Glockengeläut

Eröffnung: K. Herting, CJ. Reihs, A. Reihs-Vetter

P: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.
G: Amen.
P: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
G: Der Himmel und Erde gemacht hat.
P: Der Herr sei mit euch.
G: Und mit deinem Geist.

Begrüßung und Vorbereitungsgebet

Liebe Gemeinde, der heutige Sonntag trägt den Namen „Betet!“ Die Alltagsweisheit weiß: „Not lehrt Beten!“ Gerade in diesem Jahr scheinen wir das Beten auf die Probe und in Frage zu stellen. Warum das Virus? Wie lange noch die Einschränkungen? Worauf ist Verlass? Wem kann ich trauen? Auch wenn uns diese Fragen umtreiben, wird dieser Gottesdienst darauf keine Antwort geben und auch keine Antwort versuchen. Sondern ich gehe von genau der entgegengesetzten These aus: das Gebet stellt mich infrage und auf die Probe. Warum leide ich angesichts des Virus? Ist auf mich Verlass? Können andere ihr Vertrauen in mich setzen? Wie kann Gott sich auf mich verlassen? Was bedeutet es, wenn es im Wochenspruch heißt: "​Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet." (Psalm 66,20).

Psalm 95,1-7a

Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken / und jauchzen dem Hort unsres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen / und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der HERR ist ein großer Gott / und ein großer König über alle Götter.

Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, / und die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat's gemacht, / und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien / und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat. 

Denn er ist unser Gott / und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

Ehre sei dem Vater: WL 23

Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen. 

Kyrie: EG 178.2

Kyrie eleison – Herr, erbarme dich!
Christe eleison – Christus, erbarme dich!
Kyrie eleison – Herr, erbarm dich über uns!  

Gloria in excelsis: EG 180.2

♫ P: Ehre sei Gott in der Höhe.
​G: Und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen.​
​ALLE: Gott in der Höh sei Preis und Ehr, den Menschen Fried auf Erden. Allmächtger Vater, höchster Herr, Du sollst verherrlicht werden. Herr Jesus Christus, Gottes Sohn, wir rühmen Deinen Namen; Du wohnst mit Gott, dem Heilgen Geist, im Licht des Vaters. Amen ​

Lesung des Evangeliums: K. Herting

Das Evangelium für den Sonntag Rogate steht beim Evangelisten Matthäus im 6. Kapitel:
Jesus lehrte seine Jünger und sprach: Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben. - Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

Halleluja

Predigt

Liebe Gemeinde,
manchmal denke ich: Gut Jesus, dass du nicht heute lebst! Beim Predigttext für diesen Sonntag habe ich das gedacht. Warum? Weil vermutlich nach der Gebetsunterweisung durch Jesus die Menschen auf die Straße gehen würden um dagegen zu demonstrieren. Sie würden sich vor einer Kirche versammeln, Plakate in die Höhe halten und skandieren: Freiheit fürs Gebet! Weg mit Jesus! Wir lassen uns unsere Gebete nicht verbieten! Wir beten, wie wir wollen! Neugierige Blicke aus den Fenstern, und schon würden die ersten Smartphones gezückt und Bilder über die sozialen Medien geteilt. Innerhalb einer Stunde sind die Unzufriedenen, die Protestler*innen und Verschwörungstheretiker*innen auf dem Plan. Die Polizei kommt und sieht sich die spontane Demonstration an. Sie braucht noch nicht einzugreifen. Bald stellt sich einer auf die Mauer vor der Kirche. Jemand hat ihm ein Megaphon in die Hand gedrückt. Schrill klingt seine Stimme über den Köpfen: Frechheit – lassen uns das nicht gefallen– das wird man noch mal sagen dürfen - Gebetsfaschismus – Die Demo ist inzwischen viral gegangen, über Facebook verabredet man sich für den nächsten Montag erneut zum Protest gegen Gebetsbeschränkungen. Es kündigt sich ein profilierter Vor-Beter aus der Priesterklasse an, der in der Szene für seine rhetorisch perfekten und ausufernd langen Gebete bekannt ist.  

Liebe Gemeinde, vielleicht klingt das alles ein wenig absurd und überkandidelt? Mag sein. Manch einer unter uns mag sich vielleicht fragen, ob es denn richtig sei, sich über die äußere Form des Gebets zu streiten und ob es nicht eher auf den Inhalt ankäme. Dass sich das Interesse Jesu und der ersten Gemeinden beim Beten eben auch auf die äußerer Form richtet und auch auf seinen Zusammenhang mit dem gesamten Leben, ist allerdings eine wichtige Sache. Denn die Hinweise Jesu auf die äußere Form verpflichten die Betenden sich selbst zurück zunehmen. Das Beten eignet sich nicht zur öffentlichen Darstellung. Wenige Worte sind geboten und keine Zurschaustellung der eigenen Frömmigkeit. Damit ist das Gebet denkbar ungeeignet für die mediale Verwertung. Das ist auch der Grund dafür, dass wir uns bisher nicht für ein Videostreaming unserer Gottesdienste entschieden haben. Schon das öffentliche Gebet im Gottesdienst, sei es nun als analog gesprochenes Wort im Präsenzgottesdienst oder als digital aufgenommene audio-Datei auf der Homepage, wie wir es in der Corona-Krise tun, ist eine heikle Sache.

Im Gebet nehmen sich Beterin und Beter selbst nicht so wichtig. Diese Einsicht stammt aus den Hinweisen Jesu, aber auch aus der Gebetserfahrung. Denn das Bittgebet setzt gedanklich und existentiell zunächst bei sich selbst an. Der Ausgangspunkt des Betens ja immer unsere menschliche Not. Aber bevor das erste Mal „Ich“ gebetet wird, wird zunächst Gott selber als Vater angesprochen. Und damit erschafft das Gebet einen Spannungsbogen, an deren Polen Gott und Mensch stehen. Im Gebet geht es um die Beziehung zwischen Gott und Mensch, zwischen dem himmlischen Vater und mir irdischem Menschen. Im Gebet bekommt diese Beziehung ihren Ausdruck, ihre Wertschätzung, ihre Bedeutsamkeit. Im Gebet wird deutlich, dass Gott und wir nicht auf derselben Ebene sind, dass wir uns nicht auf Augenhöhe begegnen können, sondern dass wir Menschen die Kleinen, die Bittenden, die Klagenden, die Dankenden, die Lobenden sind und dass Gott der Große, die Gebende, der Hörende, die Spenderin, der Herrliche ist. Im Gebet öffnen wir uns in unserer Bedürftigkeit für Gott, der uns das gibt, was wir benötigen. Das Gebet nimmt Gott wichtig. Im Gebet steht Gott am Anfang und am Ende und in seine Gegenwart bin ich eingebettet. Unser Bitten und Flehen, unser Lob und Dank ist umrahmt von der Gegenwart Gottes.  

Aber da ist eben auch noch das andere: Beten und Leben gehören zusammen. Wer um Vergebung bittet, sei bereit zur Vergebung. Wer die Versuchung kennt und fürchtet, der sei selber auch nicht für andere eine Versuchung. Wer um die Erlösung vom Bösen bittet, der setze sich selber für das Gute ein– und halte aus, dass im Guten auch manch Böses steckt. Wer um das täglich Brot bittet, der speise die Armen. Wer um die Bewahrung der Schöpfung bittet, der leiste aktiven Klimaschutz, fördere die Artenvielfalt im Garten, verzichte auf Kreuzfahrten und Flugreisen und benutze so oft wie möglich das Fahrrad oder gehe zu Fuß. Wer um Schutz für die Flüchtlinge bittet, sei selber Schutz; wer um die Einhaltung der Menschenrechte bittet, engagiere sich bei amnesty international. Es gibt so viel Grund zu bitten, so viel Not und Elend in der Welt, dass es viele Möglichkeiten gibt sich zu engagieren. Nicht überall und mit gleicher Intensität, aber doch da, wo es von besonderer Wichtigkeit für einen selber ist. Sicherlich ist das gebetsmäßige Handeln nicht die Voraussetzung für das Beten, das vor Gott gebracht wird, aber es ist doch eine zutreffende und vervollkommende Begleitung des Gebets.Es drückt ja aus, dass die Beziehung Gottes uns ganz betrifft und dass wir uns ganz als Christinnen und Christen verstehen. Es ist wie beim Lächeln: wenn nur die Mundwinkel nach oben gezogen sind, so ist es ein erbärmliches Grinsen,das niemanden überzeugt. Sobald aber die Augen mit funkeln, ist es ein ausgezeichnetes Lächeln, das jedermann in Bann schlägt. Denn die Augen sind der Spiegel der Seele, in ihnen ist die Wahrheit zu erkennen. Es ist wie in der Liebe: ein Kuss, eine Umarmung bleiben kalt, wenn nicht das Herz voller Hingabe ist.

Liebe Gemeinde, nun, am Ende des Nachdenkens über Jesus und das Gebet, denke ich: Jesus, gut, dass du auch heute noch lebendig bist. Warum? Weil deine Worte eine heilsame Korrektur sind für den Individualismus, der meint, er brauche sich von nichts und niemandem etwas sagen zu lassen. Weil deine Warnungen zurecht ergehen und das Gebet nun nicht auch noch auf dem Markt der Eitelkeiten feilgeboten werden soll. Weil du an das Verborgene erinnerst, an das, was da ist, auch wenn es nicht in die Augen sticht. Weil du dem Gebet Verborgenheit, Vertraulichkeit und Vergebung schenkst. Weil dort die ganze Hinfälligkeit und Abhängigkeit des Lebens Raum hat,weil das Gebet das Leben schützt und ihm wie eine Quelle Kraft und Halt spendet. So birgt das Gebet das Leben – in einfachen Worten und schlichten Taten der Liebe zum Nächsten. So birgt die Bitte die Tat, die Klage die Verantwortung. 

Amen. Und der Frieden Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn, amen.  

Glaubensbekenntnis (Familie Pferdmenges / Teufert)

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Fürbittengebet (C.-J. Reihs)

Gott, himmlischer Vater, du hältst bereit, was wir brauchen. Wir bitten dich: 

- dass du dich weiterhin von uns anrufen lassen willst, dass du unseren Dank, unsere Klagen und Bitten und unser Lob gerne hörst; dass du uns den Weg weist, dir die Ehre zu geben – jeden Tag.

- dass du deiner Verheißung treu bleibst; dass du uns nicht dem Schicksal oder dem Willen der Menschen überlässt; dass deine Herrlichkeit immer mehr Raum in dieser Welt gewinnt und dein Erbarmen unsere Gemeinschaft durchweht

- dass wir deinem Willen mit uns trauen, der uns befreit zu Ebenbildern deiner Güte und Treue; dass Knechtschaft und Sklaverei ein Ende haben; dass Krieg und Gewalt aufhören; dass die Schöpfung aufatmet.

- dass du uns genügend zum Leben gibst, dass der Hunger in der Welt durch gerechte Verteilung der Lebensmittel beendet wird; dass die Bedürftigen Unterstützung finden; dass wir Verschwendung und Prasserei ein Ende machen.

- dass du uns unsere Schuld erkennen lässt; dass wir sie vermeiden, wo immer es geht; dass wir ihr standhalten, wo wir sie auf uns nehmen müssen; dass du sie uns abnimmst, damit wir neu leben können. Besonders bitten wir für die, die schwere Entscheidungen zu verantworten haben in Krankenhäusern, an Sterbebetten, bei Polizeieinsätzen und im Gerichtssaal.

- dass du in den strahlenden Höhen der Selbstgerechtigkeit nicht allein lässt; dass du in den dunklen Höhlen der Verzweiflung zur Seite stehst; dass Macht als Dienst am Nächsten verstanden wird.

- dass du das böse Tun in uns überwindest und zum Guten wendest; dass du uns aus dem Wettbewerb und dem Überlebenskampf gegeneinander befreist; dass du Hilfe und Solidarität stärkst, Nächstenliebe und Unterstützung förderst.

Gemeinsam beten wir:  

Vaterunser (Anne, Beatrix und Ben Hachtkemper)

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segen CJ. Reihs

♫ G: Amen, Amen, Amen ♫

Liebe Gemeinde, dies wird der letzte Online-Gottesdienst in dieser Form sein. Da wir nun endlich wieder mit Präsensgottesdiensten beginnen werden, möchten wir versuchen,diese als Audiomitschnitt auf unserer homepage für Sie zum Hören zugänglich zu machen.  Wenn Sie gern persönlich an unseren Präsensgottesdiensten teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte im Büro an.  

Kollektenhinweis

In unseren Gottesdiensten sammeln wir regelmäßig Kollekten ein. Auch, wenn wir derzeit nicht zur gemeinsamen Feier zusammenkommen können, möchten wir Gelegenheit geben, zu teilen und wichtige kirchliche Aufgaben zu unterstützen. 

Wenn Sie diese Gelegenheit nutzen möchten, überweisen Sie den von Ihnen zu bestimmenden Geldbetrag bitte auf das Konto der
Ev. Kirchengemeinde Büren-Fürstenberg
IBAN DE34 4726 1603 0135 3000 00.
Unter Verwendungszweck geben Sie bitte „Diakonische Aufgaben“ an, damit wir das Geld korrekt einsetzen bzw. weiterleiten können. 

Vielen Dank!