Altjahresabend am 31.12.2020

Mitwirkende:
Prediger/ Liturg: Pfarrerin Almuth Reihs-Vetter
Lektorin: Brigitte Ape
Credo: Maria Kleine, Meinolf und Katrin Herting
Vaterunser: Louis und Angelina Aust
Musik: M. Herting (Orgel)/ K. Herting (Flöte und Gesang)/ A. Reihs-Vetter (Gesang)

Glockengeläut und Orgelmusik zu Beginn

(Es ist ein Ros entsprungen - Karl Peter Chilla (*1949))

Eröffnung und Begrüßung

Im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Der Himmel und Erde gemacht hat.
Der Herr sei mit euch!
Und mit deinem Geist
.

Willkommen zum Gottesdienst am Altjahresabend.

Wir sind gemeinsam auf dem Weg von einem Jahr in das andere. Schauen zurück und nach vorn. 2020 möchten die meisten gerne schnell hinter sich lassen und mit ihm alle Angst und Not. Aber was wird das neue Jahr bringen? Manch eine*r fühlt sich in diesen Tagen wie auf dem langen Marsch durch eine Wüste. Suchend und tastend nach Halt und Orientierung.

Über das Jahr 2021 wissen wir noch nicht viel. Nur dies eine, dass es – wie 2020 – anno Domini ist, ein Jahr des Herrn: Gott wird darin gegenwärtig sein. In unserem Leben, in schweren und leichten Zeiten, in unserem Zusammenleben und in unserer Welt:

Unsere Zeit steht in Seinen Händen! (Ps. 31, 16a)

 

WL 74 „Meine Zeit steht in Deinen Händen“

Refr.: Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

1. Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein? Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los. Vater, du wirst bei mir sein. Meine Zeit steht in deinen Händen…

2. Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb Nehmen mich gefangen, jagen mich. Herr ich rufe: Komm und mach mich frei! Führe du mich Schritt für Schritt. Meine Zeit steht in deinen Händen…

3. Es gibt Tage die bleiben ohne Sinn. Hilflos seh ich wie die Zeit verrinnt. Stunden, Tage, Jahre gehen hin, Und ich frag, wo sie geblieben sind. Meine Zeit steht in deinen Händen…

Gebet zur Jahreswende

Du Gott des Lebens,
ein Jahr geht zu Ende,
das anders war als alle anderen Jahre.
Was wir an Schwerem
und auch an Schönem erlebt haben,
lassen wir los
und legen es in Deine Hände.

Stille

Gott, Du Hüter Israels und der Völker,
in Wolken- und Feuersäule hast Du Dein Volk begleitet,
Tag und Nacht,
Jahr für Jahr,
auf wechselnden Pfaden in wüstem Land.
Gott, Hüter des Lebens,
sei mit uns, dass wir uns nicht mehr fürchten!

Kanon (s.unten)

Du Gott des Lebens,
am Ende des Jahres bedenken wir auch,
was wir selbst versäumt haben,
wo wir Menschen durch Worte
und Taten verletzt haben.
wo unser Schweigen und unsere Tatenlosigkeit

Unrecht verursacht oder vergrößert haben
In der Stille sagen wir Dir,
was uns bedrückt und belastet.

Stille

Christus, Heiland der Welt,
halte Du uns in unserer Anfechtung und Suche,
dass wir ausharren
und uns neu ausstrecken
nach Frieden und Heilwerden
für uns und für diese Welt.

Kanon

Du Gott des Lebens,
mit Sorge blicken wir auf das neue Jahr
und bitten Dich:
Befreie uns und alle Welt
aus den Fängen der Pandemie.
Wehre der Ungerechtigkeit.
Setz Kriegen ein Ende.
Zeige uns Deinen Weg
und führe uns durch das neue Jahr.

Stille

Heiliger Geist, Du Kraft Gottes,
beschenke uns mit Deiner Gnade,
dass wir getrost aufbrechen,
Deinen göttlichen Wegen folgen
und das Leben und Menschsein neu lernen.

Kanon

So wollen wir darauf vertrauen,
dass Du auch unsere Wege gehst, Gott –
wechselnde Pfade,
Tag und Nacht,
Jahr für Jahr.

Amen

 

Psalm 121

 

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom HERRN,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels
schläft noch schlummert nicht.

Der HERR behütet dich;
der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts.

Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

Amen

 

Lesung des Predigttextes aus 2. Mose 13, 17a.18.20-22:

Als der Pharao das Volk hatte ziehen lassen,

führte sie Gott nicht den Weg durch das Land der Philister,

der am nächsten war, …

[sondern] er ließ sein Volk einen Umweg machen,

den Weg durch die Wüste zum Schilfmeer.

Und die Israeliten zogen wohlgeordnet aus Ägyptenland.

So zogen sie aus von Sukkot
und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste.
Und der Herr zog vor ihnen her,
am Tage in einer Wolkensäule,
um sie den rechten Weg zu führen,
und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten,
damit sie Tag und Nacht wandern konnten.
Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage
noch die Feuersäule bei Nacht.

Wort des lebendigen Gottes.

Predigt

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,

„Gott sei Dank“ werden die Israeliten gedacht und nach vorne geschaut haben. Im Ohr die Verheißung des gelobten Landes. Im Beutel das Notwendigste zum Leben: Den Teig für das Brot. Noch nicht gesäuert. Aber immerhin. Und an der Hand die Kinder und die Alten. „Gott sei Dank“ werden die Israeliten gedacht und sich daran erinnert haben, wie mühsam, die vergangenen Tage, Wochen und Monate für sie gewesen waren. Ihre Flucht aus der Unfreiheit, all den Demütigungen und dem Überlebenskampf  in Ägypten. Sie kommen sich vor wie solche, die gerade noch einmal davongekommen sind. Und darüber sind sie heilfroh. –  

„Gott sei Dank!“, das habe ich in den vergangenen Tagen und Wochen oft gehört. „Gott sei Dank ist dieses schreckliche Jahr bald vorbei!“ Wieviel Entbehrung hat die Corona-Pandemie uns allen auferlegt. Wieviel Leid und Not und Tod haben wir gesehen! Gott sei Dank: Du und ich, wir sind gerade nochmal davongekommen. Nun schauen wir nach vorne. Im Ohr die Verheißung eines wirkungsvollen Impfstoffes. Noch ist nicht genug für alle da, aber die Alten und die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen werden schon mal versorgt. Immerhin… „Gott sei Dank“ denken wir wie die Israeliten und spüren, dass dies der seidene Faden ist, an dem unser Leben hängt.

Ägypten liegt hinter den Israeliten, aber das erträumte Land ist noch außer Sichtweite. Und heute, am letzten Abend dieses Jahres, lagern wir einen Augenblick lang mit ihnen am Rande der Zeit, auf der Schwelle zwischen Altem und Neuem. Vor den Augen dehnt sich – die Wüste. Kein gelobtes Land. Kein Land, in dem Milch und Honig fließt, sondern Wüste. Die Wüste birgt Gefahren: Hitze, Dürre, gefährliche Tiere, Orientierungslosigkeit…. Und wenn die Israeliten zurückblicken, sehen sie die Ägypter anrücken. So wie wir das Virus im Nacken behalten. Von beiden Seiten eingezwängt. Wie geht es jetzt weiter?

Erst einmal durchatmen! Die Freiheit atmen außerhalb der einengenden Vergangenheit. „Gott sei Dank“. Diese klare Luft. Der Duft der Pflanzen. Die Weite. Der leere Raum. Die Stille. „Gott sei Dank“. Die Freiheit überhaupt erstmal wieder spüren. Wie wenig selbstverständlich sie ist! Wie kostbar! Die Vergangenheit hat keine Macht über uns. Keine fremden Herren. Kein Virus. „Gott sei Dank“. Den Vorsatz fassen, diese Freiheit nie mehr loszulassen. Verbunden mit dem Vorsatz, nichts soll so bleiben wie es war. Mit dem Vorsatz: Von nun an lebe ich anders. Genügsamer. Aufmerksamer. Aufmerksam für mich, aufmerksam für andere, aufmerksam für die Schöpfung. Und ich fange neue Rituale an. Feste Zeiten und Übungen, die meinem Leben einen Rhythmus geben. Einen selbst gewählten Rhythmus. Der eigene Atem - nicht die Stechuhr. Die Stille - nicht das Gedudel. Das Gebet - nicht das Gerede. Und statt den unablässigen Meldungen über vermeintliche Lenker und bedeutende Entscheidungen – die Botschaft Dessen, Der die Welt in Händen hält. – So mögen die Israeliten gedacht haben, dort auf ihrem Nachtlage am Rande der Wüste. So mögen wir denken an diesem letzten Abend des Jahres 2020.

Doch die Nacht ist nicht nur klar und still. Sie ist dunkel. Die ungewohnten Geräusche. Die Kälte. Angst kriecht hoch. Die Mauern der Städte Ägyptens hatten eben auch geschützt. Sie hatten Geborgenheit gegeben. Dort hatte jeder Israelit seinen Platz gehabt. Im vertrauten Getriebe des Alltags vor der Pandemie wussten wir zu funktionieren. Er mag sich manchmal angefühlt haben wie ein Korsett, das zu eng geschnürt den Atem raubt, aber man wusste doch, wohin man gehörte, was zu tun war, worauf es ankam...

So manche*r aus dem Volk Gottes schaut in dieser Nacht hinaus in das Dunkel der Wüste. Mit Sorge. Mit Bangen: Hier beim Auszug bin ich mit dabei. Aber bin ich auch noch dabei, wenn wir ankommen? Bin ich dem gewachsen, was auf uns zukommt? Wo bleibe ich, wenn ich es nicht mehr bin? Werden die mich überholen, die stets nur ihren eigenen Vorteil suchen? Werden die zurückbleiben, die auch nach den andern schauen? Sind die, die uns führen, bereit, ihre Entscheidungen so zu treffen, dass möglichst alle mitkommen? Oder wird die Triage zur neuen Normalität? Sind die Führenden bereit, uns zuzuhören? Sind sie im Zweifelsfall bereit, zurück ins Glied zu treten, wenn sie die Orientierung verloren haben? Wenn es neue Anführer*innen braucht?

Nichts ist klar für das Volk Gottes hier am Rande der Wüste. Kein vorgegebenes Ziel, keine vorgezeichnete Route. Für den ersten Tag war die Richtung klar gewesen. Doch nun ist diese Klarheit aufgebraucht und es kommt die Nacht. Und mit ihr die Ungewissheit. Der Zweifel: Ist das richtig. Ist es richtig, allem bisherigen den Rücken zu kehren? Den Rücken zu kehren, wenn ich nicht weiß, wohin sonst?

Damals dauerte es nicht lange, bis das Volk Israel sich zurücksehnte nach den „Fleischtöpfen Ägyptens“. Und auch heute nehme ich wahr, wie nicht wenige sich für 2021 die Rückkehr  zu dem Leben vor der Pandemie erhoffen. Ach, dass doch alles wieder so würde wie vor Corona! – Diese Sehnsucht ist so menschlich. Aber die Wahrheit ist doch: Selbst, wenn wir das Alte wieder aufsuchen könnten, wäre es nicht mehr das, was es einmal war. Das Virus hat unsere Welt verändert. Wir haben uns verändert. Eine Lebenszeit zu haben, bedeutet mit der vergehenden Zeit zu leben. Darin gibt es keine Alternative zu dem Weg nach vorne, auch wenn da die Wüste liegt und das gelobte Land noch in weiter Ferne ist. Wir sind gefordert, diesen Weg zu gehen, einen Weg, der uns etwas abverlangt.

Man erzählt sich, damals, in der ersten Nacht, hätten einige Israeliten plötzlich ein Leuchten gesehen. Einen Feuerschein, wie von einem fernen Licht – dann wieder übergroß und ganz nah. Man erzählt sich, dort am Rande der Wüste habe es angefangen. Die ersten, die es sahen, hielten es für eine Einbildung. Eine Täuschung der Sinne. Doch dann stellten sie fest, dass sich die Erscheinung in den Gesichtern der Betrachter spiegelte. Das Leuchten, die Helligkeit. Und schließlich war  allen klar: Was wir sehen, ist tatsächlich da. Schon machten sich die ersten auf den Weg, um dem Lichtphänomen näher zu kommen. Die anderen folgten. Bald war das notdürftige Lager abgebrochen und das Volk war auf dem Weg durch die Nacht. Die Wagemutigen eilten, und streckten die Hand aus, um das, was sie sahen, zu greifen. Doch so sehr sie sich mühten: Immer hielt das Licht die gleiche Distanz. Es gab kein Näher und Ferner. Es gab für alle nur ein gleich nah und gleich fern zu dieser Säule aus Feuer. So, erzählt man sich, habe es begonnen: Das Volk Israel hat Führung erfahren, dort in Etam. Es war aufgebrochen auf das Wort Dessen hin, Der es rief. Und Der, Dem es gefolgt war, war nun da, um ihm die Nacht hell zu machen und im Feuer den Weg zu weisen. Offenbar und verborgen zugleich. - Und Er blieb. Er blieb auch des Tags und führte Sein Volk in einer Wolkensäule. Nicht zu greifen, aber zu sehen. Auf Abstand und zugleich immer in der Nähe.

Gott blieb bei Seinem Volk. Es ist einer der schönen Sätze über die Gegenwart Gottes: Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht. Sie gehen nicht mehr weg. Gott harrt aus bei den Seinen – in Licht und Dunkelheit. Der Herr geht ihnen voraus. In den Gefahren des Tages und in den Anfechtungen der Nacht leuchtet Er ihnen und ist für sie da. Wolken- und Feuersäule - Zeichen der Gegenwart Gottes. Mehr als Zeichen! Gottes Gegenwart selbst!

Heute Nacht, liebe Gemeinde, werden auch wir ein neues Land betreten, werden die Linie überqueren. In diesem Jahr, wo wir auf Silvesterfeiern in großer Gesellschaft verzichten, wo keine Böller gezündet werden und das Gläserklingen vermutlich eher leise sein wird, werden wir vielleicht einen Moment lang für uns alleine stehen unter dem dunklen Himmel. Dann lasst uns hinhören, ob nicht auch wir vernehmen, wie Er zu uns spricht. Lasst uns den Himmel absuchen nach Zeichen Seiner Gegenwart. Lasst uns das zu Ende gehende Jahr noch einmal betrachten, ob wir darin nicht Gottes Da- und Mitsein entdecken. Manches, was auch gut, vielleicht sogar heilsam war: die unverhofft geschenkte Zeit für uns und die Familie, das neue Erlernen von Solidarität, das Gewahrwerden der eigenen Grenzen, die Berührung mit der Verletzlichkeit und dadurch auch Kostbarkeit des Lebens…

Ich bin sicher: Wolkensäule und Feuerschein, die gab es auch 2020 in jedem Leben. Das sind Menschen und Begegnungen. Das war das Wort, das mir den Mut gab, nicht aufzugeben. Das war der Mensch, der mich nicht aufgegeben hat, obwohl es Gründe dafür gab. Da war ein Aufruf, der mich traf. Die Situation, die mich rief, etwas zu tun. Das war das Wort der Bibel, das mir zugeflogen ist, das Gebet, das in mir aufklang, vielleicht ein Gottesdienst. Wolkensäule und Feuerschein, das waren ganz persönliche Ereignisse, die aufgerüttelt haben, die Gluthitze, Qualm und Rauch entfacht haben und gerade so Klärung brachten und Türen öffneten. Zeichen der Gegenwart Gottes, die zur Erfahrung werden lassen: Gott ist da. Sichtbar und spürbar. Fern und doch nah.

Darum lasst uns Gott bitten, dass Er auch im neuen Jahr bei uns bleibe, so wie damals beim Volk Israel in Wolken- und Feuersäule. Die niemals wichen, bei Tag nicht und bei Nacht nicht. So soll Seine Gegenwart auch von uns nicht weichen. Mag sein, wir wissen nicht, wohin es gehen soll. Mag sein, manchem von uns ist beklommen zu Mute, weil er ahnt, dass ihn die Zukunft führt, wohin er nicht will. Aber an diesem einen können wir uns festhalten: Gott ist da, Er, Der uns ruft. Er ist da, Er geht uns voran und Er bleibt. Er weicht nicht von unserer Seite.

Nicht so, dass dadurch die Wüste selbst zum gelobten Land würde. Die Welt, in der wir leben, liebe Gemeinde, wird vermutlich auch im kommenden Jahr nicht heil, friedvoll und gesund werden – selbst wenn die Pandemie eingegrenzt oder gar überwunden werden sollte. Sie und wir mit ihr bleiben dennoch zerrissen zwischen Flucht und Zuflucht, Gefährdung und Bewahrung, Unsicherheit und Gewissheit, zwischen ängstlichem Verharren im Alten und gewagtem Aufbruch zu Neuem, im Schlingern zwischen innerer Bremse und äußerem Antrieb, in unserem Hin- und Hergerissensein zwischen Überforderung und Die-Sache-in-die Hand-Nehmen, wir bleiben menschlichem Größenwahn und radikaler Selbstüberschätzung ausgesetzt und können zugleich staunen über bewegende Äußerungen menschlicher Größe, die sich am Liebesgebot Gottes orientiert. Aber was ich uns wünsche, ist, dass wir auf unserem Weg durch diese Welt wie die Israeliten die Erfahrung der Nähe Gottes machen. Das bedeutet nicht zu erwarten, dass Gott einfach nur alles gut macht. Dass sich alle Widersprüche auflösen und Fragen so klären, dass ich als kleiner Mensch alles verstehen kann. Sondern es bedeutet zu glauben und zu hoffen, dass Gott inmitten aller Zerrissenheit der Welt gegenwärtig bleibt.

Vielleicht ist das das Erstaunlichste, das wir am Ende auch dieses Jahres wieder sagen können: unsere Erde trägt und erträgt uns immer noch. Wolken-und Feuersäule sind sichtbare, aber nicht greifbare Zeichen für diesen Lebenswillen Gottes. Zeichen, in denen Er Seine Gegenwart zugleich zeigt und verhüllt. So wie Er es in Krippe und Kreuz tut. Wem sollte Gott fern sein, wenn Sein Sohn am Anfang ein armes Flüchtlingskind ohne Obdach und am Ende ein am Kreuz unschuldig Getöteter war? Welches Leid, welche Not könnte uns von Ihm trennen, da dies die Zeichen Seiner Nähe sind? Er ist denen nahe, die an der Krippe stehen, und verlässt die nicht, die ihr Kreuz tragen müssen. Und Er begleitet die Seinen durch die Wüste.

Wüstenzeiten sind keine Strafe Gottes. Sie gehören auch zu unserem Leben wie die Nacht zum Tag. Es gibt eintönige Strecken und Tage der Entbehrung. Alles hat seine Zeit in einem Leben, auch das Weinen und Klagen, die Enttäuschung, vielleicht sogar die Wut über Ungerechtigkeit. Die Israeliten mussten die Wüstenzeit aushalten, nach biblischer Zählung vierzig Jahre lang. Aber die karge Zeit der Wanderschaft erweist sich trotz allem als wichtig: Hier erhalten sie die Zehn Gebote. Und hier schließt Gott Seinen Bund mit ihnen.

Wandern bedeutet nicht nur Anstrengung und Ausdauer. Es bedeutet auch, mobil zu sein. Wer wandert, wohnt nicht in festgefügten Häusern, sondern schläft in einem Zelt, das an einem anderen Ort wieder aufgeschlagen werden kann. Wer wandert, bleibt offen für die verheißene Zukunft.

Vielleicht ist die Wüstenwanderschaft ein gutes Bild zum Jahreswechsel. Gerade in diesem Jahr, in dem wir erleben, dass unser Leben längst nicht so festgefügt ist, wie wir bis vor kurzem noch meinten. Wie gut, darauf vertrauen zu können, dass Gott bei uns ist auf der Wanderschaft des Lebens: „Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Amen

Und der Frieden Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

Amen.

Orgelmusik zur Meditation

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten
unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

EG 652, 1-4 „Von guten Mächten wunderbar geborgen“

1. Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Refrain: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

2. Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast. Von guten Mächten wunderbar geborgen…

3. Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand. Von guten Mächten wunderbar geborgen…

4. Doch willst du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann wolln wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört dir unser Leben ganz. Von guten Mächten wunderbar geborgen…
(Text: Dietrich Bonhoeffer (1944) 1945/1951; Melodie: Siegfried Fietz 1970)

Bekanntmachungen: Gemeindegliederentwicklung in der Evangelischen Kirchengemeinde Büren-Fürstenberg 2020

Fürbittengebet

(Pfrn.:) Gott, Kerzen zünden wir an – und verbinden mit ihnen unsere Bitten:

(L): Das erste Licht – für die 21 Kinder in unserer Gemeinde, die im vergangenen Jahr getauft wurden. Sei ihnen gut und schütze sie auf ihrem Lebensweg, guter Gott.
♫Bleib mit Deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ. Ach, bleib mit Deiner Gnade bei uns, Du treuer Gott. (EG 586)♫

(Pfrn.): Das zweite Licht – für die 30 heranwachsenden Mädchen und Jungen in unserer Gemeinde, die im vergangenen Mai konfirmiert wurden. Ja, so ihr Versprechen: Wir wollen es mit Dir versuchen und vertrauen Dir unser Leben an. Sei mit ihnen, Gott der Verlässlichkeit.
♫Bleib mit Deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ. Ach, bleib mit Deiner Gnade bei uns, Du treuer Gott. (EG 586)♫

(L) Das dritte Licht – für die 3 Paare in unserer Gemeinde, die im vergangenen Jahr für ihren gemeinsamen Weg in der Ehe Gottes Segen empfingen. Bleib ihnen verbunden, Gott der Liebe.
♫Bleib mit Deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ. Ach, bleib mit Deiner Gnade bei uns, Du treuer Gott. (EG 586)♫

(Pfrn.:): Das vierte Licht – für die Kranken in unserer Gemeinde. Krankheit verändert, stellt alles auf den Kopf. Warum? Warum gerade ich? Wie wird es weitergehen? Lass von Dir spüren, Gott des Trostes.
♫Bleib mit Deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ. Ach, bleib mit Deiner Gnade bei uns, Du treuer Gott. (EG 586)♫

(L) Das fünfte Licht – für die 60 verstorbenen Schwestern und Brüder aus unserer Gemeinde, von denen wir oft im allerengsten Kreis haben Abschied nehmen mussten. Halt sie und alle, die um sie trauern, in Deinem Frieden, Gott der Zeit und Ewigkeit.
♫Bleib mit Deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ. Ach, bleib mit Deiner Gnade bei uns, Du treuer Gott. (EG 586)♫

(Pfrn.:): Das sechste Licht – leuchten soll es für die 3 Schwestern und Brüder, die wir neu aufgenommen haben in Deine Kirche. Und leuchten soll es für die 41 Menschen, die sich aus unserer Gemeinde verabschiedet haben und aus der Kirche ausgetreten sind. Komm uns zur Antwort, werde uns zur Frage, Gott der Klarheit und Unterscheidung.
♫Bleib mit Deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ. Ach, bleib mit Deiner Gnade bei uns, Du treuer Gott. (EG 586)♫

(L) Das siebte und letzte Licht – für alles, was lebt, soll es leuchten. Für Menschen und Tiere, für Wälder und Meere, für unsere Stadt und jedes Land, für alles, was Du geschaffen hast und Deiner Fürsorge bedarf. Komm zu uns, Du Licht des Lebens, zu immer neuem Anfang mit Dir. Gib uns teil an Deiner Fülle.
♫Bleib mit Deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ. Ach, bleib mit Deiner Gnade bei uns, Du treuer Gott. (EG 586)♫

(Alle:) Amen

Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

EG 369, 1.3.7 „Wer nur den lieben Gott lässt walten“

1. Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

3. Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt; Gott, der uns sich hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

(Text und Melodie: Georg Neumark (1641) 1657)

Sendung

Im Rücken die Vergangenheit
Ob gut oder schlecht, sie ist vorbei
Hinter der Biegung das Kommende
So oder so, wir gehen hinein
Zur Seite die Anderen auf dem Weg
Fremd oder nah, ich brauche sie

Im Zentrum der Allumfassende
Wir können ruhig sein
Gott birgt die Zeit
Wir sollen uns hören lassen
Gott fordert Worte und Taten
Wir dürfen getrost sein
Gott wandert mit.

Segen

♫Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lass leuchten Sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe Sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen, Amen, Amen♫

Orgelmusik zum Nachklang

(Vom Himmel hoch - von Karl-Peter Chilla (*1949))