Mitwirkende: Regina Henkel, Olga Gelhorn, Angelina und Louis Aust, Timo Teufert, Katrin, Hannah und Jonas Pferdmenges, Katrin Herting (Prädikantin)

Glockengeläut

​Eröffnung und Begrüßung mit Wochenspruch (Präd. Herting, O. Gelhorn, R. Henkel)

Im Namen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. 
​Amen
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn
​Der Himmel und Erde gemacht hat.
Der Herr sei mit euch.
​Und mit deinem Geist. 

Begrüßung mit dem Wochenspruch:  

Liebe Gemeinde, herzlich willkommen zum Gottesdienst am 2. Sonntag nach Ostern mit dem Namen Miserikordias Domini, was übersetzt heißt: Die Erde ist voll der Güte des HERRN (Psalm 33.5).  Auch an diesem Sonntag sind wir über die Homepage miteinander verbunden. Hört die Worte, die uns Christus im Wochenspruch zusagt:  Ich bin der gute Hirte. 
Meine Schafe hören meine Stimme,
und ich kenne sie und sie folgen mir;
und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Johannes 10,11a, 27-28a)
Jesus Christus, unser Hirte, hat uns gut im Blick, auch in Zeiten, in denen wir selber uns nicht wie sonst persönlich in die Augen schauen können - oder wenn, dann nur aus sicherer Entfernung. Wir sind eingeladen, auf die Stimme von Jesus Christus zu hören. Er spricht zu uns, Seine Stimme lässt sich auch durch das Corona-Virus nicht zum Schweigen bringen. Und das ist gut so! So lasst uns in Anbindung an den Auferstandenen nun miteinander hören, singen und beten.

Psalmgebet und Lobpreis (Olga Gelhorn, Präd. Herting, Regina Henkel)

Psalm 23
Der HERR ist mein Hirte, 
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein. 
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Ehre sei dem Vater (WL 23)
♫ ​ Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen, Amen,Amen, Amen, Amen, Amen, Amen.  

Kyrie EG 178.2 

Kyrie eleison.
Herr, erbarme dich.
Christe eleison.
Christe, erbarme dich.
Kyrie eleison.
​Herr, erbarm dich über uns. 

Gloria in excelsis EG 180.2

P: Ehre sei Gott in der Höhe.
G: Und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen.
Alle: Gott in der Höh` sei Preis und Ehr, den Menschen Fried auf Erden. Allmächtger Vater, höchster Herr, Du sollst verherrlicht werden. Herr Jesus Christus, Gottes Sohn, wir rühmen Deinen Namen; Du wohnst mit Gott, dem Heilgen Geist, im Licht des Vaters. Amen.

Predigttext mit Halleluja (Olga Gelhorn)

Der Predigttext für den 2. Sonntag nach Ostern steht im 1. Brief des Petrus im 2. Kapitel in den Versen 21-25:
Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;  der, als er geschmäht wurde, dieWeide Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. 

Halleluja (Regina Henkel, Olga Gelhorn, Präd. Herting) 

♫ ​ Halleluja ​ ♫ Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen Seiner Weide.  ♫ ​ Halleluja ​ ♫ Der Herr ist auferstanden,  Er ist wahrhaftig auferstanden.  ♫ ​ Halleluja ​ ♫ 

Predigt (Prädikantin K. Herting)

Gnade sei mit euch und Friede von Dem, Der da ist und Der da war und Der da kommt.  Amen

Worte, die helfen in einer Zeit, die Bedrängnis mit sich bringt. Eine Zeit mit wenig Freiheit, ein Leben in Versklavung, die einen irre werden lassen kann in seinem Dasein. Eine Zeit, in der Leiden oftmals dazugehört wie der tägliche Bissen Brot.  Worte und Bilder, die Kraft schenken - sie sind so nötig wie die Luft zum Atmen. Hilfe braucht es in solchen Zeiten, in denen auch der Glauben auf den Prüfstand gestellt wird. Da braucht es Worte, die man sich selbst nicht zusprechen kann. Und es braucht wohl auch dringlich Bilder, die helfen, den Blick zu heben und ihm eine neue Ausrichtung schenken. Bilder der Hoffnung, die eine Wirklichkeit beschreiben, die über unsere Welt hinausweist, die unsere Seele von innen speisen.  

Liebe Gemeinde, hinein in eine solche Zeit der Bedrängnis schreibt Petrus damals den noch jungen christlichen Gemeinden, die versuchen unter der römischen Machtherrschaft entgegen alle Widrigkeiten ihren Glauben zu leben. Seine Briefe sollen Mut machen und die Menschen stärken. So schreibt er ihnen, dass die äußeren Bedrohungen, alle Repressalien, die sie erfahren, nichts sind, was ihnen wahrhaft zusetzen kann, denn in Anbindung an Christus kann sie kein Mensch, keine irdische Macht zerstören. Dafür steht Christus selbst ein – diese Botschaft gibt er ihnen mit und  stellt das Bild vom leidenden Jesus in ihre Mitte. Petrus zeichnet Ihn als Vor-Bild, Den, Der vorgegangen ist, Der Schreckensbilder in nicht vorstellbarer Klarheit selbst gesehen und durchlebt hat, verwundet wurde und unschuldig bis zum letzten Atemzug all das erduldet hat.
Der leidende Christus – das Heil. Unser Heil. Diese Botschaft bringt Petrus in Wort und Bild.
Zeitlos scheint mir sein Anliegen. Das, was er den Christen damals schreibt – passt es nicht genau so auch hinein in unsere Tage?  Die Welt, sie ist bis heute nicht frei von Schmerz und Leid. Oftmals sind wir Menschen selbst diejenigen, die sich das Leben schwer machen. Wir üben so oft Macht und Druck aufeinander aus, wir terrorisieren uns, anstatt Toleranz zu üben. Ja, und derzeit machen wir die entsetzliche Erfahrung, dass ein kleines Virus so viel Macht über uns hat und Leid bringt, dass die Welt schockiert den Atem anhält.

Der leidende Christus, den Petrus auch in unsere Mitte stellt als Vorbild – können wir damit etwas anfangen? Trägt uns die Glaubenswirklichkeit, dass Seine Wunden uns heil machen? Diese biblischen Worte und Bilder – ich möchte sie gern fassen können, möchte sie in ihrer Tiefe schauen. Wie kann es gelingen? Wo sind Anknüpfungspunkte, die es mir das ermöglichen? Ich mache mich auf die Suche nach den beschriebenen Bildern, halte Ausschau, wo sie konkret für meine Augen sichtbar bis in die heutige Zeit hineinreichen.  Hier in der Erlöserkirche werde ich fündig – ich schaue auf das Holzkreuz auf dem Altar.  Dabei stelle ich fest, dass das Verweilen vor einem Kreuz für mich viel mehr ist, als das bloße Anschauen von Holz, Glas oder anderen irdischen Materialien. Dieses Verweilen hilft mir, mich zu öffnen für die Glaubenswirklichkeit, die ich suche. Zeiten, in denen ich mich der Betrachtung des Kreuzes aussetze, sind oftmals heilsam. Da hilft es mir, betrachtend zu erfahren, dass Gott sich in Seinem Sohn allem ausgesetzt hat, was unser Leben so ausmacht. In diesen kleinen Bruchteilsekundenmomenten, da erfahre ich mein Seelenfenster ganz offen, und vertrauensvoll möchte ich Christus nachfolgen.
Das Kreuz mit seinem Leid ist mir aber ganz oft vor allem Herausforderung und auch Anstrengung. Da gibt es Momente, in denen ich den Blick auf das Kreuz nicht ertragen kann, in der ich noch ein anderes Bild, eine andere Perspektive brauche. Eine Perspektive, die zwar das Kreuz voraussetzt oder mit einschließt, die aber darüber hinaus weist. In der Erlöserkirche finde ich ein solches Bild. Dort kann ich meinen Blick vom Kreuz aus ein Stück höher wandern lassen, hinauf bis zum Christusfenster. Ich lade Sie und Euch ein, es mit mir zu betrachten:
Meine Augen sehen eine über 100 Jahre alte Darstellung dessen, was wir gerade jetzt in dieser österlichen Zeit wieder besonders feiern: Den Sieg des Lebens über den Tod. Wir sehen Christus, Den, Der diesen Sieg für uns errungen hat. Mit einem roten Tuch, eher spärlich bekleidet, nicht etwa im Purpurmantel und kämpfend wie ein Feldherr, sondern mit der Hingabe eines unschuldigen Lammes. Die Wunde an Seiner Seite zeugt davon. Die Fahne in Seiner Hand, das rote Kreuz auf weißem Grund, symbolisiert den Sieg des Lebens. Der Fahnenstab assoziiert bei mir den Gedanken an einen Hirtenstab. Jesus Christus – der Hirte und das Lamm zugleich! Seine rechte Hand, sie segnet uns. Umkränzt ist der Auferstandene von Strahlen, himmlisch-helles Licht, und hoffnungsvoll umranken ihn Blumen.
Ich schaue auf Ihn, Jesus Christus – und Er schaut auf mich.  Dann stelle ich erstaunt fest: Sein Blick – er irritiert mich. Nein, es ist nicht die Direktheit Seines Blickes. Es ist vielmehr der Ausdruck Seiner Augen. Müssten sie nicht erlöster schauen? Fast traurig fühle ich mich angeschaut, so, als ob Er, der Auferstandene, doch noch nicht allen Schmerz, alles Leid, überwunden hätte. Diese Irritation verunsichert mich und macht mich gar ein wenig wütend. War meine Erwartungshaltung doch eine andere, als ich die Augen vom Kreuz abwendete und aufwärts wandte – ich erhoffte mir einen strahlenden, erlösten Christus, der mich alle Dunkelheiten des Diesseits einfach einmal vergessen lässt – zumindest für einen Augenblick. Meine Erwartungshaltung erfüllt sich aber nicht, und aus diesem Spannungsbogen heraus frage ich mich: Gibt es vielleicht eine Botschaft, die der Künstler dieses Fensters uns vermitteln möchte? Trotz meines inneren Widerstandes lasse mich wieder ein auf die Betrachtung des Bildes. Der Blick des Auferstandenen nimmt den meinen tief in sich auf und lässt mich nachdenken. In Seinem Blick sehe ich nunmehr nicht nur Traurigkeit, sondern auch Nachdenklichkeit. Ja, und je länger ich hinsehe, desto mehr empfinde ich auch eine tiefe Verbundenheit. Jesus Christus zieht mich zu sich! Ich vermag zu spüren, dass Er nicht „unauffindbar“ verklärt in himmlische Sphären entschwunden ist. Nein, im Gegenteil! Jesus begegnet mir gerade auf Augenhöhe!
Er schaut hin. Er sieht mich, Er sieht uns. Sein Blick mit all` dem, was ich darin entdecken kann, ist ein Blick tiefer Zugewandtheit. Jesus Christus wendet sich mir, wendet sich dem zu, was in der Welt geschieht. Er schaut hin, sieht uns, die wir ja Seine Schwestern und Brüder sind.
Sein Blick ist bei denen, die jetzt einsam und alleine sind. Er wendet den Blick nicht ab vom Leid in den Krankenhäusern und den Einsamen in den Altenheimen, in den Flüchtlingslagern, an den Grenzen. Er wendet Seinen Blick nicht ab von den Problemen, die sich auftun an unserem Arbeitsplatz oder in den Familien zwischen groß und klein, alt und jung...Nein, Jesus Christus schaut hinein in die Abgründe, die sich in unserem Leben auftun. Mehr noch: In jedem Augen-Blick ist Jesus bei uns. Diese Erfahrung lässt Frieden in mir wachsen. Behütet fühle ich mich plötzlich, und da ist er wieder, dieser Bruchteilsekundenmoment, ein heiliger Moment! Ich stelle fest: Ich war wie ein irrendes Schaf, aber der Hirte hat es​ mal wieder ​ geschafft, mich zu sich zurückzuführen. Wenn Petrus uns zuspricht: „Durch Seine Wunden seid ihr heil geworden.“ (Vers 24) – dann ahne ich, dass der Frieden, der mich gerade ausfüllt, genau dieses Heil ist. Mein Blick wandert vom Christusfenster wieder hinab zum Kreuz. Das Geschehen von Kreuz und Auferstehung, diese beiden Bilder vereinen sich nun zu einem großen Ganzen und werden mir zur Kraft, die mir so nötig ist wie die Luft zum Atmen.
Jesus Christus als unser Vorbild. Ausschau halten nach Seinen Fußstapfen, in Seiner Nachfolge leben. Ich ahne, dass das ein lebenslanges Suchen, Tasten, und „sich Einüben“ bedeutet, dass dies ein Weg in dieser Welt ist, der Schmerz und Leid eben nicht ausschließt. Es ist aber auch die Erfahrung des Lichts, des sich-behütet-fühlens, die Erfahrung, so oft beschenkt zu sein. Es ist ein Weg, der einen unglaublich großen Spannungsbogen beschreibt. Auf diesen Weg möchte ich mich einlassen. Ich möcht`s versuchen. Immer wieder auf`s Neue, wie so viele vor mir und heute mit mir und hoffentlich auch nach mir.
Ich stehe auf und gehe los, hinaus aus dieser Kirche. Das Bild des Kreuzes begleitet mich, ich nehme es mit. Aber: Es drückt mich gerade nicht. Es stärkt mich und es richtet mich auf! Und ich spüre auch den Blick des Auferstandenen, der mir nachfolgt, der uns alle leiten und behüten möge auf den Wegen, die vor uns liegen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen 

„Der Herr ist mein Hirt“ (nach Bernhard Klein, Damaliger Chorprobenmitschnitt des ev. Kirchenchores)

Glaubensbekenntnis (Angelina und Louis Aust)

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen, 
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, 
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, 
empfangen durch den Heiligen Geist, 
geboren von der Jungfrau Maria, 
gelitten unter Pontius Pilatus, 
gekreuzigt, gestorben und begraben, 
hinabgestiegen in das Reich des Todes, 
am dritten Tage auferstanden von den Toten, 
aufgefahren in den Himmel; 
er sitzt zur Rechten Gottes, 
des allmächtigen Vaters; 
von dort wird er kommen, 
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, 
die heilige christliche Kirche, 
Gemeinschaft der Heiligen, 
Vergebung der Sünden, 
Auferstehung der Toten 
und das ewige Leben. 

Amen.  

Fürbittengebet (Angelina und Louis Aust)

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Sind wir wie irrende Schafe?
Wir sehnen uns danach,
den Weg zu kennen.
Du weißt ihn.
Zeig uns den Weg.
Zeig ihn denen, die uns regieren,
die über uns bestimmen,
die unser Wohl wollen.
Du guter Hirte, suchst du uns?
Bringe uns auf den richtigen Weg.
Erbarme dich.

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Wir sind gefangen in unserer Sorge.
Du siehst die Ängste der Welt.
Schau auf die Menschen,
die keinen Ausweg sehen -
auf der Flucht,
in Lagern,
im Krieg.
Schau auf die Menschen,
die kein Zuhause haben,
wo sie Schutz finden.
Und schau auf die,
für die der Schutzraum zur Gefahr wird.
Du guter Hirte, suchst du sie?
Steh ihnen bei und trage sie auf deinen Schultern.
Erbarme dich.

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Siehst du den Glauben?
Siehst du die Hoffnung?
Unsere Nachbarn im Ramadan.
Unsere Geschwister in der Ferne.
Unsere Gemeinde, deine Kirche.
Dir vertrauen wir,
denn du bist bei uns,
bei dir wird uns nichts mangeln.
Tröstest du uns?
Bereite uns den Tisch und bleib bei uns. 

Erbarme dich, heute und alle Tage. Amen. 

Vaterunser (Familie Timo Teufert, Katrin, Hannah und Jonas Pferdmenges)

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Sendung/Segen (Präd. Herting, Olga Gelhorn, Regina Henkel)