Misericoridias Domini am 18.04.2021

Mitwirkende:
Lesung: Dr. Jochen Hoffmann
Musik: M. und K. Herting, A. Reihs-Vetter
Liturgie: Pfrn. Reihs-Vetter mit K. und M. Herting
Predigt: Pfrn. Reihs-Vetter

Glockengeläut und Musik zum Eingang

Präludium von F. Smetana (1824-1884)

Eröffnung

Im Namen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.
G:    Amen.
P:     Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
G:     Der Himmel und Erde gemacht hat.
P:    Der Herr sei mit euch.
G:    Und mit deinem Geist.

Begrüßung mit Wochenspruch
Herzlich willkommen zum digitalen Gottesdienst am 2. Sonntag nach Ostern aus Wewelsburg. Er trägt den Namen Misericordias Domini – Barmherzigkeit des Herrn. In unserer christlichen Tradition gibt es ein Bild, das sich in besonderer Weise mit der Rede von Gottes Barmherzigkeit verbunden hat: das Bild des guten Hirten. Darum heißt dieser Sonntag auch Hirtensonntag. Als Herde Jesu Christi kommen wir zusammen, um uns der Barmherzigkeit unseres guten Hirten zu vergewissern in Lob und Dank, Bitte und Klage, im Hören auf Sein Wort.
Wie viele andere Gemeinden im ganzen Land halten wir heute mit diesem Gottesdienst zugleich inne auf unserem Weg durch das dunkle Tal der Corona-Pandemie. Oft gehen wir diesen Weg mit zitternden Knien. Vieles ist überwältigend und verstörend. Heute darum einmal anhalten. Unsere Seelen sich ausruhen lassen. Und auch der Trauer Raum geben. Gemeinsam schauen wir auf den Weg, den wir bislang gegangen sind. Wir trauern um die unzähligen Menschen, die seit Beginn der Pandemie gestorben sind – allein in Deutschland sind es bereits 80.000. Wir nehmen auch die in den Blick, die besonders belastet sind und leiden müssen. Und auch diejenigen, deren Leid nicht unmittelbar mit Corona zu tun hat und deren Not im Schatten der Pandemie kaum wahrgenommen wird. Wir tun das im Vertrauen auf Gott, Dessen Güte und Barmherzigkeit kein Ende kennt. Er führt durch das dunkle Todesschattental hindurch ins Licht neuen Lebens.
So heißt es im Wochenspruch aus dem Johannes-Evangelium:
Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Joh. 10, 11a.27-28a)

Eingangsgebet:
Allmächtiger Gott, barmherziger Vater,
Dich hat Dein Volk als den guten Hirten besungen,
Der sorgt für Nahrung und Schutz –
Wir stimmen mit ein.

Jesus Christus, Herr und Bruder,
Du hast Dich in dieses
 Bild selber eingezeichnet
und über Deine Freunde gewacht –
Wir loben Dich dafür.

Heilige Geistkraft, Trösterin und Vollenderin,
Du führst Deine Gemeinde durch zitternde Zeiten
und weist ihr den Weg zum Leben –
Wir vertrauen Dir.

Dreieiniger Gott,
vergib uns, wenn in dieser schweren Zeit
unser Atem zum Singen nicht reicht.
Verzeih, wenn Dein Lob in uns verstummt.
Sieh uns nach, wenn wir im Tasten und Irren den Weg verlieren.
Gib uns nicht auf, Herr,
sondern sei und bleibe unser guter Hirte!
Amen

Lied: Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100)

1. Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit; denn unser Heil hat Gott bereit’. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.
2. Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.
3. Er hat zerstört der Höllen Pfort, die Seinen all herausgeführt und uns erlöst vom ewgen Tod. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.
4. Es singt der ganze Erdenkreis dem Gottessohne Lob und Preis, der uns erkauft das Paradeis. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.
5. Des freu sich alle Christenheit und lobe die Dreifaltigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.
(Text: Str. 1 Medingen um 1380; Str. 2-5 bei Cyriakus Spangenberg 1568 nach »Resurrexit Dominus« 14. Jh.; Melodie: Hohenfurt 1410, Böhmische Brüder 1544, Wittenberg 1573)

Psalm 23 in der Übersetzung der Neuen Genfer Bibel mit Kehrvers „Der Herr ist mein Hirte“

♫ Der Herr ist mein Hirte. Halleluja.
Es wird mir nichts fehlen. Halleluja ♫
(Text: Helmut Schlegel, Marieluise Geiger(1975),Irmgard Kindt-Siegwalt(1975)
Melodie: Marieluise Geiger(1975), Irmgard Kindt-Siegwalt(1975)

Der Herr ist mein Hirte,
darum leide ich keinen Mangel.

Er bringt mich auf Weideplätze mit saftigem Gras
und führt mich zu Wasserstellen, an denen ich ausruhen kann.

Er stärkt und erfrischt meine Seele.
Er führt mich auf rechten Wegen und verbürgt sich dafür mit seinem Namen.

Selbst wenn ich durch ein finsteres Tal gehen muss,
wo Todesschatten mich umgeben,
fürchte ich mich vor keinem Unglück,

denn du, ´Herr`, bist bei mir!
Dein Stock und dein Hirtenstab geben mir Trost.

Du ´lädst mich ein und` deckst mir den Tisch
selbst vor den Augen meiner Feinde.

Du salbst mein Haupt mit Öl, ´um mich zu ehren`,
und füllst meinen Becher bis zum Überfließen.

Nur Güte und Gnade werden mich umgeben alle Tage meines Lebens,
und ich werde wohnen im Haus des Herrn für alle Zeit.

♫ Der Herr ist mein Hirte. Halleluja.
Es wird mir nichts fehlen. Halleluja ♫

Gloria patri (WL 23)

♫ Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar. Und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen ♫

Gebet zum Gedenken der Corona-Opfer:

Guter Gott, in den zurückliegenden Monaten hat die Corona-Pandemie unsere Welt und unser Leben erschüttert. Millionen Menschen weltweit haben sich mit dem Virus angesteckt, Millionen sind daran gestorben. Unendlich viele Menschen leiden an den Folgen für ihr Leben.
Tagtäglich hören wir Statistiken und Zahlen zur Corona-Pandemie, aber die Toten sind keine Zahl, sie haben ein Gesicht, sie haben einen Namen. Es sind Menschen mit ihrer eigenen Lebensgeschichte. Einmalig und wertvoll. Sie sind eingeschrieben mit ihrem Namen in Deinem Buch des Lebens. Heute nehmen wir uns Zeit, um ihrer zu gedenken und für sie zu beten.
Höre Du unsere Lebenszeugnisse und unsere Bitten:

„Mein Name ist Jutta, ich arbeite als Krankenschwester auf einer Intensivstation für COVID-Patienten. Schutzanzug, Schutzmaske, Schutzbrille, zwei Paar Handschuhe übereinander – das ist die Schutzkleidung, in der ich mich in der roten Zone um die COVID-Patienten kümmere: Lagern, Blutabnehmen, zum nächsten Patienten hetzen, Schwitzen, Rückenschmerzen. Viele Stunden trage ich diese Schutzkleidung. Es fehlt an Personal.
Nach dem Dienst bin ich einfach nur noch müde und habe Schmerzen, Schulter und Nacken sind verspannt. Und man kommt nur schwer zur Ruhe; das Abschalten nach Dienstschluss ist nicht leicht.
Besonders schwer ist es für mich, hilflos mit anzusehen, wie schnell ein Mensch mit oder an einer Infektion stirbt und wie schlimm es sich anfühlt, dass keine Angehörigen kommen dürfen. Es ist für alle so schwer.
Ich mache meinen Beruf wirklich gerne, aber in dieser Zeit ist es einfach nur noch belastend. Und dann noch die Sorge, mich und meine Familie auch anzustecken. Ich weiß ja, dass es nicht nur alte Menschen treffen kann. Jetzt in der dritten Welle sind es gerade Menschen in meinem Alter, die auf die Intensivstation kommen.“

Treuer Gott, wir zünden eine Kerze an und bitten Dich für alle Krankenschwestern und Krankenpfleger, für alle Ärztinnen und Ärzte und für alle Klinikseelsorgenden, die sich in dieser herausfordernden Zeit um Menschen in ihren Kliniken kümmern und dabei oft bis an ihre Grenzen oder darüber hinausgehen.
Gib ihnen Geduld, Ausdauer und Kraft. Schenk ihnen gute Worte für die Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen, die sich zu Hause Sorgen machen.
Lass sie Zeiten der Ruhe und Erholung finden und gib ihnen Möglichkeiten, über ihre Erlebnisse mit dem Leid und dem Sterben der Menschen zu reden.
Treuer Gott: wir bitten Dich: Erhöre uns.

„Ich bin Dirk. Ich arbeite als Altenpfleger in einem Seniorenheim.
Ich kann mich kaum noch erinnern, wie mein Arbeitsalltag aussah, bevor Corona kam. In den vergangenen Monaten haben ich und meine Kolleginnen und Kollegen viel Schlimmes erlebt. Erst die Isolation der Bewohnerinnen und Bewohner, nachdem im ersten Lockdown keine Angehörigen und Besucher mehr in die Einrichtung kommen durften. Es tat weh, zu erleben wie manche Bewohner gelitten haben und sich einsam fühlten. Viele haben in dieser Zeit abgebaut und wir konnten gar nichts dagegen tun. Und dann kam das Virus zu uns. Es begann eine furchtbare Zeit und viele Menschen in unserer Einrichtung haben sich infiziert, einige sind gestorben.
Es war so furchtbar. Ich weiß gar nicht, woher ich in diesen Tagen die Kraft dazu bekam, meinen Dienst zu tun. Wir haben getan, was wir konnten. Wenn es möglich war, konnten die Bewohnerinnen und Bewohner bei uns bleiben und mussten nicht ins Krankenhaus. Das war uns wichtig, auch wenn die Arbeit und die Sorge dadurch zunahmen. Wenn keine Angehörigen kommen durften, haben wir versucht, die Menschen im Sterben zu begleiten. Es war eine harte Zeit für alle. Besonders auch für die Angehörigen, die gerne mehr Zeit mit ihren Lieben verbracht hätten.

Gnädiger Gott, wir zünden eine Kerze an und bitten Dich für alle Menschen, die in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen leben und arbeiten.
Lass die Bewohnerinnen und Bewohner untereinander Gemeinschaft erfahren und lass sie spüren, dass sie in dieser Zeit nicht alleine sind. Nimm ihnen Einsamkeit und Resignation und gib ihnen Hoffnung und Zuversicht.
Schenke den Pflegenden Deinen Segen und deine Kraft für ihren Beruf und lass sie immer wieder Zeit finden, sich den pflegebedürftigen Menschen über die alltägliche Pflegetätigkeit hinaus liebevoll zuzuwenden.
Gnädiger Gott: wir bitten Dich: Erhöre uns.

„Ich heiße Evelin. Wenn ich die letzten Monate betrachte, dann gab es eine Zeit, bevor sich meine 80-jährige Mutter mit dem Corona-Virus infizierte, und eine Zeit danach. Ich kann mich noch genau an die Situation erinnern, als der Anruf aus dem Pflegeheim kam: Ihre Mutter wurde positiv getestet! Das war wie ein Schock, aber wir hatten ganz viel Zuversicht, dass sie es packt, weil sie ja an sich sehr rüstig und hart im Nehmen war. Wir selbst durften nicht ins Heim, es herrschte Besuchsverbot. Es kamen ein paar ganz furchtbare Tage. Täglich meldete sich das Heim bei uns, und die Nachrichten machten uns mal zuversichtlich und dann wieder zogen sie uns runter. Und dann kam der Anruf, dass sie es nicht schaffen würde und bald sterben wird. Das war so grausam, spätestens jetzt wäre unser Platz an ihrem Bett gewesen, um bei ihr zu sein, die Hand zu halten und sie beim Sterben nicht allein zu lassen. Aber es kam anders. Wir konnten uns zwar verabschieden. Aber sie nicht beim Sterben begleiten. Irgendwann klingelte das Telefon und die Todesnachricht kam. Ich mache mir schwere Vorwürfe, es fühlt sich an, als hätte ich meine Mutter im Stich gelassen, obwohl mein Kopf sagt: Ich habe nichts falsch gemacht, es ging einfach nicht anders.“

Tröstender Gott, wir zünden eine Kerze an und bitte Dich für alle, die in der Corona-Zeit einen lieben Menschen verloren haben. Tröste sie in ihrer Trauer und in ihrem Verlust, besonders dann, wenn sie in den letzten Tagen und Stunden des Lebens nicht an der Seite ihrer Lieben sein konnten. Lass sie Möglichkeiten und die Zeit finden, ihrer Trauer und ihrer Not angemessen Ausdruck zu verleihen, und stell ihnen Menschen zur Seite, die sie dabei liebevoll begleiten.
Tröstender Gott: wir bitten Dich: Erhöre uns.

„Ich heiße Richard. Ich bin Bürgermeister in einer mittelgroßen Stadt. Die letzten Wochen und Monate waren geprägt von der besonderen Verantwortung für unsere Bürgerinnen und Bürger. Es galt immer wieder auf die aktuelle Situation zu reagieren, auf neue Anweisungen von oben, auf die Nöte, Ängste und Sorgen der Menschen in meiner Stadt. Wer in diesen Zeiten Verantwortung trägt, hatte es besonders schwer und man konnte es nie allen oder auch nur vielen recht machen: den einen waren die Regelungen zu streng und den anderen zu lasch. Ich habe viele böse, verletzende und drohende Nachrichten bekommen.
Die Pandemie macht etwas mit dem Menschen. Da bin ich ganz sicher. Bei den einen führt es dazu besonnen, verantwortlich und sozial zu handeln, und bei anderen tritt das Gegenteil ein. Ich bin zugleich aber auch sehr stolz auf die vielen, vielen Menschen, die in dieser Zeit ihr Bestes geben, um für andere zu sorgen, sie zu pflegen und für sie da zu sein – weit über das normale Maß hinaus! Das darf nach der Pandemie nicht einfach wieder vergessen werden!
Ich wünsche mir, dass wir nach Corona das Gute, das Miteinander und die Solidarität der ersten Zeit bewahren können und gemeinsam daran arbeiten, die Folgen der Pandemie für alle zu erleichtern und abzufedern. Wenn das gelingt, wäre ich froh und dankbar. Und wir dürfen die Verstorbenen und ihre Angehörigen nicht vergessen! Sie sind immer in unseren Herzen und Gedanken!“

Barmherziger Gott, wir zünden eine Kerze an und bitten Dich für alle, die in der Corona-Zeit politische und gesellschaftliche Verantwortung tragen. Sie mussten und müssen immer wieder und immer noch abwägen zwischen ganz unterschiedlichen Interessen und Notwendigkeiten.
Lass unter allen Menschen Solidarität, Menschlichkeit und ein gutes Miteinander wachsen, damit wir als Gesellschaft den Herausforderungen dieser Zeit voller Zuversicht und Hoffnung begegnen können.
Barmherziger Gott, wir bitten Dich: Erhöre uns.

Mein Name ist Angelika. Ich bin Pastorin in einer großen Landgemeinde. Corona hat unser Gemeindeleben total lahm gelegt. Von heute auf morgen mussten wir all unsere Kirchen schließen. Gruppen und Kreise treffen sich seit über einem Jahr nicht mehr leibhaftig. Dienstbesprechungen und Presbyteriumssitzungen finden digital statt. Ich habe das Gefühl, den Kontakt zu meiner Gemeinde zu verlieren. Ich telefoniere, schreibe Briefe; aber das ersetzt doch nicht die persönliche Begegnung. Wir hängen Andachten und Predigten an Wäscheleinen aus, stellen Gottesdienste ins Netz, aber wer feiert die eigentlich mit uns? Da ist kaum Resonanz. Es fühlt sich an, als ginge die Arbeit ins Leere. Alles dreht sich nur noch um Corona. Das Virus diktiert unser Tun und Lassen. Das ist so ermüdend! Ich vermisse die Unbeschwertheit und fröhliche Begeisterung, das Singen und Feiern und Miteinander-Leben…
Zum Glück gibt es immer auch wieder Momente, in denen der Himmel sich öffnet und die mich dankbar staunen lassen: ein Telefonat, in dem sich ein so dichtes Gespräch entwickelt, dass wir schließlich sogar zusammen beten; eine zufällige Begegnung unterm Osterkreuz, wo auf Abstand, aber voller Kraft „Christ ist erstanden“ angestimmt wird; eine Beerdigung mit nicht mehr als einer Handvoll Angehörige - und plötzlich lassen Menschen die Schüppen an ihren Gräbern fallen und stehen der Familie im wahrsten Sinne des Wortes bei: in großem Abstand bildet sich ein Kreis, eine Gemeinde, die Abschied nimmt von einem fremden Menschen, einem Bruder im Glauben. - Das sind Erfahrungen, die mich tragen in dieser Zeit, kleine Oster- und Pfingstfeste, die die Hoffnung und das Vertrauen stärken, dass Corona nicht das letzte Wort hat, sondern das Leben siegen wird.

Lebendiger Gott, wir zünden eine Kerze an und bitten Dich für Deine Kirchen und Gemeinden. Bleibe lebendig in ihnen am Werk. Erfülle sie mit Deinem Trost und Deiner Kraft. Hilf, dass die Deinen sich nicht zerstreuen wie umherirrende Schafe; halte sie vielmehr zusammen. Lass sie standhalten; mach sie stark im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Erfülle sie mit Deinem Geist, dass sie nicht aufhören, von Deiner Treue zu erzählen und Deine Verheißungen zu bezeugen.
Lebendiger Gott, wir bitten Dich: Erhöre uns.

Ich bin Gerhard und 89 Jahre alt. Hinter mir liegen schreckliche Wochen. Nein, nicht wegen Corona. Oder doch auch. Denn alle reden ja nur noch von der Pandemie und für anderes ist gar kein Raum mehr. Die Arztpraxen sind überfüllt, im Krankenhaus ist kaum ein Bett zu bekommen.
Seit zwei Wochen besteht der Verdacht, dass ich Krebs habe. Aber ich kriege einfach keinen Termin, um das genau abklären zu lassen. In der Notaufnahme des Krankenhauses habe ich es versucht. Meine Tochter hat mich hingebracht, durfte nicht bleiben. Und als die dort mein Alter hörten, haben sie mich ernsthaft gefragt: Wollen Sie wirklich bleiben? Sie sind doch schon alt, haben ein langes Leben gelebt. Schauen Sie mal, was hier los ist. So viele jüngere Menschen, die Hilfe brauchen…
Ich wusste überhaupt nichts zu sagen. Bin immer noch völlig verstört. Und auch wütend. Aber vor allem ohnmächtig. Muss ich jetzt um eine Behandlung kämpfen? Dafür habe ich keine Kraft. Aber wie soll es jetzt weiter gehen? Werde ich am Ende einfach verrecken? Vielleicht bestätigt sich ja der Verdacht auch gar nicht. Aber was, wenn doch? Die Ungewissheit halte ich kaum aus. Ich habe Angst.

Mitfühlender Gott, wir zünden eine Kerze an und bitten Dich für alle, die im Schatten von Corona ihre eigenen persönlichen Nöte zu bewältigen haben, dass sie nicht aus dem Blick geraten und ernst genommen werden in ihrer Situation. Sei ihnen nahe in ihren Ängsten und hilf ihnen, nicht aufzugeben. Lass sie Trost und Hilfe finden. Erhalte ihnen ihre Würde und gib ihnen Hoffnung und Zukunft.
Mitfühlender Gott, wir bitten Dich: Erhöre uns.

In der Stille gedenken wir der Verstorbenen dieser Zeit. Derer, die an oder mit Corona ihr Leben gelassen haben und derer, die ohne das Virus während der Pandemie verstorben sind.
Wir denken an die Angehörigen, die sich aufgrund der Umstände nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen verabschieden konnten.
Wir denken aber auch die Menschen, an die niemand mehr denkt.
In der Stille befehlen wir sie Gott an.

– Stille –

Gott des Lebens, wir zünden eine Kerze an für alle Verstorbenen dieser Zeit. Nimm Du sie bei dir auf und schenke ihnen das Leben in Fülle. Erfülle ihre Sehnsucht , decke barmherzig ihr Schuld zu und erneuere und vollende sie in Deiner Herrlichkeit. Schenke uns einst ein Wiedersehen in Deinem Reich.
Gott des Lebens, wir bitten Dich: Erhöre uns.

Leben spendender Gott, heute kommen wir zu dir mit den Erfahrungen und Erlebnissen aus den vergangenen Monaten. Manches Gute durften wir erleben, aber es sind auch Wunden gerissen und Schmerzen entstanden, die noch lange nicht heilen werden.
Schenke uns Deinen guten Geist und viel Kreativität und Liebe, um Wunden zu heilen und Schmerzen zu lindern. Begleite Du uns weiter durch das Leben, heile und segne, was dir am Herzen liegt und was Du von Herzen liebst.
Für Deine Treue und Barmherzigkeit loben wir Dich und danken wir Dir durch Christus, unseren auferstandenen Herrn. Amen.

Lesung des Predigttextes Ez. 34, 1f.10-16.31

Der Predigttext für diesen Sonntag steht beim Propheten Ezechiel im 34. Kapitel:
Des HERRN Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?
So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.

Worte der Heiligen Schrift

♫ Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. :II ♫
Er hat uns gemacht und nicht wir selbst
zu Seinem Volk und zu Schafen Seiner Weide.
♫ Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. :II ♫
Der Herr ist auferstanden.
Er ist wahrhaftig auferstanden.
♫ Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. :II ♫

Predigt zu Ez. 34, 1f.10-16.31

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserm Vater und unserm Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,
zwei Wochen ist es her, da haben wir gefeiert. Leise und still auch in diesem Jahr noch einmal, aber doch gefeiert: ein Essen, einen Foltertod, einen Morgen. – Wirkt dieses Feiern nach? Hat sie dich erreicht, die gute Botschaft? Oder war es – wie eine Radio-Moderatorin meinte – ein trostloses Osterfest im Schatten von Corona? –
Für die furchtbaren Schatten und Todesnacht finden sich viele Worte. Sie sprudeln nur so aus uns heraus – auch hier im Gottesdienst, überfluten uns in persönlichen Begegnungen und aus den Medien, werden zu Sturmfluten, die uns überrollen und zu ertränken drohen. - Dagegen bleibt es ein behutsames Suchen und Tasten nach Worten für jenen Morgen, der mitten in der dunkelsten Todesnacht seinen Anfang nahm und mit dem das Licht des Lebens anbrach: Ostern. Alle Worte scheinen da unzureichend. Und doch lohnt es sich, weiter nach ihnen zu suchen. Ich gebe nicht auf, taste weiter, formuliere ins Unreine, lasse sie frei, die Worte, so unzureichend sie sein mögen…

Ostern: Der Morgen bricht an. Und an dem Morgen ist Er fort. Vorausgegangen nach Galiläa. Am Morgen ist Er da. Sagt: Fürchtet euch nicht! Am Morgen geht Er mit anderen. Bricht das Brot in zwei Teile und verschwindet. Zurück bleibt ein halb gedeckter Tisch und ein Brennen im Herzen. Am Morgen steht Er am Ufer. Am Morgen isst Er ein Stück Fisch vor ihren Augen. Verspricht ihnen Kraft aus der Höhe. Am Morgen fragt Er: Was weinst du? Sagt: Maria. Und: Fass mich nicht an. Am Morgen tritt Er durch verschlossene Türen. Macht ein Feuer. Fragt: Liebst du mich? Am Morgen ruft Er zum Dienst: Weide meine Herde!
Am Morgen hat Er immer noch Wunden. Der gute Hirte, Der sich selbst zum Lamm gemacht hat, die Schuld der Welt zu tragen und zu büßen in dem schrecklichsten Tod, den man sich vorstellen kann: im Tod am Kreuz.

Und vielleicht ist das mein Osterbekenntnis:
Ich glaube an einen Hirten, Der sich als Lamm zur Schlachtbank führen ließ. An einen Verhafteten. Einen Gefolterten. Einen Verurteilten. Ich glaube an einen Ermordeten. Verbluteten. Erstickten. - Und dass Er auferstand.
Ich glaube, dass Er der Anfang von allem ist. Und das Ende. Das A und das O. Universum.
Ich glaube, dass mit Ihm Gott selber starb. Und auferstand. Auferstand mit Wunden und Narben.
Und dass all die Corona-Opfer – tot und lebend – und all die anderen Kranken und Leidenden, die Gefolterten und Ermordeten. Die verbrannten Hexen. Die Missbrauchten, die Kleingemachten, Ausgebeuteten. Die Verliererinnen, die Durchhalter, die Verletzten an Leib und Seele. Und alle seufzende geschundene Kreatur aufersteht mit Ihm. Nicht irgendwann einmal. Schon jetzt.
Ja: Ich glaube, was ich nicht sehe.
Glaube es auch für mich: Dass es gut wird selbst mit mir. Dass da ein Weg ist und ein Zuhause. Einer, Der für mich sorgt, mich hält, wo ich jeden Halt verliere, und mich birgt in Seinen durchbohrten und doch so starken Armen. Einer, Der mich sieht und mich sucht, da ich mich so verloren fühle in dieser Zeit. Einer, Der mir nachgeht und selbst den Weg durch das Todesschattental nicht scheut; Einer, Der die Wunden verbindet und mich heilt mit Seinem eigenen Blut; Einer, Der mich führt in einen neuen Morgen hin zu grünen Weiden und frischen Wassern.
Ich glaube, dass da ein Erwachen ist. Ein erster wärmender Sonnenstrahl. Ein zartes Erblühen. Ein Heilsein schon jetzt. Eine Stärke inmitten der Schwachheit. Und ein Über-sich-Hinaus-Wachsen. Ich glaube, dass verirrte Schafe sich wandeln können zu treuen Hirten und das schon tun – auf den Intensivstationen, in den Pflegeheimen und Arztpraxen, in der Nachbarschaft. In Forschungslaboren und im Bundestag. Ja, das glaube ich. Ich glaube, was ich nicht sehe.
Und das ist der Grund, warum ich aufstehe - trotzdem, jeden Morgen wieder. Deshalb esse und arbeite ich. Teile weiter das Wort, das sich nicht in Worte fassen lässt. Höre zu. Spreche den Segen. Ja, deshalb bin ich wohl überhaupt noch da. Atme und lebe.
Und deshalb sage ich "zu Ihm" - wenn mich jemand fragt, wohin ich gehöre. Und in meinem Herzen tönt es: „Du bist mein, ich bin Dein…“ - Nichts kann mich scheiden von der Liebe, die in diesem Hirten Jesus Christus ist!
Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unser allere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Musik zur Meditation

Air von Alexandre Boely (1785-1858)

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten
unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Lied: Warum sollt ich mich denn grämen (EG 370, 1.8.11.12 - Melodie: Fröhlich soll mein Herze springen, EG 36)

1. Warum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christus noch, wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben?
8. Kann mich doch kein Tod nicht töten, sondern reißt meinen Geist aus viel tausend Nöten, schließt das Tor der bittern Leiden und macht Bahn, da ich kann gehn zu Himmelsfreuden.
11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein, niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut mir zugut in den Tod gegeben;
12. du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Lass mich, lass mich hingelangen, da du mich und ich dich leiblich werd umfangen.
(Text: nach Paul Gerhardt 1653; Melodie: Johann Crüger 1653)

Fürbitten

„Ich will das Verlorene wieder suchen.“
Lasst uns für die Verlorenen beten:
für die, die in der Pandemie aus den Augen
und aus dem Sinn geraten sind:
die Krebskranken, die Schlaganfall-Patient:innen, die COPD-Erkrankten
für beeinträchtigten Menschen und die Dementen,
die unzähligen Menschen, die in Armut leben,
die Migrant:innen und Flüchtlinge, die politisch Verfolgten,
Stille
Geh ihnen nach, guter Hirte,
und gib, dass auch wir aufmerksam sind und geduldig
und bereit, anzuhalten und umzukehren und zu suchen.

„Ich will das Verirrte zurückbringen.“
Lasst uns für die Verirrten beten:
für die, die für sich selbst suchen nach einem Weg aus der Pandemie
und darüber die anderen vergessen;
für die, die um Lösungen für alle bemüht sind,
aber Maß und Richtung, Halt und Ziel verloren haben,
weil sie nicht mehr wissen, was richtig und gut und heilsam ist.
Stille
Bring sie zurück, guter Hirte,
und gib, dass wir selbst die Orientierung nicht verlieren
und anderen Geleit geben können.

„Ich will das Verwundete verbinden.“
Lasst uns für die Verwundeten beten:
für die Opfer auf den Intensivstationen,
die Menschen, die an den Langzeitfolgen der Viruserkrankung leiden,
die vielen, deren Seele Schaden genommen hat in dieser Zeit
Stille
Verbinde, heile ihre Wunden, guter Hirte,
gib, dass wir auch selbst heilsam leben,
und hüte uns davor, andre zu verletzen.

„Ich will das Schwache stärken.“
Lasst uns für die Schwachen beten:
für die Kranken und Sterbenden,
für die trauernden Angehörigen,
für die Kinder und die Alten,
für Arme und Gedemütigte.
Stille
Stärke die Schwachen, guter Hirte,
und gib, dass auch wir die Schwachen bestärken
und in unserer eigenen Schwachheit Deine Kraft mächtig erfahren.

Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name!
Dein Reich komme!
Dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden!
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen,
denn Dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit,
Amen.

Lied: Bewahre uns, Gott (EG 171)

1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unsern Wegen. Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen, sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.
2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten, voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten.
4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns durch deinen Segen. Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen, dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen.
(Text: Eugen Eckert (1985) 1987; Melodie: Anders Ruuth (um 1968) 1984 »La paz del señor«)

Segen

♫ Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lass leuchten Sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe Sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen, Amen, Amen ♫

Musik zum Nachklang

Postludium von Robert Führer (1807-1861)

Kollektenhinweis:

In unseren Gottesdiensten sammeln wir regelmäßig Kollekten ein. Auch, wenn wir derzeit nicht zur gemeinsamen Feier zusammenkommen können, möchten wir Gelegenheit geben, zu teilen und wichtige kirchliche Aufgaben zu unterstützen.
Heute legen wir Ihnen die Kollekte für die Kinder- und Jugendarbeit in unserer Gemeinde ans Herz:
Wenn Sie diese Aufgabe unterstützen möchten, überweisen Sie den von Ihnen zu bestimmenden Geldbetrag bitte auf das Konto der
Ev. Kirchengemeinde Büren-Fürstenberg
IBAN DE34 4726 1603 0135 3000. Unter Verwendungszweck geben Sie bitte „18.04.2021 – Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde“ an, damit wir das Geld korrekt einsetzen bzw. weiterleiten können. Vielen Dank!