Christfest I am 25.12.2020

Mitwirkende:
Brigitte APE (Lektorin),
Regina Henkel (Orgel),
Claus-Jürgen Reihs (Liturg und Prediger)

Glockengeläut und Orgelvorspiel

Eröffnung und Begrüßung

L: Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.

G: Amen.

L: Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN,

G: der Himmel und Erde gemacht hat.

L: Der HERR sei mit euch!

G: und mit deinem Geist. 

Herzlich willkommen zum digitalen Gottesdienst am ersten Tag des Christfests! Ich grüße Sie und euch mit dem Wochenspruch, der über diesem Sonntag und der heute beginnenden Woche steht: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.“ Welch eine besondere Eigenschaft Gottes, der sonst in seinem Wort mit den Menschen Kontakt hält, dass er oder sie Fleisch wird. Mit einer leiblichen Erscheinung zur Welt kommt. Sichtbar, hörbar, berührbar. All das, was uns in diesen Zeiten der Corona-Pandemie versagt bleiben muss: wir sehen einander nur noch im allerengsten Familienkreis oder über die Videofunktion eines digitalen Endgeräts, wir hören einander auf Entfernung oder durchs Telefon, wir berühren einander nur noch unter Angst und Vorbehalt. Gott wohnt unter uns. Zu Zeiten Jesu als Mensch, zu unserer Zeit als die Verkündigung dieser Zeit und ihrer Bedeutung für uns. Und vielfach ist die Sehnsucht da, dass wir nicht nur einander wieder als Person mit Körper und Geist und Seele begegnen, sondern auch Gott in seiner personalen Herrlichkeit schauen. Dieser Sehnsucht geben wir heute Raum.

EG 36, 1-3 „Fröhlich soll mein Herze springen“

Fröhlich soll mein Herze springen / dieser Zeit, da vor Freud' / alle Engel singen. / Hört, hört, wie mit vollen Chören / alle Luft laute ruft: / Christus ist geboren.

Heute geht aus seiner Kammer / Gottes Held, der die Welt / reißt aus allem Jammer. / Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute. / Gottes Kind, das verbind't / sich mit unserm Blute.

Sollt' uns Gott nun können hassen, / der uns gibt, was er liebt / Über alle Maßen? / Gott gibt, unserm Leid zu wehren, / seinen Sohn aus dem Thron / seiner Macht und Ehren.

Psalmgebet aus Psalm 96

Singet dem HERRN ein neues Lied;
singet dem HERRN, alle Welt!

Singet dem HERRN und lobet seinen Namen,
verkündet von Tag zu Tag sein Heil!

Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit,
unter allen Völkern von seinen Wundern!

Ihr Völker, bringet dar dem HERRN,
bringet dar dem HERRN Ehre und Macht!

Bringet dar dem HERRN die Ehre seines Namens,
bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe!

Betet an den HERRN in heiligem Schmuck;
es fürchte ihn alle Welt!

Sagt unter den Heiden: Der HERR ist König.
Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt.
Er richtet die Völker recht.
Kommt, und lasst uns anbeten!

 

Ehre sei dem Vater:

♫ Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen.

 

 

Kyrie und Gloria

Gloria
Ehre sei Gott in der Höhe
Und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen.
Gott in der Höh sei Preis und Ehr / den Menschen Fried auf Erden / Allmächtger Vater, höchster Herr, / du sollst verherrlicht werden. / Herr Jesus Christus, Gottes Sohn, / wir rühmen deinen Namen; / du wohnst mit Gott, / dem Heilgen Geist / im Licht des Vaters, amen.

Lesung

Der Predigttext für den ersten Weihnachtstag steht im Buch des Propheten Jesaja im 52. Kapitel:

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König! Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden's mit ihren Augen sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt. Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Predigt

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus!

Liebe Gemeinde,

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten! Liebliche Füße – das ist doch eher ungewöhnlich. Im doppelten Sinne ungewöhnlich: zunächst einmal ist ungewöhnlich, dass sich das Interesse überhaupt auf die Füße richtet. Sie gelten uns doch gemeinhin als niedere Körperteile, die im Dreck gehen, die sich schmutzig machen. Und dass diesen Füßen dann auch noch die Eigenschaft „lieblich“ zugewiesen wird, klingt unseren Ohren auch eher fremd. Mit lieblich verbinden wir eher die ganze Gestalt, das Gesicht, möglicherweise auch noch die Hände. Lieblich meint dann: zart und angenehm. Nun aber die Füße! Ungewöhnlich in der Tat! Gerade im Ungewöhnlichen zeigt sich das Außergewöhnliche des Christfests!   

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten. Die Füße des Freudenboten können anlässlich des Christfestes auf Jesus Christus selbst bezogen werden. Der Theologe Fulbert Steffensky berichtet von einer Beobachtung beim stillen Betrachten eines neugeborenen Babys: „es hat so schöne unabgelaufene Füße“. Liebliche Füße, weiche Füße, ohne Schwielen, ohne Hornhaut, ohne Risse, unabgelaufene Füße: Füße, die noch niemals gegangen sind, die noch nicht diesen Erdboden berührt haben. Die noch nicht ganz da sind, die noch zu jener anderen Welt gehören, der sie entstammen. Göttliche Füße. Diese Füße sprechen die Sprache des Himmels. Sie sprechen von Frieden, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat, den sie aber umso mehr braucht. Sie sprechen vom Ende der Gewalt und der Entbehrung, vom Ende der Unterdrückung. Damit sprechen sie unsere Sehnsucht aus nach einer Welt ohne Krieg und Ungerechtigkeit, ohne Angst um körperliche Unversehrtheit und um das Leben. Sie sprechen von dem, was noch nicht ist, was doch aber sein sollte. Und sie sprechen davon, was wir nicht geschafft haben, auch als Kirche und Gemeinde nicht geschafft haben.

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten. Die Füße sind auch eine Metapher für die Schritte eines Menschen, für seine Bewegung. In der Geburt Jesu Christi vollzieht sich Gottes liebliche Bewegung zu uns Menschen. Gott wird Mensch. Als Kind. Das unser Empfinden anspricht. Das unser Mitgefühl anspricht. Unser Erbarmen, unsere Liebe. Unsere Hilfsbereitschaft. Gottes liebliche Bewegung auf uns zu will das Beste von uns ans Licht bringen, hervorlocken, entdecken. Lieblich hat ja mit Liebe zu tun: und so sind die Schritte des Freudenboten Jesus Christus zu den Menschen ein dauerndes Werben, eine Reise der Einladung, ein Weg der Hingabe. Liebliche Schritte versprechen nichts, was sie nicht halten können, sondern sind zuverlässig und hilfreich. Niemand fürchte sich vor ihnen. Jedermann und jedefrau freue sich, wenn sie sich ihnen nahen. Gottes liebliche Schritte erreichen uns mit unserer Schuld und tragen sie fort. Gottes liebliche Schritte kommen zu uns in unserer Finsternis und erleuchten sie. Gottes liebliche Schritte erreichen die Trümmer unserer Welt, so ist es verheißen: die Trümmer der Kriegsschauplätze, wo zerbombt und zerschossen sind, auf dass Frieden einziehe und Menschen wieder wohnen, sich einrichten, Heimat finden, handeln, einander vertrauen und Gott die Ehre geben; die Trümmer des Wohlstands, wo Geschenkpapier aus den blauen Tonnen quillt, auf dass wahre Freude einziehe und Menschen einander ihre Liebe in dauernden Taten und in Verantwortung füreinander zeigen.

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten. Kein Gleichschritt, keine knallenden Sohlen, sondern ein geschmeidiger Tanz, ein wogendes Hin und Her, voll Freude und Übermut an der Bewegung, ein Rennen, Innehalten, Kreisen, Springen und Drehen. Ein Tanz, der uns an die Hand nimmt und hineinzieht in die Bewegung der Freude. Dass Menschen sich von der Bewegung Jesu mitreißen lassen, dass sie ihre Vergangenheit zurücklassen und neu anfangen, dass sie Neues wagen und das alte neu wagen; das ist der Rhythmus der Freudenfüße. Die Freude bittet zum Tanz, mal ausgelassen und ungebändigt; in diesem Jahr vielleicht auch leise und vorsichtig und wie beim mittelalterlichen höfischen Tanz, als Berührung noch verpönt war. Die Freude nimmt uns mit in einen anderen Rhythmus, der dem Klang des Himmels folgt, der dem Refrain der Seligkeit Gestalt verleiht. Die Freude nimmt uns mit, groovt uns ein in einen anderen sound als die Welt ihn selber kennt und selber musiziert. Neue Botschaft – und doch alt und vertraut: Christ der Retter ist da!  

Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, amen.

Orgelmeditation nach der Predigt

(Max Reger (1837 - 1916), Mariä Wiegenlied, op. 76 Nr. 52)

Glaubensbekenntnis

EG 34 "Freuet euch, ihr Christen, alle!"

Freuet euch, ihr Christen alle, / freue sich, wer immer kann; / Gott hat viel an uns getan. / Freuet euch mit großem Schalle, / dass er uns so hoch geacht' / sich mit uns befreundt gemacht. / Freude, Freude über Freude: / Christus wehret allem Leide. / Wonne, Wonne über Wonne: / Christus ist die Gnadensonne.

Siehe, siehe, meine Seele, / wie dein Heiland kommt zu dir, / brennt in Liebe für und für, / dass er in der Krippen Höhle / harte lieget dir zugut, / dich zu lösen durch sein Blut. / Freude, Freude über Freude: / Christus wehret allem Leide. / Wonne, Wonne über Wonne: / Christus ist die Gnadensonne.

Jesus, wie soll ich dir danken? / Ich bekenne, dass von dir meine Seligkeit herrühr; / so laß mich von dir nicht wanken; / nimm mich dir zu eigen hin, / so empfindet Herz und Sinn  / Freude, Freude über Freude: / Christus wehret allem Leide. / Wonne, Wonne über Wonne: / Christus ist die Gnadensonne.

Jesus, nimm dich deiner Glieder / ferner noch in Gnaden an; / schenke, was man bitten kann, / zu erquicken deine Brüder; / gib der ganzen Christenschar
Frieden und ein seligs Jahr. / Freude, Freude über Freude: / Christus wehret allem Leide. / Wonne, Wonne über Wonne: / Christus ist die Gnadensonne.

Fürbittengebet

Barmherziger Gott, wir bitten dich:

Für die Menschen in Not, dass du Frieden wirkst bei den politisch Verantwortlichen, bei den Meinungsmachenden, bei den Profiteuren von Krieg und Gewalt.

Für die Menschen in Armut, dass die Gelder dieser Welt so verteilt werden, dass alle ein gerechtes Auskommen haben, dass reichste Prozent der Welt ihren Reichtum  teilen mit den ärmsten dieser Welt.

Für die Menschen, die ausgegrenzt werden, dass sie angenommen und integriert werden: die Flüchtenden, die Erkrankten, die Alten.

Für die Menschen, die ohne Hoffnung sind, dass du ihre Sehnsucht neu weckst, dass sie die Zeichen deiner Veränderung wahrnehmen, dass sie Kraft und Raum finden zu dir zu kommen.

Für die Menschen, die sich für andere einsetzen, dass du ihnen Kraft und Zuversicht gibst, dass sie widerständig bleiben gegen die Kräfte des Todes.

Für die Menschen, die nicht wissen, wohin sie gehören: dass du ihnen die Tür öffnest zur Geborgenheit in Familie und Freundschaft; dass du ihnen verlässlich begegnest.

Gemeinsam beten wir:

Vaterunser

Segen

Der HERR segne Dich und behüte Dich,
der HERR lass leuchten Sein Angesicht über Dir und sei Dir gnädig,
der HERR erhebe Sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden.

Amen, amen, amen.

Orgelnachspiel und Glockengeläut

(Joseph Gruber (1855-1933): Orgelpräludium für die Weihnachtszeit, op. 189 Nr. 6)