Jubilate am 25.04.2021

Mitwirkende:
Lesung: J. Engelmann
Musik: R. Henkel, J. Engelmann, K. Herting, A. Reihs-Vetter
Liturgie: Pfrn. Reihs-Vetter mit J. Engelmann und K. Herting
Predigt: Pfrn. Reihs-Vetter

Glockengeläut und Musik zum Eingang

(„Moderato in c-moll“ op. 254 von Josef Gruber (1855-1933)

Eröffnung

Im Namen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.
G:    Amen.
P:     Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
G:     Der Himmel und Erde gemacht hat.
P:    Der Herr sei mit euch.
G:    Und mit deinem Geist.

Begrüßung mit Wochenspruch
Herzlich willkommen zum digitalen Gottesdienst am 3. Sonntag nach Ostern aus Bad Wünnenberg. „Jubilate“ heißt er – „Lobt Gott!“ in diesen Zeiten fragt manche:r sich, ob der Jubel angebracht ist und woher er überhaupt kommen soll in einer Welt der Gefährdungen. Es braucht einen guten Grund zum Jubeln!
Als christliche Gemeinde halten wir die Erinnerung und den Glauben daran wach, dass die Welt zwar ist, wie sie ist, dass sie aber nicht unser einziger Horizont ist. Gott ist der weite, weitere, weiteste Horizont des Lebens. In diesen Horizont sind wir als Geschöpfe hineingestellt: beseelt, geliebt und begrenzt. Und mehr noch: auch erlöst, errettet und erneuert. So heißt es im Wochenspruch aus dem 2. Kor.-Brief:
Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Kor. 5, 17)

Eingangsgebet:

Treuer Gott,
auch wenn unsere Augen zuweilen blind
und unsere Herzen gehalten sind:
Es ist doch alles da:
Das Licht, das in der Finsternis scheint,
die Stimme, die Stein zerbricht,
die Liebe, die unser Leben reich machen kann.
Gott, wir wollen sehen,
wir wollen hören,
wir wollen spüren,
wie unser Leben heil und neu werden kann.
Zeige es uns heute.
Sage es uns, berühre uns –
heute und alle Tage.
Amen

Lied: Jauchzt alle Lande, Gott zu Ehren (EG 279, 1.2.4)

1. Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren, rühmt seines Namens Herrlichkeit, und feierlich ihn zu verklären, sei Stimm und Saite ihm geweiht. Sprecht: Wunderbar sind deine Werke, o Gott, die du hervorgebracht; auch Feinde fühlen deine Stärke und zittern, Herr, vor deiner Macht.
2. Dir beuge sich der Kreis der Erde, dich bete jeder willig an, dass laut dein Ruhm besungen werde und alles dir bleib untertan. Kommt alle her, schaut Gottes Werke, die er an Menschenkindern tat! Wie wunderbar ist seine Stärke, die er an uns verherrlicht hat!
4. Rühmt, Völker, unsern Gott; lobsinget, jauchzt ihm, der uns sich offenbart, der uns vom Tod zum Leben bringet, vor Straucheln unsern Fuß bewahrt. Du läuterst uns durch heißes Leiden, wie Silber rein wird in der Glut, durch Leiden führst du uns zu Freuden; ja, alles, was du tust, ist gut.
(Matthias Jorissen 1798, Melodie: Guillaume Franc 1543, Loys Bourgeois 1551)

Psalm 66, 1-9 (nach einer Übersetzung von Peter Spangeneberg – gerahmt und unterbrochen durch EG 316: Lobe den Herren)

♫Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, lob ihn, o Seele, vereint mit den himmlischen Chören. Kommet zuhauf,
Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören! (EG 316, 1)♫

Stimmt ein, ihr Menschen,
in das festliche Singen für unsern Gott!
Lasst eure Stimmen erklingen in der ganzen Welt,
damit Gottes Name Musik wird.
Rund um die Erde soll es erklingen:
Mit Blues und Choral,
mit Trommel und Pfeife,
mit Pauken und Trompeten,
mit Balalaika und Harmonika:
Tretet näher, ihr Menschen,
und bewundert die Schönheit der Welt
und erkennt, welche Wunder Gott an den Menschen tut!

♫Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?(EG 316, 2) ♫.

Ein ganzes Volk hat Er vorzeiten in die Freiheit geführt,
trockenen Fußes durchs Meer.
Er hält Seine Menschenkinder fest im Auge,
und wer das leugnet, kommt damit keinen Schritt weiter.
Selbst Seine Gegner müssen davor erblassen.

♫Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. Denke daran,
was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet. (EG 316, 4)♫

Alle Welt soll es hören, wie wir unsern Gott besingen.
Wie Er uns durch alle schweren Stationen und Prüfungen hindurch
am Leben erhält.
Jeder soll selber erzählen,
welche Geschichte er mit Gott hat.
Mit dem Gott, Der uns bewahrt und herausfordert,
Der Seine Hand über uns hält und uns zutraut, an Seinem Reich mitzubauen.

♫Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen. Lob ihn mit allen, die seine Verheißung bekamen. Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht. Lob ihn in Ewigkeit. Amen. (EG 316, 5)♫

Gloria patri (WL 23)

♫ Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar. Und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen ♫

Lesung des Predigttextes Apg. 17, 22-34

Der Predigttext für diesen Sonntag steht in der Apostelgeschichte des Lukas im 17. Kapitel:
Paulus stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

Worte der Heiligen Schrift

Halleluja (Psalmvers gerahmt mit EG 181.5)
♫ Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. :II ♫
Lobt Gott in Seinem heiligtum.
Alles, was Odem hat, lobe den Herrn.
♫ Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. :II ♫
Der Herr ist auferstanden.
Er ist wahrhaftig auferstanden.
♫ Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. :II ♫

Predigt zu Apg. 17, 22-34

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserm Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,
I
Den Weg durch Bad Wünnenberg und den Kurpark kennt sie in- und auswendig. Mehrmals in der Woche geht sie immer dieselbe Runde. Hundert Mal hat sie die Auslagen ihrer Lieblingsboutique schon gesehen, die derzeit nur per „click and meet“ zu haben sind. Sie kennt jeden Baum und jede Blume, hat längst den Schafen und Ziegen im Wildgehege Namen gegeben und das Rotwild kommt schon angelaufen, wenn sie mit der Tüte Futter an den Zaun tritt. Die Runde ist zur Routine geworden, die den eintönigen Corona-Alltag im Homeoffice unterbricht. Wenigstens sieht sie mal was anderes, wenn schon Kontakte nicht möglich sind.
Sie geht am Café vorbei. Noch immer sind die Tische leer, die Stühle zusammengekettet. „Noch etwas, was gerade nicht geht“, denkt sie und das Herz fühlt sich schwer an. Aber weil sie ein ehrlicher Mensch ist, gesteht sie sich ein, dass sie sich vermutlich selbst im Weg steht. Und natürlich sind da gleich wieder alle Gedanken auf einmal und keinen kriegt sie zu fassen. Sie unterbricht sich mit einem Seufzer.
Da vorne ist die Kirche. Sie hat es damit eigentlich nicht so, aber eine Kerze anzünden, tut doch irgendwie gut, hat sie in den letzten Monaten festgestellt. Vielleicht ist da ja wirklich jemand, der das sieht und ihre unausgesprochenen Gedanken versteht. Sie entzündet das Teelicht auf dem Altar vor der Kirche, bleibt einen Moment davor stehen. Sie schaut zu, wie die Flamme gegen den Wind kämpft, dann aber an Kraft gewinnt und ruhig im Glas leuchtet. Sie setzt sich auf die Bank in der Sonne, schließt die Augen und atmet ein paarmal tief durch. – Die Bank wackelt ein wenig, jemand setzt sich neben sie. „Schön, oder?“ Als sie die Augen öffnet, sieht sie neben sich eine Frau sitzen, die Nase in der Sonne. Scheinbar redet sie mit ihr. Sie schließt die Augen wieder, hält die Nase ins Licht, wie um sich zu vergewissern. „Ja, schön.“ Sie würde nie einfach fremde Menschen auf der Straße ansprechen. „Riechen Sie mal, es riecht richtig nach Frühling!“ Gerade noch schießt ihr durch den Kopf, warum sie macht, was die andere sagt, da entspannt sich ihr Körper schon. Hmm, jetzt kann auch sie es riechen. Eine ganze Weile atmen sie nebeneinander. „Sie sehen müde aus“, sagt die Fremde zu ihr. Sie runzelt die Stirn, nun doch ein wenig unwillig, so angesprochen zu werden, aber auch erstaunt, dass man es so deutlich sieht. Meist ist sie darum bemüht, dass andere es nicht merken. Alle wollen eine toughe junge Frau sehen, also zeigt sie sie ihnen. Oder etwa doch nicht? „Ich weiß nicht. Ja, vielleicht bin ich müde.“ Die andere steht auf, ihr „Warten Sie“ überrascht nicht mehr. Sie geht in die Kirche und kommt bald darauf mit zwei Bechern Kaffee zurück. Als sie ihr den einen reicht, fragt sie nach ihrem Namen und was sie so macht. „Damaris“, sagt sie, und als sie das Staunen im Gesicht der anderen sieht, erzählt sie von dem Elternhaus, in dem Bildung eine so große Rolle spielte, und erzählt weiter, von dem, was sie ist, von dem, was sie war, und irgendwann auch von dem, was ihr fehlt. Schon lange spürte sie es, aber noch nie hat sie diese Lücke so deutlich gesehen und in Worte gefasst.
Das Reden tut gut. Nach einer ganzen Weile verabschiedet sich die Fremde: „Ich gehe jetzt wieder rein. Ich freue mich, wenn Sie wieder mal herkommen. Sie wissen ja, wo sie mich finden. Gott segne Sie!“ – Damaris atmet auf: Ja … das wäre schön.
II
Die Sonne in Athen brennt. Paulus sucht Schatten auf dem Weg durch die Straßen und Gassen. Er kennt die Stadt nicht, hat nur von ihr gehört. Gerade aus dem Gefängnis entlassen, wartet er wie verabredet hier auf sein Team, damit sie dann gemeinsam weiterreisen können übers Meer. Die Zeit bis dahin kann man ja nutzen und sich mal umsehen… Politisch und wirtschaftlich ist Athen nicht sehr bedeutend, dafür aber voller Erinnerungen an ein goldenes Zeitalter der Kunst und Philosophie. Und die Wiege der Demokratie – auch wenn das schon längst wieder Geschichte ist. Paulus geht vorbei an imposanten Gebäuden, aber er hat keinen Blick für die großartige Architektur. Er, der Apostel und Missionar, sucht nicht den Kunstgenuss, sondern Gott auf den Straßen und Plätzen. Ihm begegnen auf seinem Weg zahllose Götterbilder und Tempel. – Auf dem Marktplatz, wo einst schon Sokrates die Passanten mit seinen Fragen nervte, kommt Paulus ins Gespräch mit den Einheimischen. Gebildet sind sie und kunstbeflissen, die Athener. Kritik und Skepsis wurden hier erfunden und in alle Welt exportiert. An die alten Göttermythen dagegen glaubt hier kaum noch jemand. Eher, dass die Vernunft es möglich macht, sich dem Wahren, Guten und Schönen zuzuwenden. Wahrheitssuche darf in Athen gern unterhaltsam sein: "Wo du schon mal da bist: Beeindrucke uns, wenn du kannst!", sagen die Gesten und Gesichter. "Was hast du zu sagen über Gott und den Kosmos? Über das Glück und das tugendhafte Leben?“
Paulus schlägt sich in seiner ersten Diskussion auf dem Markt in Athen so gut, dass er zur Begutachtung auf den Areopag geladen wird. Hier, unterhalb der Akropolis wird nicht Smalltalk, sondern Politik gemacht und Recht gesprochen. Diese Chance will der Apostel nicht ungenutzt lassen. Er atmet tief durch und schickt ein Stoßgebet zum Himmel: „Herr, gib mir die richtigen Worte!“ In Gedanken sucht er nach einem passenden Einstieg, da taucht aus seiner Erinnerung dieser eine Moment auf: Auf seinem Streifzug durch Athen steht er vor dem Altar eines unbekannten Gottes. Ohne die üblichen Bilder, ohne klangvollen Namen. Welches Geheimnis verbirgt sich dahinter? In Athen gibt es für alles einen Gott. Selbst für das, was man nicht bedacht hat. Der Altar markiert eine Leerstelle: Was haben wir übersehen? Gibt es noch mehr zu entdecken als das, was wir schon kennen? Kluge Menschen haben auch ein Gespür für das, was sie alles nicht wissen…
Das könnte ein Anknüpfungspunkt sein. Und so beginnt Paulus, die Lücke, die dieser „Altar für den unbekannten Gott“ beschreibt, für seine Zuhörer zu füllen mit seinem Bild von Gott, dem Vater Jesu Christi. Die Farben, in denen er dieses Bild malt, kennen die Athener. Sie finden darin ihre eigenen Vorstellungen wieder. Paulus spricht ihre Sprache. Sie können ihn verstehen. Paulus nimmt sie mit, als er ihnen vom Schöpfergott erzählt; lehnt sich an ihre Vorstellung an, als er ausführt, dass so ein Gott nicht in menschengemachten Tempeln lebt und sich von Menschen nicht bedienen lässt. Schließlich zitiert er sogar einen ihrer Dichter: „Denn in ihm leben, weben und sind wir“. - Die Menschen um ihn herum lauschen konzentriert; man könnte eine Stecknadel fallen hören. Viele nicken voller Zustimmung. Ja, so können sie ihn sich vorstellen, den sie da schon immer verehrten…
Doch dann verlässt Paulus ihre Komfortzone und erzählt etwas Unerhörtes: von Jesus Christus und dass Er auferweckt wurde von den Toten. Von Buße und Glauben und Leben. Da nicken die Umstehenden nicht mehr. Dieser Gott passt nicht in ihr Bild vom Unbekannten! Einige wenden sich unwillig und genervt ab. Andere spotten und machen sich lustig. Wieder andere wollen mehr hören – aber später.
Dionysius, einer aus dem Rat der Stadt, steht da wie gebannt. Ihn hat die Botschaft dieses Fremden mitten ins Herz getroffen. Die Unruhe um sich nimmt er kaum wahr; in ihm arbeitet es. All die Fragen und Gedanken, die schon so lange in ihm rumoren, die er nie richtig  fassen, geschweige denn ins Wort bringen konnte, finden in dem, was dieser Paulus da sagt, eine Antwort. Als käme seine Sehnsucht endlich ans Ziel: Bisher wusste ich nicht, wohin es mich zieht. Da war immer schon etwas. Oder jemand. Aber ohne Namen, ohne Gesicht. Jetzt endlich bekomme ich eine Ahnung, wer da an meinem Herzen zieht. Der lebendige Gott. Dieser Gott thront nicht irgendwo im Reich des Unerklärlichen, Unbeherrschbaren und Übernatürlichen. Er will nicht nur in prunkvollen Tempeln und geheimnisvollen Riten angebetet werden, braucht keine Priesterkaste, die Ihm dient. Dieser Gott, von dem Paulus spricht, ist anders: Er beschränkt sich nicht auf die Außengrenzen des Lebens, wo die Menschen nicht weiterwissen, absolut ratlos sind, wo nichts mehr beherrschbar oder berechenbar ist. Dieser Gott ist überall am Werk, mitten im Leben und im Guten. Im Menschsein, das uns alle verbindet. Nicht in den Dingen, die uns unterscheiden und trennen. Er lässt sich nicht in Bilder fassen, nicht mit Konzepten oder Begriffen dingfest machen. Wenn man Ihn in solche Gräber sperrt, kommt Er wieder heraus und sie sind leer. Was für ein Gedanke!: Gottesdienste und Tempel dienen nicht dazu, dem Alltag zu entfliehen. Sondern mir gerade genug Abstand zu ermöglichen, dass ich Gottes Spuren im Gewöhnlichen entdecke: Bei meiner Arbeit, beim Einkauf, im Grünen, beim Gespräch über den Gartenzaun oder wenn ich nachts wach liege… Dionysius ist ganz aufgeregt, als er endlich begreift: Gott, der lebendige Gott, ist nicht nur Grund und Urheber der Welt, sondern Er verfolgt auch ein Ziel. Menschen spiegeln Gott oft und in vielerlei Hinsicht wider. Es gibt Wahres, Gutes und Schönes unter ihnen. Und manchmal ist es auch schlichtweg zum Heulen, was sie einander antun. Die Würde aller nimmt Schaden, wenn Gerechtigkeit mit Füßen getreten wird und die Gewalt der einen und die Gleichgültigkeit der anderen sich die Hand reichen. Deswegen offenbart sich der lebendige Gott ausgerechnet im leidenden und gekreuzigten Christus. Für diesen sperrigen Christus gibt es keine passende Nische. Er stört, also wird er beseitigt. Gottes Sohn nimmt es in Kauf, selbst unter die Räder zu kommen. Und damit deckt er den herzzerreißenden Zwiespalt der Menschheit auf: So großartig und doch auch so grausam sein zu können. Aber gerade da stößt Gott nun die Tür zu einer neuen Welt auf. Im Auferstandenen erscheint sie, inmitten in der alten, kaputten Welt. Immun gegen die Krankheit der Unmenschlichkeit. Dionysius atmet auf; in ihm jubelt es.
III
Liebe Gemeinde, Dionysius und Damaris können überall sein: Menschen, die offen sind für einen (noch) unbekannten Gott, weil sie trotz aller Angebote und Verheißungen in ihrer Umwelt um eine Leerstelle in ihrem Leben wissen. Weil sie klarhaben, dass es Dinge gibt, die ihren Verstand übersteigen, und eine Sehnsucht in sich tragen nach diesem Anderen.
Dionysius und Damaris können so viele Gesichter haben: Dionysius – er kann ein Mann sein, der von Erfolg zu Erfolg hetzt und abends allein in eine kalte Wohnung kommt. Dionysius – ein Mann, dem in seiner Obdachlosigkeit vollends das Gefühl für den eigenen Wert abhandengekommen ist. Dionysius – einer, der spürt, dass seine Freunde ihm nicht guttun, aber – besser als gar keine. Oder?
Damaris – sie kann eine ältere Frau sein, geschmackvoll gekleidet, die immer wieder im Kurpark allein auf einer Bank sitzt und einer Vergangenheit hinterherträumt, die es nicht mehr gibt. Damaris – eine, die von außen ganz heil aussieht und selbst nicht weiß, warum sie innen so kaputt ist.
Mal sind Damaris und Dionysius vom Leben gezeichnet oder vom Über-Leben und mal wohnen sie direkt neben mir und führen ein unscheinbares Alltagsleben. Dionysius und Damaris haben viele Gesichter, manchmal auch meines. Sie sind wie die Straßen des alten Athen, gesäumt mit den Göttern, die Hilfe bieten für oder gegen dieses und jenes: vielleicht eine wunderbare Arbeit für das Selbstvertrauen, einen liebevollen Partner gegen die Einsamkeit, Kinder gegen die Angst vor dem Tod. Und dann ist da die Stelle, die sie möglicherweise gar nicht richtig benennen können, die unbekannt bleibt. Eine Leerstelle, ein Ziehen im Herzen.
Manchmal gibt es den einen Moment, in dem das, was da offen bleibt, einen Namen bekommt. Manchmal gibt es einen Moment, in dem Gott selbst in ihrer Sprache zu ihnen redet. Gott stopft keine Lücken, ersetzt nicht Freunde, Erfolg, Gesundheit oder was immer auch fehlt. Aber Gott hilft beim Hinschauen und Aushalten: „Ich bin da!“ Und manchmal wird dann in der Schwachheit eine neue, nicht gekannte Kraft mächtig. Da kann dann einer doch noch einen Versuch unternehmen. Da kann eine in den Spiegel sehen und sagen: So ist es gut. Und eine danken für das, was war, anstatt zu weinen darüber, dass es nicht mehr ist. Dann merken sie, dass Leben doch sein kann, trotz allem. Christinnen und Christen nennen das Auferstehung. Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Musik zur Meditation

(„Promises“ von Daniel Hellbach (geb. 1958)

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten
unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Lied: Stimme, die Stein zerbricht (WL 80)

1. Stimme, die Stein zerbricht, kommt mir im Finstern nah, jemand der leise spricht: Hab keine Angst, ich bin da.
2. Sprach schon vor Nacht und Tag, vor meinem Nein und Ja. Stimme, die alles trägt: Hab keine Angst, ich bin da.
3. Bringt mir, wo ich auch sei, Botschaft des Neubeginns, nimmt mir die Furcht, macht frei, Stimme, die dein ist: Ich bin´s!
4. Wird es dann wieder leer, teilen die Leere wir. Seh dich nicht, hör nichts mehr - und bin nicht bang: Du bist hier.
(Text: Jürgen Henkys 1990 nach Anders Frostensen 1971; Musik: Trond Kverno 1968)

Fürbitten mit Liedruf Jubilate Deo (EG 181.7, Zeile 1 und 2)

Gott des Himmels und der Erde,
wir leben in Dir,
wir bergen uns in Deiner Liebe.
Du bist unsere Hoffnung,
Dich beten wir an:
♫ Jubilate Deo. Jubilate Deo. Halleluja ♫
 
Gott des Himmels und der Erde,
die Leidenden ringen nach Atem.
Lass Dich anrühren durch ihre Angst:
Befreie die politisch Gefangenen.
Tröste ihre verzweifelten Angehörigen.
Rette die Kinder zwischen den Fronten der Kriegsgebiete,
in den Lagern und auf der Flucht.
Schütze die vielen Bedrohten und Hungernden,
die wir nicht kennen.
Sie sind Deine Geschöpfe,
mit denen wir Dich zusammen anbeten wollen:
♫ Jubilate Deo. Jubilate Deo. Halleluja ♫

Gott des Friedens,
das Kriegsgeschrei wird immer lauter.
Schaffe Deinem Frieden Raum –
in der Ukraine, in Afghanistan und Syrien, in Mali und Tschad
auf den Straßen von Myanmar, Belarus und der Türkei…
Überall auf der Welt
zerbrich die Waffen.
Entmachte die Kriegstreiber.
Ebne den Argumenten der Vernunft und Liebe den Weg.
Verbinde die Zerstrittenen.
Versöhne Deine Geschöpfe miteinander und mit Dir.
Mit ihnen zusammen wollen wir Dich anbeten:
♫ Jubilate Deo. Jubilate Deo. Halleluja ♫

Gott der Liebe,
neues Leben wird geboren.
Deine Schöpfung blüht auf.
Behüte die neugeborenen Kinder.
Erfreue Dich an den neu Getauften.
Begeistere die Konfirmandinnen und Konfirmanden.
Segne die, die einander lieben.
Heile die Kranken.
Geleite die Sterbenden.
Gib Kraft denen, die beide begleiten.
Nimm Dich unserer Verstorbenen an.
Bewahre alle, die wir lieben und für die wir Verantwortung haben.
Mit ihnen zusammen wollen wir Dich anbeten:
♫ Jubilate Deo. Jubilate Deo. Halleluja ♫

Ewiges Wort,
nah bist Du uns, gegenwärtig in Deiner Kirche.
Sende uns als Boten des Lebens.
Mache uns zum Werkzeug des Friedens.
Erfülle uns mit Deinem Geist.
Du bist das Leben.
Mit allen Deinen Geschöpfen beten wir Dich an:
♫ Jubilate Deo. Jubilate Deo. Halleluja ♫

Alles, was uns bewegt,
was uns freut und jubeln lässt
und was uns drückt und unaussprechbar ist
legen wir in die Worte, die Dein Sohn und geschenkt hat:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name!
Dein Reich komme!
Dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden!
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen,

denn Dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit,
Amen.

Lied: Lass mich Dein sein und bleiben (EG 157)

Lass mich dein sein und bleiben, du treuer Gott und Herr, von dir lass mich nichts treiben, halt mich bei deiner Lehr. Herr, lass mich nur nicht wanken, gib mir Beständigkeit; dafür will ich dir danken in alle Ewigkeit.
(Text: Nikolaus Selnecker 1572; Melodie: Melchior Teschner 1614)

Segen

♫ Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lass leuchten Sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe Sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen, Amen, Amen ♫

Musik zum Nachklang: („Sortie“ v0n F.A. Guimant (1837-1911)

Kollektenhinweis:

In unseren Gottesdiensten sammeln wir regelmäßig Kollekten ein. Auch, wenn wir derzeit nicht zur gemeinsamen Feier zusammenkommen können, möchten wir Gelegenheit geben, zu teilen und wichtige kirchliche Aufgaben zu unterstützen.
Heute legen wir Ihnen die Kollekte für die Evangelische Jugendarbeit in Westfalen ans Herz:
Weil Gottes Schöpfung bunt und vielfältig ist und seine Liebe jedem einzelnen Menschen geschenkt wird, gilt in der Evangelischen Jugend der Satz „Alle sollen dazugehören, Menschen mit Behinderung gleichermaßen wie Menschen in sozial benachteiligten Lebenslagen oder Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen und alle anderen auch.“ Die evangelische Jugendarbeit bietet Möglichkeiten, Vielfalt zu erleben und gemeinsames Leben auszuprobieren, vor allem bei gemeinsamen Freizeiten. Die Mehrkosten, die durch die Beteiligung junger Menschen mit Behinderung unabweisbar entstehen, können nur selten von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern getragen werden. Deshalb will die Jugendkammer die Zusatzkosten aus den Erträgen der heutigen Kollekte teilweise den Gemeinden und Kirchenkreise erstatten. - Wenn Sie diese Aufgabe unterstützen möchten, überweisen Sie den von Ihnen zu bestimmenden Geldbetrag bitte auf das Konto der
Ev. Kirchengemeinde Büren-Fürstenberg
IBAN DE34 4726 1603 0135 3000. Unter Verwendungszweck geben Sie bitte „25.04.2021 – ev. Jugendarbeit Westfalen“ an, damit wir das Geld korrekt einsetzen bzw. weiterleiten können. Vielen Dank!