3. Sonntag nach Epiphanias am 24.01.2021

Mitwirkende:
Beatrix Hachtkemper,
Katrin und Meinolf Herting,
K. Lohfink,
Pfrn. Almuth Reihs-Vetter

Glockengeläut und Eröffnungsmusik

Choralvorspiel „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ von Friederich-Wilhelm Zachow (1663-1712)

Eröffnung und Begrüßung

P: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.
G: Amen.
P: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
G: Der Himmel und Erde gemacht hat.
P: Der Herr sei mit euch.
G: Und mit deinem Geist.

Herzlich willkommen zum Gottesdienst am 3. Sonntag nach dem Epiphanias-Fest. „Wie schön leuchtet der Morgenstern voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn…“ (EG 70, 1) – auch heute. Schon früh in der Geschichte des Gottesvolkes ist dieser Morgenstern aufgegangen und hat geleuchtet – in den Tagen des Stammvaters Abraham, in den Tagen der Stammmutter Rut, in den Tagen des Krippenkindes und Gottesmannes Jesus und seither an jedem Morgen neu. Schon immer halten Menschen nach ihm Ausschau – nicht die, die im Licht wohnen, sondern die im Dunklen leben; nicht die Satten, sondern die Hungerflüchtlinge, auch nicht unbedingt die religiös Gebildeten, sondern die, die ihre Sehnsucht aufmerksam macht für die Zeichen des Himmels… Sie sind es, die dem Stern folgen und mit denen Gott Sein Reich baut.
So sagt es der Wochenspruch für diese Woche:
Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. (Lk. 13, 29)

Eingangsgebet

Lasst uns still werden vor Gott
und Ihm unser Herz hinhalten mit allem, was darin ist
an Freude und Dank,
an Sorge und Schmerz,
an Vertrauen und Zweifel.

- STILLE -

Ewiger Gott,
glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht –
das hast Du Deinem Volk geraten.

Jesus Christus,
ein Glaube kann Berge versetzen –
das hast Du Deinen Jüngern gezeigt.

Heiliger Geist,
wer glaubt, hört auf Den, Der er nicht sieht –
damit hast Du Deine Gemeinde getröstet.

Schwankend ist unser Vertrauen
und klein unser Glaube
trotz Deiner leuchtenden Verheißung.

Vergib uns unseren Stolz,
unseren Trotz,
unseren Kleinmut
und lass noch den kleinsten Glauben gesegnet sein.
Amen

Lied: Jesus ist kommen (EG 66, 1.2.7-9)

1. Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählet’s den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.

2. Jesus ist kommen, nun springen die Bande, Stricke des Todes, die reißen entzwei. Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden; er, der Sohn Gottes, der machet recht frei, bringet zu Ehren aus Sünde und Schande; Jesus ist kommen, nun springen die Bande.

7. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden: Komme, wen dürstet, und trinke, wer will! Holet für euren so giftigen Schaden Gnade aus dieser unendlichen Füll! Hier kann das Herze sich laben und baden. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden.

8. Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben. Hochgelobt sei der erbarmende Gott, der uns den Ursprung des Segens gegeben; dieser verschlinget Fluch, Jammer und Tod. Selig, die ihm sich beständig ergeben! Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.

9. Jesus ist kommen, sagt’s aller Welt Enden. Eilet, ach eilet zum Gnadenpanier! Schwöret die Treue mit Herzen und Händen. Sprechet: Wir leben und sterben mit dir. Amen, o Jesu, du wollst uns vollenden. Jesus ist kommen, sagt’s aller Welt Enden.

Psalmgebet (Ps. 86, 1f.5-11 mit EG 293: Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all)

♫ Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all, lobt Gott von Herzensgrunde, preist ihn, ihr Völker allzumal, dankt ihm zu aller Stunde, dass er euch auch erwählet hat und mitgeteilet seine Gnad in Christus, seinem Sohne. ♫

HERR, neige Deine Ohren und erhöre mich;
denn ich bin elend und arm.
Bewahre meine Seele, denn ich bin Dir treu.
Hilf Du, mein Gott, Deinem Knechte/ Deiner Magd,
der/ die sich verlässt auf Dich.
Denn Du, Herr, bist gut und gnädig,
von großer Güte allen, die Dich anrufen.
Vernimm, HERR, mein Gebet
und merke auf die Stimme meines Flehens!
In der Not rufe ich Dich an;
Du wollest mich erhören!
Herr, es ist Dir keiner gleich unter den Göttern,
und niemand kann tun, was Du tust.

♫ Ja, Gottes groß Barmherzigkeit tut über uns stets walten, sein Wahrheit, Gnad und Gütigkeit erscheinet Jung und Alten und währet bis in Ewigkeit, schenkt uns aus Gnad die Seligkeit; drum singet Halleluja.  ♫

Alle Völker, die Du gemacht hast, werden kommen
und vor Dir anbeten, Herr, und Deinen Namen ehren,
dass Du so groß bist und Wunder tust
und Du allein Gott bist.
Weise mir, HERR, Deinen Weg,
dass ich wandle in Deiner Wahrheit;
erhalte mein Herz bei dem einen,
dass ich Deinen Namen fürchte.

♫ Ehr sei Gott Vater und dem Sohn und auch dem Heilgen Geiste, wie es im Anfang war und nun, der uns sein Hilfe leiste, dass wir sein Wort behalten rein, im Glauben recht beständig sein bis an das Ende. Amen. ♫
(Text: Joachim Sartorius 1591, Strophe 3: Straßburg 1545; Melodie: Melchior Vulpius 1609)

Lesung des Predigttextes

Der Predigttext für den 3.Sonntag nach dem Epiphanias-Fest steht im Buch Rut, im 1. Kapitel.  

Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort.
Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann.
Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr.
Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

Worte der Heiligen Schrift.

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns. Amen
Liebe Gemeinde,
es war die dunkelste Stunde in ihrem Leben, als Kilijon, ihr Mann, starb. Ja, er hatte immer schon etwas zerbrechlich gewirkt. Aber gerade das hatte sie an ihm geliebt. Seine sanfte, sensible Art, seinen feinen Geist. Er hatte ihr beigebracht, Schalmei zu spielen, und wenn er abends unterm Olivenbaum für sie sang, war es Rut vorgekommen, als täte sich der Himmel auf. Solche Männer waren ihr in ihrer Heimat vorher nie begegnet. Als wäre er aus einer anderen Welt zu ihr gekommen – geheimnisvoll, zart, zärtlich. Und in gewisser Weise stimmte das ja auch. Kilijon war kein Moabiter gewesen wie Rut; er war mit seinen Eltern aus Bethlehem hergekommen, als die Hungersnot in Israel so groß gewesen war, dass sie keinen anderen Ausweg sahen als ihr Land zu verlassen und in Moab ihr Glück zu suchen. Ach, wie hatte sie ihn geliebt! Sollten die anderen doch reden: „Ein Ausländer? Ein Israelit noch dazu? Das sind unsere Feinde…Und schau ihn dir an: Das ist doch kein richtiger Mann!“ Darum hatte Rut sich nicht geschert, sie war eine einfache Frau. Politik, Religion, irgendwelche Rollenbilder interessierten sie nicht. Dieser Mann war etwas Be-sonderes, das hatte sie von Anfang an gespürt… Als er starb, zog ihr das die Füße unter dem Boden weg. Nicht nur, weil sie als kinderlose Witwe keine Zukunft hatte, sondern weil ihr der Tod des Geliebten das Herz brach. Sie hatte das Gefühl, ein Teil von ihr selbst sei gestorben…
Zum Glück war da Noomi, Kilijons Mutter. Sie teilte Ruts Schicksal. Auch ihr war der Mann viel zu früh gestorben. Und dann auch noch beide Söhne. Aber sie war eine starke Frau. Sie ließ sich nicht unterkriegen, hatte oft genug noch tröstende Worte und Gesten für Rut. Manchmal erzählten sie einander von ihren Träumen, die nun zerbrochen waren, und weinten zusammen. Aber am Ende fand Noomi immer einen Grund weiterzumachen und steckte Rut mit ihrer Hoffnung an. Rut liebte ihre Schwiegermutter sehr. Es war mehr als Respekt und Wertschätzung füreinander; es war eine tiefe, innere Verbundenheit wie zwi-schen Mutter und leiblicher Tochter. Noomi war vielleicht der einzige Mensch, der es jetzt immer noch uneingeschränkt und bedingungslos gut mit Rut meinte: „Du bist noch jung. Es werden wieder andere Zeiten für dich kommen. Binde dich nicht an mich alte Frau. Finde dein Glück, Rut!“ Dabei war für Rut klar: „Mein Glück bist du, Noomi!“ Ihre Schwie-germutter war für sie wie ein Stern in der Dunkelheit; sie brachte immer wieder Licht in Ruts finster gewordenes Leben; sie war der Hoffnungsstreif am dunklen Horizont, die Freude in all dem Leide.
Darum musste Rut auch nicht lange überlegen, als Noomi ihr eröffnete, dass sie zurück nach Bethlehem gehen wolle. Die Hungersnot war vorüber. Es zog Noomi heim nach Ju-da, in das Land, wo ihre Wurzeln lagen. Keine Frage: Rut würde sie begleiten! Da mochte Noomi ihr auch noch so ins Gewissen reden: „Man wird dich als Moabiterin dort schief anschauen; die alte Feindschaft zwischen unseren Völkern wird man dich spüren lassen. Ruhe im Hause eines Mannes wird es für dich in Bethlehem nicht geben, du wirst keine Söhne gebären, keine Zukunft haben; immer wirst du ums Überleben kämpfen müssen… Tu das nicht. Bleib hier und werde wieder glücklich!“ Mag ja sein, dass sie ein einsames Leben erwartet, entwurzelt und verachtet. Aber mit Noomi zusammen wird sie ihr Schick-sal tragen. Sie würden das schon schaffen. Fühlen sie selbst sich auch ausgedörrt und leer, so geht doch die Kunde, dass die Kornähren in Bethlehem wieder voll und schwer sind. Warum sollte es also für sie kein Brot dort geben? Wenn sie gut vorankämen, wür-den sie zum Passahfest in Bethlehem sein. Kilijons und auch Noomis Augen hatten immer wieder gestrahlt, wenn sie von diesem Fest erzählt hatten. Dem Fest der Befreiung aus dem Tod. Sollte das nicht ein gutes, verheißungsvolles Zeichen sein, zu Passah in Beth-lehem anzukommen?“ Noomi, wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Ich will mich Ihm anvertrauen, wie ich mich dir anvertraue; Er wird für uns beide eine Zukunft haben!“ Über-rascht und dankbar spürt Rut das tiefe Vertrauen, das sich in ihrem Herzen ausbreitet und sie ganz ruhig und fest werden lässt. Von diesem Vertrauen will sie sich leiten lassen. Der Aufbruch nach Bethlehem wird für Rut zur hellen Stunde, in der ihr das Herz aufgeht; sie spürt und weiß: Mein Weg steht unter einem guten Stern! –
Es war die dunkelste Phase in seinem Leben. Erst starb seine Frau noch in der Blüte ihrer Jahre, kein Jahr später auch der Sohn – gerade dreißig Jahre alt. Sie hatten beide so sehr um ihr Leben gekämpft; Manuel hatte hilflos zusehen müssen, wie sie ihren Kampf verlo-ren. Nun sitzt er allein in dem großen Haus mit dem riesigen Garten darum. „Was für ein Paradies“, sagen die Leute oft, wenn sie zu Besuch kommen. Für Manuel ist das Paradies zur Hölle geworden. An jeder Ecke lauern schmerzvolle Erinnerungen: An diesem Tisch haben wir immer zusammen gefrühstückt… - Das Bild über dem Buffet hat Petra im ver-gangenen Sommer gemalt; da ging es ihr schon sehr schlecht. Ihr Schmerz spiegelt sich darin, aber auch ihre Hoffnung und ihr unbändiger Lebenswille… - Das Klavier, an dem sein Sohn Johannes so wunderbar musiziert hatte, steht verlassen – manchmal dröhnt die Stille in Manuels Kopf. Wenn sein Blick nach draußen in den Garten geht, sieht Manuel seine Frau das Unkraut jäten, das sie liebevoll „Wildkraut“ genannt hatte. Manchmal hat-ten sie und er und Johannes sich dort auch zusammen ausgetobt – in einem tatkräftigen Einverständnis, das keiner Worte bedurfte… Erinnerungen – so schön und so schmerz-haft, dass Manuel sie kaum ertragen kann. Wie soll er hier weiter leben? Die Schatten des Todes sind allgegenwärtig; er kann sich nicht gegen sie wehren. Es gibt Tage, da hat er Angst, in den dunklen Abgründen seiner Trauer zu versinken und verrückt zu werden… - Ob er das Haus verkaufen soll? Woanders neu anfangen? Manuel ist hin- und hergeris-sen. Drei Jahrzehnte – die lässt man nicht so einfach hinter sich. Sein Herz hängt an die-sem Ort – und droht zugleich daran zu zerbrechen.
Als er mit einem Freund darüber spricht, erzählt ihm der von einem Bekannten, der einen neuen Mieter sucht. „Schau dir die Wohnung doch einfach mal an!“ - Warum nicht? Ist ja ganz unverbindlich. Was hat Manuel schon zu verlieren… Die Wohnung liegt in der Stadt. Das Viertel kennt er gut; hier hat er schon als Student gewohnt; damals mit Petra, als Jo-hannes noch nicht geboren war. Der Betrieb, in dem er heute arbeitet; liegt ganz in der Nähe. Manuel verabredet einen Besichtigungstermin. Als er hinfährt, ist ihm mulmig zumu-te. Was tue ich hier eigentlich? Er atmet tief ein und aus. Dann steigt er aus, verschließt den Wagen und geht zum Haus. Der Eigentümer wartet schon. Ein freundlicher Mann in Manuels Alter. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch. Manuel geht mit ihm die Treppen hoch – erster Stock, zweiter Stock, dritter Stock. „Hier ist es!“ Der Eigentümer schließt auf und lässt Manuel eintreten. Der traut seinen Augen nicht. 100 Quadratmeter über den Dächern von Paderborn. Urig verwinkelt mit Dachschrägen, die Gemütlichkeit ausstrahlen. Die Wohnung ist licht und freundlich und hat zugleich etwas Bergendes; der Balkon lädt zum Entspannen ein. Dort in der Ecke könnten sogar ein paar Blumenkästen stehen, in denen ich Kräuter ziehe und vielleicht Blumen… Manuels Wangen glühen. Es ist Liebe auf den ersten Blick: Das ist es!
Als Manuel nach Hause fährt, fühlt er sich befreit wie lange nicht mehr. Endlich ein Hoff-nungsstreif am dunklen Horizont! An Zufälle glaubt er nicht. Das sollte so sein. Er schaut zum Himmel: „Danke! So hast Du mich vielleicht doch nicht vergessen?“ – Manuel weiß, dass ihm eine anstrengende Zeit bevorsteht: Alle Sachen sortieren, das Haus ausräumen, einen Käufer finden… Er ahnt, dass sein Herz dabei Achterbahn fahren wird. Und doch steht der Entschluss fest. Manuel staunt selbst über die Gewissheit, die er in sich spürt. Was genau auf mich zukommt, weiß ich nicht. Aber es ist an der Zeit, aufzubrechen! Sein Konfirmationsspruch fällt ihm ein: „Weise mir Herr, Deinen Weg, dass ich wandle in Dei-ner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich Deinen Namen fürchte!“ (Ps. 86, 11) Ja, er will es noch einmal wagen. Sich Gott anvertrauen. Und sich führen lassen. In diesem Moment ist sein Herz voller Zuversicht: Mein Weg steht unter einem guten Stern!
Es ist eine der dunkelsten Zeiten der Welt. Vieles hat die Erde schon gesehen. Hass und Gewalt, Kriege und Naturkatastrophen. Aber nie ist ein einzelnes Virus zu einer so globa-len Gefahr für die ganze Welt geworden wie jetzt in der Corona-Pandemie. Wohin das Auge schaut, wütet der Tod. Über 2 Millionen Menschenleben hat die Pandemie innerhalb eines Jahres bereits gekostet. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die Intensivstationen sind über-füllt. Mit der Produktion des endlich entwickelten Impfstoffes kommt die Pharmaindustrie kaum nach. Und die Nebenwirkungen, die auf lange Sicht mit ihm verbunden sind, kann noch niemand abschätzen. Ein Lockdown folgt dem nächsten; die Maßnahmen werden immer härter. Kann die Menschheit den Wettlauf mit dem Virus, das munter mutiert und sich allen neuen Gegebenheiten anzupassen scheint, gewinnen? Was sollen wir tun? Wohin können wir fliehen? Gibt es denn gar kein Licht am Horizont? Die Pandemie zieht den Menschen den Boden unter den Füßen weg, ja, bringt die ganze Welt ins Wanken.
Es gibt Tage, da ergreift auch mich so etwas wie Endzeitstimmung. Ich meine, zu ertrinken in dunklen Gedanken. Ob dieser Welt ihr Stündlein geschlagen hat? Ich sehe die Men-schen wie panisch agieren. Politiker*innen debattieren ohne Ende; Wissenschaftler for-schen fieberhaft; Grenzen sollen wieder geschlossen werden; gleichzeitig die Wirtschaft angekurbelt. Junge Leute legen Vorräte an; Alte gehen mehrmals täglich zum Briefkasten, ob nicht endlich eine Benachrichtigung für die Impfung im Kasten liegt. Ja, man muss doch was tun! – Muss man. Kann man? Eine Stimme in mir hält dagegen: Vielleicht liegt darin das Geheimnis, jetzt endlich einmal aufzuhören mit dem Tun. Sich zu verabschieden von dem Gedanken, wir selbst könnten diese Welt retten. Vielleicht beginnt der Glaube wirklich damit, an sich selbst zu verzweifeln und einzusehen, dass wir allein auf Gott ver-trauen müssen? (Huldrych Zwingli) Ich spüre, wie es still wird in mir und ruhig…
Und aus der Stille erhebt sich ein leiser Ton. Er wird zum Lied und wirft einen sanften, hellen Schein in meine Dunkelheit: „Sprich du das Wort, das tröstet und befreit und das mich führt in deinen großen Frieden. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, und lass mich unter deinen Kindern leben. Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst. Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.“ (EG 382, 3) – Wenn Einer das befreiende Wort sagen kann, wenn Einer die Zukunft für diese Welt aufzuschließen weiß, wenn Einer Nahrung hat, Leib und Seele zu sättigen, dann ist es unser Gott. Es stimmt, niemand weiß, ob uns dieses neue Jahr 2021 Heilung oder nur noch mehr Krankheit und Tod bringen wird, Not oder Aufschwung, Abgrenzung oder Frieden, ob der Egoismus der reichen Länder siegen wird oder die Gerechtigkeit. und Solidarität mit den armen Ländern. Aber dass Gott diese Welt nicht egal ist, Er treu an ihrer Seite bleibt und Seine Schöpfung an ein gutes Ziel füh-ren wird, das glaube ich fest. Er kann Menschenherzen wandeln und mit denen am Rande des Todes Sein Reich des Lebens bauen. Ganz tief in mir, verschüttet unter allen dunklen Gedanken glüht dieses Vertrauen, an das ich mich halten will: Unser Weg steht unter ei-nem guten Stern!
Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Musik zur Meditation

(Pastorale von Gustav Merkel (1827-1885))

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten
unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Lied: In Christus gilt nicht Ost noch West (nach EGErg 13)

1. In Christus gilt nicht Ost noch West, in ihm nicht Süd noch Nord, wo er wirkt, wird Gemeinschaft sein, gehalten durch sein Wort.
2. In Christus findet unser Herz, was wahre Einheit bringt: Er ist es, der das goldne Band der Liebe um uns schlingt.
3. So reicht einander eure Hand, uns trennt kein Unterschied. Wer immer unserm Vater dient, ist der Familie Glied.
4. In Christus trifft sich Ost und West, er eint auch Süd und Nord, schafft selbst die gute, neue Welt und spricht das letzte Wort.

(Text: John Oxenham (1908) 1924 / Deutsch Str. 1: Hamburg 1971, Str. 2-3; Friedrich Karl Hoffmann 1981, Str. 4: Samuel Rothenberg; Melodie: und Satz: William Croft 1708)

Fürbittengebet

Du Gott des Himmels und der Erden,
Du bist das Licht und das Leben.
Du bringst Hoffnung und Frieden.
Wir rufen zu Dir:
Höre uns und erbarme Dich.

Du Gott der Völker,
in allen Nationen leiden die Menschen,
suchen Schutz vor Ansteckung,
sehnen sich nach Heilung,
trauern um ihre Toten.
Du bist das Leben.
Du kannst heilen und trösten.
Wir rufen zu Dir:
Höre uns und erbarme Dich.

Du Gott der Armen,
in der Kälte leiden die Schwachen,
sie frieren ohne Obdach,
suchen nach Essbaren,
verlieren die Hoffnung.
Du bist das Leben.
Du kannst retten und beschirmen.
Wir rufen zu Dir:
Höre uns und erbarme Dich.

Du Gott des Friedens,
überall sehnen sich die Menschen nach Heil und Frieden.
Sie leben mit den Wunden der Vergangenheit,
reichen die Hände zur Versöhnung,
bauen Brücken.
Du bist das Leben.
Du allein kannst den Shalom geben.
Wir rufen zu Dir:
Höre uns und erbarme Dich.

Du Gott des Himmels und der Erden,
Du bist das Licht und das Leben.
Du bringst Hoffnung und Frieden.
Verwandle uns
und mach uns zu Menschen,
die das Licht, das in Jesus Christus zur Welt gekommen ist,
in die Welt tragen.
Dir sei Ehre in Ewigkeit.
Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name!
Dein Reich komme!
Dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden!
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen,
denn Dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit,
Amen.

Segen

♫ Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lass leuchten Sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe Sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.
Amen, Amen, Amen ♫

Musik zum Nachklang

(Präludium in F-Dur von Carl-August Kern (1836-1897))