Invokavit am 21.02.2021

Mitwirkende: Katrin und Meinolf Herting, Pfrn. Almuth Reihs-Vetter, Siegrun Stork

Glockengeläut und Musik zum Eingang

Wir danken Dir, Herr Jesu Christ (J.S. Bach, 1685-1750)

Eröffnung und Begrüßung

P:     Im Namen Gottes,
        des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.
G:     Amen.
P:     Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
G:     Der Himmel und Erde gemacht hat.
P:     Der Herr sei mit euch.
G:     Und mit deinem Geist.

Herzlich willkommen zum digitalen Gottesdienst am 1. Sonntag der Passionszeit aus Wewelsburg.
Wir leben als Christinnen und Christen in der Welt – und die ist nicht das Paradies. Wir sind wie alle anderen auch Leid und Not ausgesetzt, Versuchungen und Heimsuchungen, Krankheit, Schuld und Tod. Haben wir überhaupt eine Chance, aufrecht und ge-recht durchs Leben zu gehen?
Der Wochenspruch aus dem 1. Joh.-Brief macht Hoffnung: Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass Er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Joh. 3, 8b)

Eingangsgebet

Die Werke des Teufels, die Auswirkungen des Bösen erleben wir in dieser Welt und auch in unserem eigenen Leben immer wieder. Lasst uns all das in der Stille vor Gott ablegen, dem Herrn über Mächte und Gewalten.

STILLE

Heiliger Gott, ewige Liebe,
Du hast mit Kain weitergemacht,
obwohl er Abel erschlug.
Du hast mit Noah einen Bund geschlossen,
obwohl die Menschen keinen Pfifferling mehr auf Dich gaben.
Du hast nach dem Turmbau zu Babel
trotz größter Sprachverwirrung
weiter das Gespräch mit uns gesucht.

Du Dennoch-Gott,
mach weiter mit uns und gib uns nicht auf.
Halte Du Wort,
wo wir das unsere nicht zu halten vermögen.
Vergib uns unsere Schuld
und hilf uns, zu vergeben unsern Schuldigern.

Lass uns nicht los,
wenn das Böse nach uns greift.
Und wenn Du selbst uns zur Frage wirst,
lass sie uns unter Dein Kreuz tragen –
an den Ort,
an dem der Wechsel geschah,
an dem ein Unschuldslamm
unsere Schuldscheine einlöste
und das Morgenrot der Ostersonne
der Nacht des Todes ein Ende setzte.

Amen

Lied: Ach bleib mit Deiner Gnade (EG 347)

1. Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.
2. Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, dass uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.
3. Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht; dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.
4. Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.
5. Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held, dass uns der Feind nicht trutze noch fäll die böse Welt.
6. Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit verleihe,
hilf uns aus aller Not.
(Text: Josua Stegmann 1627; Melodie: bei Melchior Vulpius 1609)

Psalmgebet: Ps. 91, 1-6.9-12 mit Liedruf aus EG 105

♫ 1. Du bist meine Zuflucht, Du bist meine Hoffnung, Du bist meine Stärke. Lass mich nicht allein! :II ♫
Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
der spricht zu dem HERRN: /
Meine Zuversicht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn er errettet dich vom Strick des Jägers
und von der verderblichen Pest.
Er wird dich mit seinen Fittichen decken, /
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,
vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,
vor der Pest, die im Finstern schleicht,
vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
♫ 2. Du bist meine Freude, Du bist meine Sehnsucht, Du bist meine Sonne. Gib mir Lebensmut! :II ♫
Denn der HERR ist deine Zuversicht,
der Höchste ist deine Zuflucht.
Es wird dir kein Übel begegnen,
und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.
Denn er hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
♫ 3. Du bist meine Heimat, Du bist meine Zukunft. Du bist meine Hilfe. Hol mich aus der Not! :II ♫
(Alle:) Amen

Lesung

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im Johannesevangelium im 13. Kapitel:

Jesus wurde erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist's? Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

die Nacht hat begonnen. Konturen sind unscharf geworden, Licht und Schatten vermischen sich auf unheimliche Weise – bis die Dunkelheit das Licht ganz schluckt. In der Nacht erwachen sie zum Leben, die windigen Gesellen, Diebe und Mörder, gefährliche Tiere und Dämonen auch. Im Schutz der Dunkelheit treiben sie ihr Unwesen. Und es war Nacht: Die Zeit der finsteren Mächte hat begonnen.

Teil dieser Nacht ist Judas. Weggefährte und Freund Jesu. Schatzmeister der jesuanischen Bewegung, einer Seiner engsten Vertrauten. Kopfschüttelnd möchte man mit dem Finger auf Judas zeigen: Wie konnte er nur? Da mag die Stimme vor Empörung erzittern: So eine durchtriebene Boshaftigkeit! So eine Gemeinheit! Wie ist dieser Fiesling überhaupt in die Nähe Jesu geraten? Was hat so einer am Tisch des Herrn verloren? Kein Gotteskind ist dieser Judas, vielmehr ein Teufelssohn, ein Satansbraten… – Und mit solchen Reaktionen wäre man nicht mal in schlechter Gesellschaft. Die vier Evangelisten, auch Johannes, stellen ihn so dar. Und in Folge wurde eine ganze Kirchengeschichte lang Judas immer wieder neu in die Nacht geschickt und zum Inbegriff menschlicher Hinterhältigkeit erklärt. Da lässt sich einer seinen Liebesverrat sogar mit Geld bezahlen. Und als Inbegriff der Verlogenheit steht der Kuss. Der „Judas-Kuss“, der alles, was ein Kuss an Zärtlichkeit und Leidenschaft ausdrückt, ins Gegenteil verkehrt. Im Verrat des Judas wird mit einer Geste alles zunichte gemacht, was den christlichen Glauben auszeichnet.
Judas, der ist ein Verbrecher, einer, der für Geld über Leichen geht, einer, der eine Freundschaft verrät, als der Freund die Solidarität am nötigsten hat. Nein, Judas ist nicht wie wir. Wir mögen ja ein paar Fehler haben, wie die anderen Jüngerinnen und Jünger. Mit unserem Glauben mag es nicht immer zum Besten stehen und oft stolpern wir auch über kleine böse Gedanken. Selbst eine Gemeinheit ist vielleicht hin und wieder dabei. Aber Judas, das ist nun wirklich eine andere Nummer der Verdorbenheit. Judas, das ist der Fremde; der, der nichts mit dem ordentlichen Christenmenschen gemein hat; einer, der sich ganz der Nacht verschrieben hat und dessen Reue zu spät kommt. Oder ist der Selbstmord am Ende womöglich nur das Finale einer feigen und verlogenen Existenz?
Judas, das sind immer die anderen: im besten Fall die, die die Botschaft Jesu nicht auf sich beziehen; im schlimmsten Fall die Gottesmörderbande, der nichts heilig ist, was Christen Grund des Glaubens und der Hoffnung ist. Wir wollen nichts mit ihm zu tun haben. Und vor allem wollen wir nicht, dass er etwas mit uns zu tun hat – oder?

Ich fürchte nur, liebe Gemeinde, so einfach kommen wir nicht davon. So einfach lassen Licht und Finsternis sich nicht trennen oder auch nur unterscheiden. Judas, der Verräter ist keiner von den Anderen! Er kommt aus dem engsten Freundeskreis Jesu. Er hat mit Ihm gelebt, er hat neben Ihm geschlafen und Seinen Worten gelauscht. Er hat Ihm Fragen gestellt und Ihn mit Kindern lachen sehen. Er hat mit Ihm das Brot gebrochen, hundert Mal – am Morgen und am Abend. So wie an diesem Abend. Judas ist ganz nah dran am Sohn Gottes. Er kennt Seine Botschaft in- und auswendig. Das macht seinen Verrat so ungeheuerlich. Der Verrat kommt nicht von außen, er kommt von innen. Das ist der tiefe Schrecken dieser Geschichte, der einen verstummen lässt.
Der Verrat kommt von innen. An dieser Ungeheuerlichkeit haben viele sich schon die Zähne ausgebissen – auch Theologen und Theologinnen. Verrat – das sei ein zu harter Begriff; man solle doch lieber von „ausliefern“, „übergeben“ oder „hingeben“ sprechen. Das kommt auch dem griechischen Urtext näher. Aber macht es das wirklich besser? - Manche haben Judas sogar rehabilitiert: Irgendjemand musste Jesus ja verraten, damit das Heilswerk am Kreuz geschehen konnte, so wird argumentiert. Judas wandelt sich so unter der Hand vom Verräter zum Chefagenten in der Passionsgeschichte Gottes mit den Menschen. Und die Logik ist geradezu bestechend: Wenn Judas Gottes williges Werkzeug war, dann ist er ja eigentlich unschuldig. Ohne Judas keine Auslieferung an die Obrigkeit, kein Kreuz, keine Auferstehung, keine Erlösung. Auf den ersten Blick geht diese Rechnung glatt auf. Aber sie ist auch gefährlich. Denn was für ein zynisches Gottesbild wäre das denn, zu glauben, Gott gehe so über Leichen, um Sein Heilswerk zu vollbringen? Judas als Opfer göttlichen Kalküls? Das steht im Widerspruch zu allem, was die Bibel von Gott und auch vom Menschen bezeugt! Nirgendwo lässt sich die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen und die Freiheit des Gewissens so auflösen, dass Menschen zu Marionetten ihres Schöpfers werden. Das, was erschauern lässt, ist nicht, dass Judas zum Opfer von Gottes Kalkül geworden wäre, sondern dass Menschen nicht davor gefeit sind, die Wahl zu treffen, die Judas getroffen hat. Auch die nicht, die nah an Jesus dran sind. Auch Sie nicht und du nicht und ich nicht, die wir uns zu Seinen Freunden zählen und regelmäßig an Seinem Tisch zusammenkommen! –

In sich selbst die Möglichkeit zu entdecken, Judas ähnlich zu sein, das erschüttert. Man mag über die Motive des Judas streiten. Vielleicht waren die gar nicht so schlecht. Vielleicht wollte er, dass die Situation eskaliert und Jesus endlich zeigt, aus welcher Macht Er handelt. Blanker Hass gegenüber der römischen Besatzungsmacht mögen seine Sehnsucht nach einem politischen Messias blind gemacht haben für die Art der Erlösung, die Jesus versprach. Vielleicht wollte er seinerseits der Sache Jesu ein wenig Dampf machen. Vielleicht wollte er Jesus provozieren, Seine defensive Haltung aufzugeben und endlich mal richtig aus der Haut zu fahren angesichts des Unrechts an Seinem Volk. Es wäre nicht der letzte Liebesverrat, der für eine gute Idee oder für eine große Weltanschauung begangen worden wäre. Das kennt doch vielleicht auch manch eineR von sich selbst, dass er/ sie schon zu wissen meint, wie Gott in dieser Welt zu Seinem Recht verholfen werden sollte, statt es Ihm selbst zu überlassen, die Welt  zu verwandeln. So kam es zu  Kreuzzügen, Hexenverbrennungen, Judenverfolgungen. Wie oft verhalte ich mich so, als wüsste ich, wie echter Glaube auszusehen habe und wie die Liebe Gestalt gewinnen sollte – und wie auch nicht, statt Ihm, Gott, die Vielfalt Seiner Wege zuzugestehen. So entstanden Kirchenzucht und sogar Kirchenspaltungen – aus gutem Willen geboren und doch so schmerzhaft, bis heute…

Erst als Judas sieht, was er angerichtet hat, sieht er die Folgen seines falschen Kusses. Er, einer von den Zwölfen. Schuld am Tod des geliebten Meisters. Wie groß muss das Ausmaß der Verzweiflung gewesen sein, dass er keinen anderen Ausweg sah, als sich selbst das Leben zu nehmen – eine Todsünde für einen gläubigen Juden. Ja, Judas ist auch Opfer in dem ganzen Geschehen. Aber nicht ein Opfer des göttlichen Kalküls, sondern das Opfer seiner eigenen Tat. Er hat seinen Liebsten hingegeben und muss dann erkennen, dass er sich total verschätzt hat im Blick auf den Preis dieser Tat…

Ich stehe voller Schrecken vor dieser Erzählung. Hier kommt jede theologische Erklärung an ihr Ende. Die wohlfeilen Worte bleiben im Halse stecken. Judas, einer von den Zwölfen, einer, der Teil an der großen Hoffnung für die Welt hatte, endet buchstäblich trostlos in den Abgründen der Nacht. – Ist dieser Judas uns wirklich so fremd? Oder blitzt nicht manchmal, in schwarzen Augenblicken, ein Zweifel auf, der dem Verrat nicht unähnlich ist? Die anderen Jünger sind sich jedenfalls nicht so sicher. Als Jesus beim letzten Abendmahl mit Seinen Jüngern unversehens den kommenden Verrat zum Thema macht, sehen sie sich untereinander an, und ihnen wird bange, von wem Er wohl redet. Und ein jeder fragt sich: „Bin ich´s?“

Herr, wer ist's? Mit dieser Frage kommen wir ins Spiel, Sie und du und ich. Und wer sich die Geschichte nicht auf Abstand hält, sondern wirklich an sich ran lässt und mit dem Herzen mitvollzieht, dem fährt ein Schauer über den Rücken. Denn dem rückt Judas plötzlich auf die Pelle. Er ist der Strick an meinem eigenen Hals, in meiner Familie, in meiner Kirche. Er ist anzutreffen im Presbyterium, im Chor und im Frauenkreis. Und ich sehe ihn im Spiegel, wenn ich mich feierlich für den Gottesdienst zurecht mache…
Die Nacht hat begonnen. Konturen sind unscharf geworden, Licht und Schatten vermischen sich auf unheimliche Weise und niemand, niemand kann der Dunkelheit entfliehen.

Woher dann Hoffnung nehmen?
Ein Psalmwort kommt mir in den Sinn: „Finsternis ist nicht finster bei Dir. Bei Dir leuchtet die Nacht wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht... (Ps. 139, 11f.) - Wir, Sie und du und ich, wir haben keine Chance gegen das Dunkel, das nach uns greift, um uns und in uns. Gott aber schon. Genau dazu ist Er ja in die Welt gekommen (1. Joh. 3, 8b) „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht endlos sein.“ Er vollbringt, was Er vermag. Es lichtet sich bereits. Es dämmert schon – mitten in der Finsternis des Verrats:
Was Judas vorhat und tun wird, hindert Jesus nicht, auch ihm an diesem letzten Abend den Becher zu reichen, einen Bissen Brot darin einzutauchen und mit ihm zu teilen – Er, der Heiland, zusammen mit seinem Verräter. Jesus feiert mit ihm das heilige Abendmahl. Auch für Judas gegeben zur Vergebung seiner Sünde. Das ist die Rettung für Judas, gegen die auch der Tod keine Chance hat. Das ist die Rettung für uns. Der Tisch des Herrn ist gedeckt im Angesicht der Feinde; des Feindes auch in mir selbst. Bis auf den heutigen Tag sind alle Gäste von damals versammelt: Petrus und Judas, Thomas und Johannes, Zöllner und Sünder, Tapfere und Schwache, Schoßkinder und Zweifler, Sehnsüchtige und müde Gewordene, Stumme und Vorlaute, Wagemutige und solche mit einer Heidenangst, treue Freunde und Verräter, Zeugen und Leugner… Sie alle sind bei Jesus willkommen.
Ach, liebe Gemeinde, wo, wenn nicht hier, bei Ihm, an Seinem Tisch, sollten sie alle einander Gesicht zeigen, Farbe bekennen und das Brot brechen? Nirgends sonst haben sie alle eine Chance gegen den Feind, erst recht den Feind in sich.
Der Theologe Helmut Thielecke hat mal gesagt: „Das NT ist das Buch der Sorge um Judas Ischariot. Es ist gute Botschaft für Judas. Jesus ist am Kreuz nicht wegen Judas gestorben, Er ist für ihn gestorben. Er ist für die abgründigste Tat des Menschen gestorben, für den schlimmsten Verrat, die gemeinste Geste, die größte Gier. Er ist für den dunkelsten Teil unseres Wesens, Er ist für uns gestorben.
So endet die Geschichte des Judas nicht mit seinem Tod. Sie endet mit Jesu Worten am Kreuz: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Die Nacht hat begonnen. Konturen sind unscharf geworden, Licht und Schatten vermischen sich auf unheimliche Weise – bis die Dunkelheit das Licht ganz schluckt. In der Nacht erwachen sie zum Leben, die windigen Gesellen, Diebe und Mörder, gefährliche Tiere und auch die Dämonen in mir. Im Schutz der Dunkelheit treiben sie ihr Unwesen. Und es war Nacht: Die Zeit der finsteren Mächte hat begonnen. Aber Der, Der das Licht der Welt ist, überlässt uns nicht der Finsternis. Ich rufe zu Ihm: „Brich an, Du schönes Morgenlicht und lass den Himmel tagen!“ (EG 33)- Und schaut nur hin: Es dämmert schon! Über dem Kreuz lässt sich das Morgenrot der Ostersonne bereits erahnen. –

Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen

Musik zur Meditation

(Ach bleib mit Deiner Gnade (S: Karl Hoyer, 891-1936))

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten
unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Lied: Gott des Himmels und der Erde (EG 445, 3.5-7)

3. Lass die Nacht all meiner Sünden, Herr, mit deiner Nacht vergehn; o Herr Jesu, lass mich finden deine Wunden offen stehn, da alleine Hilf und Rat ist für meine Missetat.
5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe nicht nur heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.
6. Meinen Leib und meine Seele samt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, halt mich fest, dein Eigentum.
7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende und mich halt in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh trage nach dem Himmel zu.
(Text und Melodie: nach Heinrich Albert 1642)

Fürbittengebet

Heiliger und barmherziger Gott,
so fern und so nah bis Du uns.
Im Dunkel wie im Licht
lässt Du Dein Reich wachsen.
Wir bitten Dich:

Überlass uns nicht der Nacht der Lieblosigkeit.
Überwinde das Böse,
wo dem eigenen Gewinn
Leben und Gesundheit anderer geopfert werden,
wo Gefühl zum Kalkül wird
und menschliche Nähe zum Instrument für eigene Interessen,
wo Menschen andere zu Waren machen.
Wir rufen zu Dir:
Herr, erbarme Dich und führ uns zum Licht.

Überlass uns nicht der Nacht des Unglaubens.
Überwinde das Böse,
wo Menschen nur noch sich selbst vertrauen,
wo wir in den Kirchen die Sprache für Deine Gegenwart verlieren,
wo uns die Kraft fehlt, auf Deine Stimme zu lauschen,
wo wir blind sind für Deine Zeichen.
Wir rufen zu Dir:
Herr, erbarme Dich und führ uns zum Licht.

Überlass uns nicht der Nacht des Unfriedens.
Überwinde das Böse,
wo Menschen getrieben sind und doch nicht wissen wohin,
wo Gewaltherrschaft keine Skrupel mehr kennt,
wo Krieg und Bürgerkrieg Menschen zu Bestien werden lassen.
Wir rufen zu Dir:
Herr, erbarme Dich und führ uns zum Licht.

Überlass uns nicht der Nacht der Lüge.
Überwinde das Böse,
wo Täuschung, Zensur und Desinformation herrschen,
wo Menschen manipuliert werden,
wo Angst geschürt und aus Angst geschwiegen wird.
Wir rufen zu Dir:
Herr, erbarme Dich und führ uns zum Licht.

Überlass uns nicht der Nacht der Hoffnungslosigkeit.
Überwinde das Böse,
wo Menschen sich zurückziehen,
wo sie nur noch funktionieren,
sich und das Leben aufgeben,
wo unwidersprochen Lebensräume zerstört werden.
Wir rufen zu Dir:
Herr, erbarme Dich und führ uns zum Licht.

Wir vertrauen Dir,
Du verborgener, Du naher Gott,
dass Du uns nicht uns selbst überlässt,
sondern uns und diese Welt verwandelst im Licht Deiner Liebe.
Dir sei Ehre in Ewigkeit.
(ALLE:) Amen

Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name!
Dein Reich komme!
Dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden!
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen,
denn Dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit,
Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lass leuchten Sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe Sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.
Amen

Musik zum Ausgang

(Postludium c-moll (J. C. Rinck, 1770-1846))

Kollektenhinweis

In unseren Gottesdiensten sammeln wir regelmäßig Kollekten ein. Auch, wenn wir derzeit nicht zur gemeinsamen Feier zusammenkommen können, möchten wir Gelegenheit geben, zu teilen und wichtige kirchliche Aufgaben zu unterstützen.
Heute legen wir Ihnen die Kollekte für das Haus Widey in Salzkotten ans Herz. Mädchen, junge Frauen und Mütter mit ihren Kindern finden in dieser stationären Einrichtung der Jugend- und Sozialhilfe pädagogische und sozialtherapeutische Hilfe.
Wenn Sie diese Gelegenheit nutzen möchten, überweisen Sie den von Ihnen zu bestimmenden Geldbetrag bitte auf das Konto der

Ev. Kirchengemeinde Büren-Fürstenberg
IBAN DE34 4726 1603 0135 3000.
Unter Verwendungszweck geben Sie bitte „21.03.2021 - Haus Widey“ an, damit wir das Geld korrekt einsetzen bzw. weiterleiten können. Vielen Dank!