Gottesdienst aus der Erlöserkirche am Heiligabend 24.12.2020

Mitwirkende:

Liturg: Pfarrer Claus-Jürgen Reihs
Predigerin: Pfarrerin Almuth Reihs-Vetter
Lektor*in: Jürgen Engelmann
Credo: Familie Graunke
Musik: Meinolf Herting (Orgel und Gesang), Katrin Herting (Flöte und Gesang), Almuth Reihs-Vetter (Gesang)

 

Glockengeläut und Musik zum Eingang

Lied: EG 45 "Herbei, o ihr Gläubgen!"

1. Herbei, o ihr Gläubigen, / fröhlich triumphierend, / o kommet, o kommet nach Bethlehem! / Sehet das Kindlein, uns zum Heil geboren! /O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, / o lasset uns anbeten den König, den Herrn!

2. Du König der Ehren, / Herrscher der Heerscharen / verschmähst nicht, zu ruhen in Mariens Schoß. / Gott, wahrer Gott, von Ewigkeit geboren! / O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, / o lasset uns anbeten den König, den Herrn!

3. Kommt, singt dem Herren, / o ihr Engelchöre, / frohlocket, frohlocket, ihr Seligen: / Ehre sei Gott im Himmel und auf Erden! / O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, / o lasset uns anbeten den König, den Herrn!

4. Dir, der du bist heute / Mensch für uns geboren, / o Jesu, sei Ehre und Preis und Ruhm! / Dir, Fleisch gewordnes Wort des ew’gen Vaters! / O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, / o lasset uns anbeten den König, den Herrn!

(John Reading, 1645-1692)

Eröffnung

P: Im Namen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.

G: Amen.

P: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

G: Der Himmel und Erde gemacht hat.

P: Der Herr sei mit euch.

G: Und mit deinem Geist.

Begrüßung mit Wochenspruch

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk wiederfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. (Lk. 2, 10b-11)

Vorbereitungsgebet

Gott, du bist zu uns gekommen. Nun kommen wir zu dir. Gib uns Orientierung, dass wir zu dir finden. Konzentration auf dein Wort. Ruhe für deine Gegenwart. Frieden in unseren Herzen, Zimmern und Häusern. Nichts soll uns nun von dir trennen: den Stress legen wir beiseite, die Angst legen wir ab und kleiden uns mit Zuversicht und Freude.
-STILLE-
Dir sei Lob in Ewigkeit.

 

Psalm 96

Singet dem Herrn ein neues Lied;
singet dem Herrn, alle Welt!

Singet dem Herrn und lobet seinen Namen,
verkündet von Tag zu Tag sein Heil

Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit,
unter allen Völkern von seinen Wundern!

Betet an den Herrn in heiligem Schmuck;
es fürchte ihn alle Welt!

Sagt unter den Heiden: Der Herr ist König.
Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt.
Er richtet die Völker recht.

Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich,
das Meer brause und was darinnen ist;

das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist;
es sollen jauchzen alle Bäume im Walde

vor dem Herrn; denn er kommt,
denn er kommt, zu richten das Erdreich.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker mit seiner Wahrheit.

 

Ehre sei dem Vater: WL 23
♫ Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen.

 

 

Kyrie: EG 178.2


P: Kyrie eleison. – G: Herr, erbarme Dich.
P: Christe eleison. – G: Christe, erbarme Dich.
P: Kyrie eleison. – G: Herr, erbarm Dich über uns.

Gloria in excelsis: EG 180.2


P: Ehre sei Gott in der Höhe.

Schola: Und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. ALLE: Gott in der Höh sei Preis und Ehr, den Menschen Fried auf Erden. Allmächtger Vater, höchster Herr, Du sollst verherrlicht werden. Herr Jesus Christus, Gottes Sohn, wir rühmen Deinen Namen; Du wohnst mit Gott, dem Heilgen Geist, im Licht des Vaters.
Amen

Tagesgebet

Gott, Himmelsklang und Kinderschrei, du hast den Himmel mit der Erde verbunden durch die Geburt deines Sohnes Jesus Christus. Wir danken dir für diesen Bund, den du mit uns schließt. Und wir bitten dich in diesen Tagen, dass unsere Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach Zusammenhalt und nach Vertrauen gestillt wird, dass wir durch die Einschränkungen beim Weihnachtsfest den Wert der Liebe erkennen, die du uns schenkst und die du in uns lebendig sein lässt. Mache uns gelassen, lass uns vertrauen und frei atmen. Das bitten wir dich durch Jesus Christus, unsern Herrn, Der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und liebt in Ewigkeit.

G: ♫ Amen ♫

Lesung aus dem Ersten Testament: Jesaja 9, 1-6

L: Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.

Worte der heiligen Schrift.

Lied: EG 27 „Lobt Gott, ihr Christen allegleich"

1. Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich / in seinem höchsten Thron, / der heut' schließt auf sein Himmelreich / und schenkt uns seinen Sohn, / und schenkt uns seinen Sohn.

2. Er kommt aus seines Vater Schoß / und wird ein Kindlein klein, / er liegt dort elend, nackt und bloß / in einem Krippelein / in einem Krippelein.

3. Er äußert sich all’ seiner G’walt, / wird niedrig und gering / und nimmt an sich ein’s Knechts Gestalt, / der Schöpfer aller Ding’ / der Schöpfer aller Ding.

4. Er wechselt mit uns wunderlich: / Fleisch und Blut nimmt er an / und gibt uns in sein’s Vater Reich / die klare Gottheit dran / die klare Gottheit dran.

5. Er wird ein Knecht und ich ein Herr; / das mag ein Wechsel sein! / Wie könnt’ es doch sein freundlicher, / das herze Jesulein. / das herze Jesulein.

6. Heut’ schleußt er wieder auf die Tür / zum schönen Paradeis; / der Cherub steht nicht mehr dafür, / Gott sei Lob, Ehr' und Preis / Gott sei Lon, Ehr und Preis.

Lesung des Evangeliums: Lk 2, 1-7

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Lied: EG 46 Stille Nacht, heilige Nacht“

1. Stille Nacht, heilige Nacht! Alles schläft, einsam wacht nur das traute, hochheilige Paar. Holder Knabe im lockigen Haar, schlaf in himmlischer Ruh, schlaf in himmlischer Ruh.

2. Stille Nacht, heilige Nacht! Hirten erst kundgemacht, durch der Engel Halleluja tönt es laut von fern und nah: Christ, der Retter, ist da, Christ, der Retter, ist da!

3. Stille Nacht, heilige Nacht! Gottes Sohn, o wie lacht Lieb aus deinem göttlichen Mund, da uns schlägt die rettende Stund, Christ, in deiner Geburt, Christ, in deiner Geburt.

(Text: Joseph Mohr 1816, Dresden 1833, Johann Hinrich Wichern 1844
Melodie: Franz Xaver Gruber 1818, Dresden 1833, Johann Hinrich Wichern 1844)

Lk 2, 8-14

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Lied: EG 24, 1-5.15 Vom Himmel hoch, da komm ich her

1. »Vom Himmel hoch da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär; der guten Mär bring ich so viel, davon ich singn und sagen will.

2. Euch ist ein Kindlein heut geborn von einer Jungfrau auserkorn, ein Kindelein so zart und fein, das soll eu’r Freud und Wonne sein.

3. Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führn aus aller Not, er will eu’r Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein.

4. Er bringt euch alle Seligkeit, die Gott der Vater hat bereit’, dass ihr mit uns im Himmelreich sollt leben nun und ewiglich.

5. So merket nun das Zeichen recht: die Krippe, Windelein so schlecht, da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt.«

15. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron, der uns schenkt seinen ein’gen Sohn. Des freuet sich der Engel Schar und singet uns solch neues Jahr.

(Text: Martin Luther 1535; Melodie: Martin Luther 1539)

Lk 2, 15-20

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. - „Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.“

Lied: EG 37, 1-4. „Ich steh an deiner Krippen hier“

1. Ich steh' an deiner Krippe hier, / o Jesu, du mein Leben; / ich komme, bring' und schenke dir, / was du mir hast gegeben. / Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, / Herz, Seel' und Mut, nimm alles hin / und lass dir's wohl gefallen.

2. Da ich noch nicht geboren war, / da bist du mir geboren / und hast dich mir zu eigen gar, / eh’ ich dich kannt’, erkoren. / Eh’ ich durch deine Hand gemacht, / da hast du schon bei dir bedacht, / wie du mein wolltest werden.

3. Ich lag in tiefer Todesnacht, / du warest meine Sonne, / die Sonne, die mir zugebracht / Licht, Leben, Freud’ und Wonne. / O Sonne, die das werte Licht / des Glaubens in mir zugericht’, / wie schön sind deine Strahlen.

4. Ich sehe dich mit Freuden an / und kann mich nicht satt sehen; / und weil ich nun nichts weiter kann, / bleib’ ich anbetend stehen. / O dass mein Sinn ein Abgrund wär’ / und meine Seel’ ein weites Meer, / dass ich dich möchte fassen.

Anbetung der Hirten von Matthias Stomer (1640/45)

Predigt zu Lk. 2, 1-20

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,

und unserm Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen

„Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen…“ - so haben wir gerade gesungen. Klingt das, liebe Gemeinde, nicht geradezu zynisch in diesem Jahr? 2020 hat uns allen so viel abverlangt. Da scheint der Weihnachtszauber in unerreichbare Fernen zu rücken; der „holde Knabe im lockigen Haar“ – wie soll Er durch alle Sorgen und Nöte hindurch die Blicke auf sich ziehen und die Herzen erreichen?

Den Geschäftsmann, der seinen Laden Mitte Dezember erneut schließen musste, treibt die Angst um die Zukunft um. Wie soll er in diesen Tagen zur Ruhe kommen? Das Kämpfen und Mühen und Strampeln ums Überleben hat sein Herz fest im Griff. Er schaut auf seine Kontoauszüge wie das Kaninchen auf die Schlange… - „Ich sehe dich mit Freuden an…?“

Der Atem des Covid-19-Patienten auf der Intensivstation geht schwer. Er ist nicht ansprechbar. Seine Augen sind geschlossen – und es ist längst nicht klar, ob er sie jemals wieder öffnen wird. - „Ich sehe dich mit Freuden an…?“

Seit dem Tod ihres geliebten Mannes liegt auf allem, was die Witwe erlebt, der Schatten des Todes. Und nun auch noch Heiligabend ohne ihn: Er fehlt ihr so sehr. Die Tränen fließen, der Blick verschwimmt. - „Ich sehe dich mit Freuden an…?“

Angesichts der Corona-Schutz-Verordnung, die zu Weihnachten keine großen Familienzusammenkünfte erlaubt, hatte die Familie zumindest gehofft, dass die jährlichen Streitereien mal ausbleiben. Aber nun gibt es einen dicken Konflikt, wer wann zusammenkommt und wie mit der Oma zu verfahren ist. Jeder scheint vor allem das eigene Wohl im Blick zu haben… - „Ich sehe dich mit Freuden an…?“ 

Nahezu blind, wie durch einen dichten Nebel bewegen wir uns durch die Corona-Pandemie. „Wir fahren auf Sicht“ ist seit einem Dreivierteljahr zum Motto geworden. Wir suchen und tasten. Und manch einer fühlt sich gänzlich lahmgelegt. –

Was ist mit der Klarheit Gottes, der Klarheit des Herrn, die die Hirten auf dem Feld bei Bethlehem umleuchtete? Leuchtet sie auch in meine Dunkelheiten? Ist da auch heute und für mich jemand, der spricht: Fürchte dich nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude! Wie soll ich darauf vertrauen?

Ich möchte es so gerne. Aber: So einfach kann ich nicht aus meiner Haut. Manchmal bin ich wie gefangen in mir selbst, wie umnachtet von meiner Angst und den quälenden Sorgen. Keine Tür, nicht einmal ein Spalt, durch das das Weihnachtslicht mit seiner Hoffnung und Freude eindringen könnte in meine „Todesnacht“; keine Chance, dass mich seine verschwenderische Energie erreicht, dass es seine verwandelnde Lebenskraft in mir entfaltet.

Und dennoch! Nein: Gerade deshalb feiern wir. Auch in diesem Jahr wie alle Jahre wieder: Wir feiern den Heiligen Abend, allein oder mit ganz wenigen und zugleich doch verbunden mit vielen, die es ebenso tun. In unserer Gemeinde, in unserm Land. Überall auf der Welt. Sogar auf der kalten, ungeschützten Straße und in den zugigen Zelten der Flüchtlingslager, auf schwankenden Rettungsbooten und in zerbombten Kriegsgräben. Wo wir auch sind - wir gehen zur Krippe und suchen den Blickkontakt mit dem Kind. Wir ersehnen und erwarten den besonderen Augen-Blick der Heiligen Nacht. Dass die Weihnachtssonne hineinleuchtet in unsere „Todesnacht“ und „Leben, Licht und Wonne“ verbreitet und „das Licht des Glaubens“ in uns entzündet. Mit unserm Sehnen, Warten, Hoffen halten wir die Tür einen Spalt breit offen. Halten uns bereit für das Licht der Weihnacht und bieten der göttlichen Kraft, die in ihm ist, einen Schlupfwinkel. Diese Kraft will Angst in Hoffnung wenden. Sie will mitten in unsere Furcht Vertrauen säen.

Gesang: EG 656 – Fürchte dich nicht

1. Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst, mit der du lebst. Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du.

2. Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort, von dem du lebst. Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort. Von ihm lebst du.

3. Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag, für den du lebst. Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag. Für ihn lebst du.

(Text, Melodie und Satz: Fritz Baltruweit 1981)

Predigt zu Lk. 2, 1-20

Damals wie heute können wir ihm nur den Weg bereiten, jenem Weihnachtslicht und der Kraft, die es in sich birgt. Mehr nicht – und nicht weniger. Dieser besondere Augen-Blick entsteht nicht durch uns. Wir können ihn herbeisehnen, aber wir können ihn nicht machen. Wir können an die Krippe treten, aber ihn doch nicht erzwingen oder herbeizaubern. Damals wie heute ereignet sich das weihnachtliche Geheimnis mitten in einer dunklen Welt, die in Angst und Sorge lebt und sich nach Heil und Frieden sehnsüchtig ausstreckt. Ja, das ist schon in der Weihnachtsgeschichte selbst so: Da sind die Hirten, die unter regennassem Mantel nachts auf dem Feld frieren, allein mit sich und den Tieren und allerlei dunklen Nachtgedanken. Da sind Maria und Josef, politische Migranten, verzweifelt schwanger, auf der Suche nach Herberge im Irgendwo. Da ist das neugeborene Kind selbst, das im zugigen Stall zwischen Ochs und Esel zur Welt kommt und dem als Bett eine Futterkrippe mit pieksendem Stroh dient. Schäbigste Bedingungen für eine Heilige Nacht! Wer wollte so Weihnachten feiern?

Und doch ereignet sie sich, die Heilige Nacht. Erst recht und einzig und ausgerechnet hier. Erst recht und einzig in der Nacht und ausgerechnet unter denen, deren Lebensdunkel keinem Tageslicht weicht. Gerade hier entfaltet sie ihre geheimnisvoll verzaubernde, ihre wundersam verwandelnde Kraft. Gott wählt eine Stalltür, einen Spalt breit geöffnet; Er findet den Schlupfwinkel zwischen Heu und Stroh, um in unser Leben einzuziehen. Im Krippenkind, diesem schutzbedürftigen und verwundbaren Geschöpf, kommt Gott mit Seinem himmlischen Licht ins irdene Menschenleben hinein. Sein Blick sucht uns – dich und mich –, so wie alle Säuglinge den Blick-Kontakt suchen, denn sie leben davon. Aber in dem unschuldig-sanften Blick dieses Kindes schaut uns der Himmel an. Gott selbst sieht uns mit Freuden an. Die Klarheit des Herrn strahlt uns aus den Augen dieses berührbaren und verletzlichen Kindes entgegen; sie durchbricht für diesen einen Augen-Blick die Dunkelheit der Nacht – um uns einen hellen Schein ins Herz zu legen: Fürchte dich nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude!

Das ist mehr als ein besonderer Augenblick. Mehr als ein rührender Weihnachtsmoment. Es ist ein Ereignis, das die ganze Welt erschüttert und auf den Kopf stellt. Oder besser gesagt: Vom Kopf auf die Füße stellt:

In diesem Augen-Blick wird alles andere bedeutungslos. Der Geschäftsmann vergisst die Zahlen und Bilanzen. Die Witwe erreicht durch ihre Tränen hindurch ein himmlischer Freudenschein. Die streitenden Familienmitglieder wenden den Blick von sich selbst weg auf dieses Kind und können gar nicht von ihm lassen: „Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen...“ Selbst dem Covid-Patienten, der seine Augen nicht zu öffnen vermag, gilt der liebevolle Blick des Kindes. Nichts und niemanden lässt dieses Kind aus dem Auge, hüllt vielmehr die ganze Welt ein mit Seinem himmlischen Glanz. Ein alles verändernder göttlicher Augen-Blick der Liebe!

Ohne ihn wären wir, wäre diese ganze Welt verloren, liebe Gemeinde. Seit jener Nacht in Bethlehem aber ruht er auf uns. Er geht uns nach, begleitet uns, lässt uns nicht mehr los. Geht mit uns durch die Nacht, ist an unserer Seite in allen Dunkelheiten des Lebens und macht nicht einmal vor Tod und Hölle Halt. Denn dieser Liebe ist alles möglich. Sie kann selbst in der Hölle noch Wunder tun. Nichts ist der Hölle, diesem lieblosen Ort, schädlicher als ein Augen-Blick der Liebe. Die Liebe Gottes lässt sich nicht aufhalten – nicht von Hölle, Tod und Teufel, nicht einmal von uns selbst. Sie leuchtet vielmehr in der tiefsten Finsternis auf und an und ein.

Zuallererst leuchtet sie denen ein, die von dem göttlichen Augen-Blick der Liebe noch gar nichts wissen, nichts wissen können und womöglich nichts wissen wollen: Den einsamen Nachtarbeitern auf weiter Flur, der schwangeren Maria, dem stillen Joseph auf der Suche nach Herberge, dem fern von Zuhause notdürftig versorgten Säugling. Sie überzieht die Welt, in der Friede unerreichbar scheint, in der die Großen und Mächtigen einander bekämpfen und das Leben auf der ganzen Welt durch ein Virus akut bedroht ist, mit dem Glanz himmlischen Friedens. Sie leuchtet auf und an und ein bis heute. Und sie zieht sie zur Krippe, all die blind Suchenden und Tastenden, die leise Hoffenden und unerschütterlich Vertrauenden: Dankbar, weil sie die Krankheit überwunden haben; hoffend, dass es gut bleibt; betend, dass ihr Kind gesund zur Welt kommt und die Großmutter unversehrt bleibt; Menschen, die aus dem Augen-Blick von Weihnachten eine neue Sicht gewinnen auf die eigene Existenz und die drängenden Fragen in unserer Welt.

Auch uns zieht der Blick der göttlichen Liebe zur Krippe. In der leisen Ahnung: Da gehören wir hin. Da ist auch Platz für mich. Das Leben, das neu in dieser Krippe liegt, zieht auch unser Leben, auch mein Leben in seine Kraft und in seine Hoffnung hinein. Ob wir wollen oder nicht. Denn: Was hier geschieht, ist zu groß, zu schön, zu wunderbar, um nicht wahr zu sein. – Und so „stehn wir an der Krippen hier“ und „sehn das Kind mit Freuden an“, genießen Sein Ansehen und sonnen uns in Seinem Glanz. Und wir halten die Stalltür einen Spalt breit offen. Für all jene, die auch sehnsüchtig auf der Suche sind und noch kommen werden, angezogen vom liebevollen Blick des Kindes. Damit wir alle hören und sehen und staunen und glauben: Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige ich euch große Freude: Euch ist heute der Heiland geboren!

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Musik zur Meditation

"Vom Himmel hoch"

(Johann Herzog, 1822 - 1909)

Glaubensbekenntnis

Lied: EG 36, 1-3.5-9 „ Fröhlich soll mein Herze springen“

1. Fröhlich soll mein Herze springen / dieser Zeit, da vor Freud / alle Engel singen. / Hört, hört, wie mit vollen Chören / alle Luft laute ruft: / Christus ist geboren!

2. Heute geht aus seiner Kammer / Gottes Held, der die Welt / reißt aus allem Jammer. / Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute, / Gottes Kind, das verbind't / sich mit unserm Blute.

3. Sollt uns Gott nun können hassen, / der uns gibt, was er liebt / über alle Maßen? / Gott gibt, unserm Leid zu wehren, / seinen Sohn aus dem Thron / seiner Macht und Ehren.

5. Nun er liegt in seiner Krippen, / ruft zu sich mich und dich, / spricht mit süßen Lippen: / "Lasset fahrn, o liebe Brüder, / was euch quält, was euch fehlt; / ich bring alles wieder."

6. Ei so kommt und lasst uns laufen, / stellt euch ein, Groß und Klein, / eilt mit großen Haufen! / Liebt den, der vor Liebe brennet; / schaut den Stern, der euch gern / Licht und Labsal gönnet.

7. Die ihr schwebt in großem Leide, / sehet, hier ist die Tür / zu der wahren Freude; / fasst ihn wohl, er wird euch führen / an den Ort, da hinfort / euch kein Kreuz wird rühren.

8. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, / wer empfind't seine Sünd / und Gewissensschmerzen, / sei getrost: hier wird gefunden, / der in Eil machet heil / die vergift'ten Wunden.

9. Die ihr arm seid und elende, / kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände. / Hier sind alle guten Gaben / und das Gold, da ihr sollt / euer Herz mit laben.

Fürbittengebet

Barmherziger Vater und Kind der Barmherzigkeit, wir bitten dich an diesem Heiligen Abend:

Für alle Kinder, die in den Zelten der Flüchtlingslager nicht in den Schlaf finden, weil sie frieren und Angst haben vor einer ungewissen Zukunft und einer unüberschaubaren Gegenwart.

Für alle Kinder, denen die eigenen vier Wände zum Gefängnis werden, weil sie aus Sorge vor dem Corona-Virus nicht heraus und keine Freunde treffen können, die es mit dem Rest ihrer Familie nur schwer aushalten.

Für alle Eltern, die sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgen, um ihre Bildung, um ihre Entwicklung, um ihre sozialen Kompetenzen.

Für alle Eltern, die fassungslos und schuldbewusst vor einem Bett mit einem infizierten Kind stehen.

Für alle Ärzt:innen und alle Pflegenden auf den Normal- und Intensivstationen der Krankenhäuser, die in Behandlung und Pflege kranker Menschen an die Grenze des Möglichen kommen, dass sie sich Auszeiten nehmen und neue Kräfte sammeln, dass sie an den Sinn ihres Handelns denken.

Für alle, die sich zuhause um andere sorgen und Familienmitglieder betreuen, dass sie achtsam bleiben für sich und andere; dass sie einen guten Weg finden zwischen Nähe und Distanz.

Für alle, die nicht wissen, wohin mit ihren Sorgen und Ängsten, die voller Unruhe auf die Kurven des RKI starren, dass sie ihre Belastungen zu dir, Gott, in den Stall bringen und sich dem Krippenkind anvertrauen.

Für alle, die unruhig sind und aufbrechen wollen, dass du ihnen das Ziel bist und sie an deinen Bund mit ihnen erinnerst.

Für alle, die politisch verantwortlich sind, dass sie nicht voreilig und leichtfertig reden und handeln, dass sie alle Möglichkeiten bedenken, dass sie ihre Entscheidungen verständlich und nachvollziehbar kommunizieren, dass sie eine Vision einer besseren Zeit mit bedenken.

Vaterunser

Lied: EG 44 „O du fröhliche“

1. O du fröhliche, O du selige, / gnadenbringende Weihnachtszeit! / Welt ging verloren, Christ ward geboren: / Freue, freue dich, O Christenheit!

2. O du fröhliche, O du selige, / gnadenbringende Weihnachtszeit! / Christ ist erschienen, uns zu versühnen: / Freue, freue dich, O Christenheit!

3. O du fröhliche, O du selige, / gnadenbringende Weihnachtszeit! / Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: / Freue, freue dich, O Christenheit! Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: / Freue, freue dich, O Christenheit!

(Franziskus Nagl, 1873 - 1957)

Segen

♫ Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lass leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich
Und gebe dir Frieden.
Amen, Amen, Amen ♫

Musik zum Nachklang

"Es ist ein Ros entsprungen"

(Heinrich Lang, 1858 - 1919)