2. Sonntag nach Epiphanias am 17.01.2021

Mitwirkende:
Beate Trapp (Lektorin),
Regina Henkel (Orgel),
Claus-Jürgen Reihs (Liturg und Prediger)

Glockenläuten und Eröffnungsmusik

(Christof Falkenroth, geb. 1938: " Kommt herbei, singt dem Herrn")

Eröffnung und Begrüßung

L: Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
G: Amen.
L: Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN,
G: der Himmel und Erde gemacht hat.
L: Der HERR sei mit euch!
G: und mit deinem Geist.
Herzlich willkommen zum digitalen Gottesdienst am zweiten Sonntag nach E-piphanias! Ich grüße Sie und euch mit dem Wochenspruch, der über diesem Tag und der heute beginnenden Woche steht: „Von seiner Fülle haben wir alle ge-nommen Gnade um Gnade.“ (Joh. 1,16). Das ist ein scheinbar unpassendes Wort in dieser Woche, wo die Belastungen durch die Corona-Pandemie eher durch Leere gekennzeichnet ist: Leere Geschäfte, leere Kassen, leere Klassen, leere Straßen, leere Impfzentren, leere Kühlcontainer für den Impfstoff. Und zugleich erleben wir die Sehnsucht nach Fülle neu: volle Zufahrtsstraßen und Parkplätze in den Schneegebieten.  Volle staatliche Kassen, die gar nicht geleert werden. Und in den Menschen? In unseren Herzen und Sinnen? Fülle oder Leere? Wo in-nere Leere herrscht, da ist es auch mit der Gnade nicht weit her. In diesem Got-tesdienst soll es um die Fülle der Gnade gehen, die an Jesus Christus anschaulich und erfahrbar wird.

EG 74 „Du Morgenstern, du Licht vom Licht“

Du Morgenstern, du Licht vom Licht, / das durch die Finsternisse bricht, / du gingst vor aller Zeiten Lauf / in unerschaffner Klarheit auf.
Du Lebensquell, wir danken dir, / auf dich, Lebend’ger, hoffen wir; / denn du durchdrangst des Todes Nacht, / hast Sieg und Leben uns gebracht.
Du ewge Wahrheit, Gottes Bild, / der du den Vater uns enthüllt, / du kamst herab ins Erdental / mit deiner Gotterkenntnis Strahl.
Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, / führ uns durch Finsternis zum Licht, / bleib auch am Abend dieser Welt / als Hilf und Hort uns zugesellt.

Vorbereitungsgebet

Guter Gott, erbarme dich unsere Fülle! Leere unsere Herzen von den überflüssi-gen Sorgen, die uns umtreiben; leere unseren Geist von den Versuchungen der Besserwisserei; leere unsere Münder von den hohlen Phrasen; 
Guter Gott, erbarm dich unserer Leere! Fülle sie neu mit deiner Gnade! Lass uns deinen Segen erfahren, speise uns mit Zuversicht und Hoffnung, lass die Freude in uns wachsen und vertreibe die Angst. Fülle uns mit Erbarmen für unsere Nächsten, für die Bedürftigen, amen.

Psalmgebet aus Psalm 105, 1-8

Danket dem HERRN und rufet an seinen Namen;
verkündigt sein Tun unter den Völkern!
Singet ihm und spielet ihm,
redet von allen seinen Wundern!
Rühmet seinen heiligen Namen;
es freue sich das Herz derer, die den HERRN suchen!
Fraget nach dem HERRN und nach seiner Macht,
suchet sein Antlitz allezeit!
Gedenket seiner Wunderwerke, die er getan hat,
seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes,
du Geschlecht Abrahams, seines Knechts,
ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten!
Er ist der HERR, unser Gott,
er richtet in aller Welt.
Er gedenkt ewiglich an seinen Bund,
an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter.
Amen.

Lesung

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im Buch des Evangelisten Johannes im zweiten Kapitel:
Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten's, die das Wasser ge-schöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Je-dermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Predigt

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus!
Liebe Gemeinde!

Ich liebe Hochzeiten! Da ist immer was los! Ein freudiger Anlass. Gute Laune. Das Glück, das den Brautleuten aus den Augen lacht. Fröhliche Musik. Tanzen, Trin-ken, Tratschen. Eine schöne Braut und ein schnieker Bräutigam. Gutes Essen und leckerer Wein. Ich freue mich immer, wenn ich eingeladen werde. Die Verwand-ten wiedersehen. Die Nachbarn erleben. Langvermisste Menschen wiedersehen. Kurz: Hochzeiten sind Hoch-Zeiten! Sie erheben die Seele. Ich liebe Hochzeiten!

Umso ungewöhnlicher war die Hochzeit neulich in Kana. Wie immer ging die Ein-ladung in die Nachbarschaft. Ich wusste gar nicht, dass sich wieder ein Paar ge-funden hatte. Natürlich machte ich mich mit einem kleinen Geschenk und dem obligatorischen „mazel tov“ auf den Weg. Bald hörte ich schon die Musik, ande-re Gäste kamen mit mir an. Ich sah mich um und fand einen Platz im hinteren Bereich des Innenhofs. Auf dem Weg zum Platz gab ich mein Geschenk ab und suchte mit den Augen nach dem Brautpaar. Fand sie aber gar nicht. Zunächst dachte ich mir nichts dabei, setzte mich zu den Nachbarn und ließ mir den Kelch füllen. Der Wein war so lala – hab schon mal besseren getrunken. So ging es ei-nige Zeit: reden und scherzen, flirten und tanzen, essen und trinken, und immer noch keine Spur von Braut und Bräutigam.

Dann war plötzlich der Wein alle. Der Junge, der bis dato den Wein ausgeschenkt hatte, zuckte nur mit den Schultern: in den Krügen herrschte Leere. Ihr wisst ja, wie es dann so geht. Schnell rief man nach mehr Wein – und da einige schon et-was viel getrunken hatten, wurden die Rufe laut und drängend. Manche Unflä-tigkeit war zu hören. Das wiederum kam mir peinlich vor. So benimmt man sich nicht! Schließlich waren wir doch Gäste. Aber der Bräutigam blieb unsichtbar. Dafür drängte man sich jetzt um Jesus. Ihr kennt ihn, den Wanderprediger aus Nazareth, von dem man sich erstaunliche Dinge erzählt. Ganz nah an ihm dran stand seine Mutter Maria. Sie redete auf ihn ein. Ich hörte nur einige Wortfet-zen: Wein … peinlich … Nachschub?
Als ob er der Bräutigam wäre! Der eigentliche Bräutigam jedenfalls blieb ver-schwunden. Der hatte doch eigentlich die Verantwortung für das Fest: er musste doch an die Versorgung denken. Wenn da was schief lief … da redeten die Leute noch Jahre lang drüber: „Weißt du noch: damals bei seiner Hochzeit, als wir auf dem Trockenen saßen!“ Na – ich mach‘s kurz. Der Bräutigam ließ sich einmal kurz blicken, ich sah ihn eher zufällig, als der Speisemeister kopfschüttelnd mit ihm sprach. Dann war er auch gleich wieder weg. Aber der richtige Star des Abends wurde tatsächlich Jesus. Irgendwie hat er Wein beschafft – und was für einen! Das war ein edler Tropfen! Ein echter Genuss! Und keinen dicken Kopf hinterher. Und tatsächlich drehte sich dann alles um ihn: er habe das Fest ausge-richtet, er habe die Gäste eingeladen, er sei der Bräutigam. Aber um ehrlich zu sein: Wer Jesus nur ein bisschen kennt, der weiß doch, dass er keine Bindung will. Keine Frau an seiner Seite, die er heiraten wollte. Und gerade darum such-ten wir alle seine Nähe, fühlten uns an seiner Seite beschwingt, beglückt, aufge-hoben, geborgen. Mit ihm wollen wir die Welt erobern, an seiner Seite bleiben, bis dass der Tod uns scheidet. Ehe ich mich*s versah, war ich mit ihm verbun-den, hatte er den Bund des Lebens mit mir geschlossen, und nicht nur mit mir, sondern mit allen, die sich an ihn wandten, die sich bei ihm aufgehoben fühlten, die bei ihm das Fest des Lebens feierten. Wir waren selig, weinselig - ein biss-chen, aber glückselig – volle Pulle. Wie die Reben an einem Weinstock: fruchtig, prall, lebenssatt, großartig, glücklich, glückselig, selig. Ein Stück Himmel auf Erden.

Keiner von uns fragte mehr nach Braut und Bräutigam. Den Bräutigam wussten wir ja mitten unter uns. Hatte nicht der Täufer schon Jesus als Bräutigam be-zeichnet? Und seine Braut? Das waren wir. Wir, die wir uns die Treue und die Liebe Gottes sagen ließen, die auf seine Worte vertrauten, seiner Botschaft glaubten, dass er der ist, auf den wir so lange gewartet hatten.
Da war ich als Gast gekommen, und ging als Braut Christi zurück. Kein Zuschauer mehr! Beteiligt. Jede von uns. Jeder von uns. Jesus hat meine Haltung zu ihm auf jeden Fall überlistet:  die Haltung, ich könne mich zu ihm so oder so verhalten. Das liege an mir selbst. Ich hab nun gecheckt: Er verwickelt die Menschen in sei-ne Geschichte. In sein Leben, in sein Sterben und in sein Heil! Das wurde mich dann am Ende noch einmal klar.
Drei Tage dauerte das Fest. Als wir uns voneinander verabschiedeten, sagte ich zu ihm: bei dir bleibe ich – bis dass der Tod uns scheidet. Da lächelte er mich an, nahm mich in den Arm und flüsterte mir zu: der Tod wird uns nicht voneinander scheiden! Wart‘s ab! Und damit ließ er mich gehen. Und seitdem bin ich gewiss: ER ist der Messias. Er erlöst mich und dich. Er befreit mich aus der Macht des Todes. ER gewährt das neue Leben. Seine Zukunft wird mir hier zur Gegenwart.
Liebe Gemeinde, ich liebe Hochzeiten! Ich liebe diese Hoch-Zeit des Lebens: Got-tes Bund mit mir ist lebendig und verheißt mir das schiere Glück. Darüber bin ich angefüllt mit Gnade um Gnade, amen.

Orgelmeditation

(Constantin Sternberg (1852 - 1924), arr. K.P. Chilla: "Andante")

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, / den Vater, den Allmächtigen, / den Schöpfer des Himmels und der Erde, /
und an Jesus Christus, / einen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, / empfangen durch den Heiligen Geist, / geboren von der Jungfrau Maria, / gelitten unter Pon-tius Pilatus, / gekreuzigt, gestorben und begraben, / hinabgestiegen in das Reich des Todes, / am dritten Tage auferstanden von den Toten, / aufgefahren in den Himmel; / er sitzt zur Rechten Gottes, / des allmächtigen Vaters; / von dort wird er kommen, / zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, / die heilige christliche Kirche, / Gemeinschaft der Heiligen, / Vergebung der Sünden, / Auferstehung der Toten / und das ewige Leben. / Amen.

EG 398 „In dir ist Freude“

In dir ist Freude / in allem Leide / o, du süßer Jesu Christ. / Durch dich wir haben / himmlische Gaben / Du der wahre Heiland bist. / Hilfest von Schanden, rettest von Banden / Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet / wird ewig bleiben, halleluja! / Zu deiner Güte steht unser G‘müte / an dir wir kleben im Tod und Leben / nichts kann uns scheiden, halleluja.
Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden / Teufel, Welt, Sünd oder Tod / du hast‘s in Händen, kannst alles wenden, / wir nur heißen mag die Not! / Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren / mit hellem Schalle freuen uns alle / zu dieser Stunde, halleluja! / Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein Macht dort  droben / mit Herz und Munde, hallelujah.

Fürbittengebet und Vaterunser

Schenke deiner Kirche die Kraft, Zeugin deiner vorbehaltlosen Liebe und Werk-zeug deines Friedens zu werden: dass Güte erscheint, wo Hass herrschst; dass verziehen wird, wo Menschen sich beleidigen; dass Versöhnung geschieht, wo Streit ist, dass Hoffnung geweckt wird, wo Verzweiflung quält, dass ein Licht leuchtet, wo  Finsternis um sich greift: dass Freude kommt, wo Kummer wohnt. Darum rufen wir: Kyrie eleison
Wir bitten für alle Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft, im Wirtschaftsle-ben, in der Erziehung und der Kultur: um Mut und Entschlossenheit, für das Le-ben einzustehen und verantwortlich zu handeln; um ihren Beitrag für Gerechtig-keit, jetzt und in Zukunft. Mach uns in allen Auseinandersetzungen der Macht deiner Liebe gewiss. Wir rufen: Kyrie eleison.
Wir bitten besonders für alle, die sich nach Liebe sehnen: die es schwer haben mit sich und den anderen; alle, die allein bleiben in ihrer Einsamkeit und Ver-schlossenheit; für die Abgeschobenen, Gedemütigten, für die Müden und Über-forderten. Gib ihnen Halt und Ruhe aus der Erfahrung deiner Liebe. Sende ihnen Menschen, die sich im Vertrauen auf dich herauswagen zu den Bedürftigen. Wir rufen: Kyrie eleison

Gemeinsam beten wir

Vater unser
Vaterunser im Himmel / geheiligt werde dein Name / dein Reich  komme / dein Wille geschehe / wie im Himmel so auf Erden / Unser tägliches Brot gib uns heu-te / und vergib uns unsere Schuld / wie auch wir vergeben unseren Schuldigern / und führe uns nicht in Versuchung / sondern erlöse uns von dem Bösen / denn dein ist das Reich  / und die Kraft / und die Herrlichkeit in Ewigkeit / amen.

 

 

Segen

Der HERR segne Dich und behüte Dich,
der HERR lass leuchten Sein Angesicht über Dir und sei Dir gnädig,
der HERR erhebe Sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden.
Amen, amen, amen.

Orgelnachspiel

(Friedrich Grünke, geb. 1930: "Segne und behüte uns")