhörlich sucht Gott Wege, um sein Herz und unsere miteinander in Verbindung zu bringen. Das geschieht immer wieder. Jesaja ist einer von unzähligen, die Gott auserwählt hat, davon zu erzählen. Dann – unfassbar:  Gottes Herzschlag wird für uns durch seinem Sohn Jesus besonders hörbar. Gottes Herz schlägt in einem Menschen, zeigt uns, wie menschlich-sein aussieht, wie das gehen kann, ganz praktisch. Ja, und in den kommenden Wochen der Passionszeit erleben wir ganz eindringlich, wie weit diese Liebe geht. Sie geht bis ans Kreuz, hinein bis in die tiefsten Tiefen der Todesnacht und dann darüber hinaus – eine Liebe, die nicht abreißt und eine ewige Lebendigkeit schenkt.  
Liebe Gemeinde, „Berufspropheten“ wie Jesaja gibt es in dem Sinne heute nicht mehr; das heißt aber nicht, dass Gott nicht Menschen in den Dienst nimmt, um durch sie zu sprechen und zu handeln. Im Gegenteil. Nicht immer erhebt sich eine Stimme so laut wie eine Posaune. Mal erklingt sie vielleicht eher wie ein Orgel- oder ein Flötenton oder wie die Saiten einer Geige. Vor ein paar Tagen jedenfalls hörte ich eine Geschichte, die so klingt, als sei sie eine wirkliche Herzensangelegenheit Gottes:
Auf einem Bahnhof irgendwo in Nordrhein-Westfalen. Zwei Polizisten fordern einen Obdachlosen auf, das Bahnhofsgelände unverzüglich zu verlassen, da er keinen Mund- Nasenschutz trägt. Eine junge Frau, gerade frisch in der Ausbildung, bekommt das mit und geht zu dem Obdachlosen, nachdem die Polizisten gegangen sind. Sie überreicht dem Obdachlosen drei OP-Masken und schenkt ihm dazu noch eine Tüte mit zwei Croissants, die sie sich eigentlich für`s Frühstück gekauft hatte. Sie sprechen kurz miteinander. Der Obdachlose bedankt sich weinend, die junge Frau sagt: „Ach, dafür doch nicht!“
Als sie das Gelände verlässt, trifft sie auf die beiden Polizeibeamten, die um die Ecke offensichtlich beobachtet haben, ob der Obdachlose nach Aufforderung den Bahnhof auch wirklich verlässt. Sie sprechen die junge Frau an. „Warum haben Sie denn das jetzt getan?“
Die Antwort der jungen Frau lautet schlicht und einfach: „Weil ich nicht asozial bin.“
Für mich ist das Handeln und Sprechen dieser jungen Frau nicht einfach nur „nicht asozial“. Nein, ich empfinde es als zutiefst liebevoll-barmherziges Handeln und bewundere ihren Mut, bei den Polizisten den von ihr empfundenen Missstand auch klar zu benennen.
Diese fast prophetische Geschichte wirft einen hellen Schein in die Welt – zeigt sie doch, wie es ist, wenn Gottes Liebe und Barmherzigkeit in dieser Welt zum Klingen kommt.  Gottes Herzschlag ist zu spüren und zu hören, klar und deutlich. Jeden Tag kann das geschehen. In Jerusalem, auf einem Bahnhof irgendwo in Nordrhein-Westfalen, in Büren und Umgebung. Durch Sie, durch Dich und durch mich. Ganz überraschend und ungeplant. Und ich frage mich: Wie wird es sein, wenn wir alle diesen Puls spüren, durch den wir in Verbindung sind, miteinander und untereinander, durch den Herzschlag Gottes - eines Tages?!
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

Musik zur Meditation

(Kanon zur Jahreslosung Lk 6,36: Seid barmherzig  Musik: Ute Springer)

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten
unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Lied: Wie ein Fest nach langer Trauer

Wie ein Fest nach langer Trauer,
Wie ein Feuer in der Nacht.
Ein off'nes Tor in einer Mauer,
Für die Sonne auf gemacht.
Wie ein Brief nach langem Schweigen,
Wie ein unverhoffter Gruß.
Wie ein Blatt an toten Zweigen
Ein-ich-mag-dich-trotzdem-Kuss.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih'n. 2x
Wie ein Regen in der Wüste,
Frischer Tau auf dürrem Land.
Heimatklänge für vermisste,
Alte Feinde Hand in Hand.
Wie ein Schlüssel im Gefängnis,
Wie in Seenot - Land in Sicht.
Wie ein Weg aus der Bedrängnis
Wie ein strahlendes Gesicht.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih'n. 2x

Wie ein Wort von toten Worten Lippen,
Wie ein wie ein Blick, der Hoffnung weckt,
wie ein Licht auf steilen Klippen,
wie ein Erdteil neu entdeckt.
Wie ein Frühling, wie der Morgen,
wie ein Lied, wie ein Gedicht,
wie das Leben, wie die Liebe,
wie Gott selbst, das wahre Licht.

So ist Versöhnung, so wird der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih`n. 2x

(Text und Musik: J. Nitsch / Satz: S. Hein)

Fürbittengebet

Gott, vor dich können wir treten, offen und ehrlich.
Du schaust liebevoll in unser Herz, du bist barmherzig.
So bitten wir dich:

Schau auf das, was unser Herz eng macht
und aus dem Takt bringt.
Schau auf das, wo wir an uns selbst
und an unseren Mitmenschen schuldig geworden sind.
Schau auf unser Sehnen und Suchen,
und das, was uns unsicher macht
und uns den Boden unter den Füßen
wegzuziehen droht.
Wir bitten dich: Sei du uns Fels und Burg.  

Sei bei denen, die sich einsetzen für andere
und in besonderer Verantwortung stehen:  
Bei Ärzten und Pflegekräften in Praxen und Krankenhäusern.
Politiker*innen, Wirtschaftsleute, Richterinnen und Staatsanwälte,
Lehrer*innen, Sozialarbeitern und Erziehern.
Lass sie ihr Herz am rechten Fleck tragen  
und besonnen ihre Dienste versehen
in dieser unruhigen, schwierigen Zeit.
Wir bitten dich: Sei du ihnen Fels und Burg.

Höre auf die, die dich rufen.
Die Kranken und die Sterbenden, die Familien, die an den Rand ihrer Kräfte
kommen mit homeschooling, homeoffice und Kinderbetreuung.
Höre auf den Ruf derer, die Einsam sind und verzweifeln, auf die, die nicht wissen, wie sie in Zukunft beruflich weiter existieren sollen, da ihnen die finanziellen Mittel ausgehen.
Neige dein Ohr zu denen, die nicht mehr rufen, deren Stimme schweigt und deren <
Herz fast lautlos schlägt, da sie die Hoffnung schon aufgegeben haben.
Wir bitten dich: Sei du ihnen Fels und Burg.

Schau auf deine Kirche in dieser Welt.  
Auf diejenigen, die glauben und auf die, die es nicht mehr können.
Auf alle, die nach authentischen Worten suchen und tatkräftig versuchen, deine frohe Botschaft zu leben und weiterzugeben. Komm zu denen, deren Glauben leer zu sein scheint, die traurig auf das schauen, was vor ihnen liegt wie eine abgelegte Haut. Schenke immer wieder deine Liebe. Lass sie zum Klingen und Schwingen kommen in den Köpfen, Herzen und Händen, zu deinem Lob.
Wir bitten dich: Sei uns Fels und Burg.

Gütiger, barmherziger Gott,
du schaust in unser Herz. Immer wieder. Mach es fest in dir. Das erbitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name!
Dein Reich komme!
Dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden!
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen,
denn Dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit,
Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lass leuchten Sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe Sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.
Amen

Musik zum Nachklang

(Carl August Kern, 1836-1897)