Judika am 21.03.2021

Mitwirkende:
Brigitte Ape (Lektorin)
Meinolf Herting (Orgel)
Claus-Jürgen Reihs (Liturg und Prediger)
Almuth Reihs-Vetter (Liturgin)

Glockenläuten und Musik zum Einzug

(Concerto del Sigr. Taglie., Johann Gottfried Walter (1684-1748))

Eröffnung und Begrüßung

L: Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
G: Amen.
L: Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN,
G: der Himmel und Erde gemacht hat.
L: Der HERR sei mit euch!
G: und mit deinem Geist.
Herzlich willkommen zum digitalen Gottesdienst am Sonntag Judika!
Der lateinische Name des fünften Sonntags in der Passionszeit leitet sich von der Antiphon des Wochenpsalms her: Judika bedeutet so viel wie „Schaffe Recht!“ Es ist der vertrauensvolle und sehnsüchtige Ruf des Menschen, dass Gott ihm zum Recht verhilft. Denn das Recht ist dazu da, ein aufrechtes Leben zu führen, ohne Angst vor anderen Menschen und ohne den Schmerz durch Verletzungen, die andere ihm zufügen. Recht ist die Waffe gegen das Leid. Im Wochenspruch wird deutlich, dass die Lebenshingabe Jesu am Kreuz Recht ist, recht ist und Leid überwindet. So grüße ich Sie und euch mit den Worten des Wochenspruchs, der über diesem Tag und der heute beginnenden Woche steht: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich diene lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ (Mt. 20,28)

Choral: eg 76, 1-2 „O Mensch, bewein dein Sünde groß

O Mensch, bewein dein Sünde groß, / darum Christus seins Vaters Schoß / äußert und kam auf Erden; / von einer Jungfrau rein und zart / für uns er hier geboren ward, / er wollt der Mittler werden. / Den Toten er das Leben gab / und tat dabei all Krankheit ab, / bis sich die Zeit her drange, / dass er für uns geopfert würd, /trüg unsrer Sünden schwere Bürd / wohl an dem Kreuze lange.

So lasst uns nun ihm dankbar sein, / dass er für uns litt solche Pein, / nach seinem Willen leben. / Auch lasst uns sein der Sünde Feind, / weil uns Gotts Wort so helle scheint, / Tag, Nacht danach tun streben, / die Lieb erzeigen jedermann, / die Christus hat an uns getan / mit seinem Leiden, Sterben. / O Menschenkind, betracht das recht, / wie Gottes Zorn die Sünde schlägt, / tu dich davor bewahren!
Text: Sebald Heyden um 1530
Melodie: Matthäus Greiter 1525

Vorbreitungsgebet

Gott, der Schrei nach dem Recht verstummt nicht! Wir rufen zu dir und geben unsere Stimmen den demonstrierenden Frauen und Männer in Myanmar, die unter der Polizeigewalt leiden; den Menschen im Jemen, denen der Krieg Tag für Tag Tod, Hunger und Flucht beschert; den Frauen, die Schmerz und Leid erleben durch ihre schlagenden Männer und Väter; den Kindern, die traumatisiert sind durch sexualisierte Gewalt in der Familie und sogar in den Kirchen: Schaffe Recht! Beende die Gewalt, befreie die Opfer von ihren Peinigern, stoppe Militär- und Polizeigewalt. Bewahre uns davor, die Opfer zu Tätern zu machen. Lass uns auf der Seite der Opfer stehen, lass uns gemeinsam nach Recht suchen und Recht schaffen. Amen.

Psalmgebet aus Psalm 43

Schaffe mir Recht, Gott,
und führe meine Sache wider das treulose Volk
und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke:
Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen,
wenn mein Feind mich drängt?
Sende dein Licht und deine Wahrheit,
dass sie mich leiten und bringen
0zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes,
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit,
Amen

Lesung

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im Buch Hiob, im 19. Kapitel: Dort erklingen aus dem Munde Hiobs Klage und Hoffnung:
Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich liebhatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon. Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach, dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach, dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist,
werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Predigt

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus, amen.

Positiv. Das Labor hat die Probe untersucht. Kein Zweifel. Jetzt hab ich ihn auch. Diesen verdammten Erreger. Covid19. Variante B 1.1.7. Die britische Mutation. Ich fühle mich ganz leer. Was wird nun passieren? Kein Gefühl mehr für mich. Mein Körper ist taub. Die Worte der Ärztin … was hat sie gesagt? Hat sie überhaupt etwas gesagt? Ihren mitleidigen Blick kann sie sich sparen. Bestimmt denkt sie: Hat er wohl nicht aufgepasst. War er wohl zu leichtsinnig. Dass die Leute es einfach nicht raffen – das Virus ist hoch infektiös! Ich schließe die Augen, nur noch weg hier, raus aus dem Zimmer, raus aus dem Testzentrum, lasst mich alle in Ruhe, haut ab.
Als ich das Testzentrum verlasse, gucken mich alle an. Positiv! Hab ich irgendwo ein Kennzeichen? Keiner sieht mich mit freiem Blick an. Alle schauen kurz zu mir und dann lang zu Boden. Oder sie blicken gleich weg. Drehen den Kopf zur Wand, verstecken sich hinter ihren FFP2-Masken, Angstaugen über Angstmasken. Der Weg raus ist leicht und frei – keiner will sich in den Weg stellen, alle weichen aus. Gut, an der frischen Luft zu sein. Am liebsten würde ich mir die FFP2-Maske aus dem Gesicht reißen. Aber nein, das darf ich nicht. Ich muss schnell nach Hause, mich einschließen, mich absondern, mich evakuieren, muss mich zurückziehen, meine Kontakte abbrechen.
Will ja eh keiner mehr mit mir zu tun haben. Positiv! Dass ich nicht lache! Positiv ist gar nichts daran. Es ist alles negativ! Nur nicht der Befund. Warum ich? Ich hab doch nichts falsch gemacht! Habe immer alle Schutzmaßnahmen beachtet. Immer Maske getragen. FFP2 schon lange, bevor es Pflicht wurde. Abstand gehalten, Homeoffice, minimale Kontakte. Online bestellt, um nicht einkaufen zu gehen. Videokonferenzen, um nicht andere zu treffen. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal gelacht habe. Die letzte Berührung, die letzte Umarmung. So lange schon aus dem Weg gegangen. Und was hats gebracht? Nichts! Warum ich?
Keinem kann ich vertrauen. Niemand vertraut mir. Allein bin ich. Auf mich geworfen. Aber ich ekele mich vor mir selbst. Vor meiner Weinerlichkeit. Vor meiner geringen Widerstandskraft. Vor meiner schnellen Frustration. Ich wäre doch gern stärker… Ich versteh mich nicht. Und ich verstehe Gott nicht. Als ob ER die bösen Mächte der Welt aufgerufen hätte, mich zu Grunde zu richten. Aber wahrscheinlich nehme ich mich nun auch noch viel zu wichtig. Wahrscheinlich ist es ihm völlig wurscht, wie es mir geht. Vielleicht lacht er sich ja krumm und schief, wie ich mich jetzt winde und quäle. Mit dem will ich nichts mehr zu tun haben. Einen Gott, der sich nicht schert und kümmert, den brauche ich nicht. Einen Gott, der sich wie ein Terrorist gegen mich wendet, den brauche ich nicht.
Positiv. Wenn ER doch auch positiv wäre! Wenn ER doch auch wüsste, wie es sich anfühlt, ausgegrenzt zu sein, allein zu sein, dem Tode geweiht zu sein. Ohne Hoffnung zu sein. Ohne Gott zu sein.
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Seine Worte! Christi Worte in tiefer Not! „Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit! Das Angesicht verbarg man vor ihm.“ Christus. Schmerzensmann. Kreuzesträger. Leidensmensch.

Positiv. Du auch? Ja, auch du. Ganz nah kommst du mir in meiner Not. Teilst mein Elend, machst es dir zu eigen. Trägst mit, was allein nicht zu tragen ist. Hältst aus, was ich allein nicht aushalten kann. Bleibst nahe, wenn alle anderen weichen. Christus, erlöse mich! Halte mich, wenn der Abgrund der Verzweiflung mich zu verschlingen droht. Wenn ich den Boden unter den Füßen verliere. Christus, erlöse mich! Sprich dein Wort des Trostes in meine Sprachlosigkeit, trockne meine Tränen und gib mir Zukunft. Lass mich leben. Du allein, allein DU, du allein kannst mir helfen. Mein Erlöser. Du lebst. Für mich.

Positiv. Gott. Nichts passt zwischen Christus und dich. Sein Atem ist dein Atem. Sein Blick ist dein Blick. Sein Schmerz ist dein Schmerz. Sein Erbarmen ist dein Erbarmen. Warum nur ich? Die Antwort bleibt aus. Aber mit dir an der Seite ist es leichter auszuhalten.   

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, amen.

Meditation nach der Predigt

(Ich weiß woran.... Improvisation Meinolf Herting)

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, / den Vater, den Allmächtigen, / den Schöpfer des Himmels und der Erde, /
und an Jesus Christus, / einen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, / empfangen durch den Heiligen Geist, / geboren von der Jungfrau Maria, / gelitten unter Pontius Pilatus, / gekreuzigt, gestorben und begraben, / hinabgestiegen in das Reich des Todes, / am dritten Tage auferstanden von den Toten, / aufgefahren in den Himmel; / er sitzt zur Rechten Gottes, / des allmächtigen Vaters; / von dort wird er kommen, / zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, / die heilige christliche Kirche, / Gemeinschaft der Heiligen, / Vergebung der Sünden, / Auferstehung der Toten / und das ewige Leben. / Amen.

Choral: eg 97 „Holz auf Jesu Schulter“

Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, / ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. / Kyrie eleison, sieh wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt / Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt. / Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. / Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht. / Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. / Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht. / Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu. / Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du? / Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Hart auf deiner Schulter, lag das Kreuz, o Herr, / Ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer. / Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
Text: Jürgen Henkys(1975) 1977
nach dem niederländischen Met de boom des levens von Willem Barnard 1963
Melodie: Ignace de Sutter 1964

Fürbittengebet und Vaterunser

Schaffe Recht, Gott! Den Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen, die um Atmen ringen, die gegen das Virus kämpfen, die erschöpft sind; die sich immer vorsichtig verhalten haben, die Kontakte gemieden und Masken getragen haben. Lass sie genesen - um deiner Liebe willen.
Schaffe Recht, Gott!  Den Opfern von Krieg und Gewalt, von Ausbeutung und Sklaverei. Beende die Unterdrückung und das Unrecht, stärke die Widerstandskraft der Leidenden, fall den Peinigern in den Arm und wecke ihr Gewissen. Schaffe Frieden – um deiner Liebe willen.
Schaffe Recht, Gott! Den Ausgegrenzten, Ausgeflippten, Ausgestiegenen, Ausgesourcten: die ihre Beheimatung verloren haben in unserer Gesellschaft, die vergeblich nach ihrem Wert suchen, denen die Maßstäbe der Mehrheit zum Nachteil dienen. Öffne Wege zur Gemeinschaft – um deiner Liebe willen.
Schaffe Recht, Gott! Deinem Wort, deinem Erbarmen, deiner Gerechtigkeit – wo sie mit Verachtung behandelt werden, wo sie mit Füßen getreten werden, wo sie in den Dreck gezogen werden. Erneure deine Kirche – um deiner Liebe willen.

Gemeinsam beten wir
Vaterunser im Himmel / geheiligt werde dein Name / dein Reich  komme / dein Wille geschehe / wie im Himmel so auf Erden / Unser tägliches Brot gib uns heute / und vergib uns unsere Schuld / wie auch wir vergeben unseren Schuldigern / und führe uns nicht in Versuchung / sondern erlöse uns von dem Bösen / denn dein ist das Reich  / und die Kraft / und die Herrlichkeit in Ewigkeit / amen.

Segen

Der HERR segne Dich und behüte Dich,
der HERR lass leuchten Sein Angesicht über Dir und sei Dir gnädig,
der HERR erhebe Sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden.
Amen, amen, amen.

Musik zum Auszug

(O Mensch, bewein dein    Christian Petold (1677-1733))

Kollektenhinweis

Kollekten vom 21.03.2021 Für die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen und die Evangelische Frauenarbeit in Westfalen
Glauben leben und aus dem Glauben heraus handeln, weltweit und ökumenisch - das ist Evangelische Frauenhilfe.
Frauenhilfe ist ein Ort, an dem Fragen gestellt und gemeinsame Antworten gefunden werden. Frauenhilfe ist Heimat für Frauen. Sie ist eine Brücke zum Glauben und zur Kirche. Frauenhilfe erinnert daran, was Aufgabe von Kirche, von Christinnen und Christen ist. Mit großem Engagement und vielfältigen Kompetenzen arbeiten zahlreiche Frauen der Frauenhilfe in den Gemeinden. Sie sind Sammlerinnen, Bezirksfrauen, Leiterinnen von Frauengruppen, Helferinnen in der Senioren- und Besuchsdienstarbeit. Frauen, die bereit sind, so viel Zeit und Kraft einzusetzen, brauchen Fortbildungen, Austausch und verlässliche Begleitung. Sie benötigen Ausarbeitungen von Themen und Andachten oder für die Gesprächsführung am Krankenbett. Fördern Sie die Arbeit von Ehrenamtlichen mit Ihrer Kollekte für die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V.
Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V., Materialdienst und Service, Feldmühlenweg 19, 59494 Soest, Tel.: 02921 371-245/246, Fax: 02921 4026, www.frauenhilfe-westfalen.de, E-Mail: beckheier@frauenhilfe-westfalen.de
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