Mitwirkende: Organist: Meinolf Herting; Liturg*innen: Katrin Herting, Kirstin Lohfink, Pfrn. Reihs-Vetter, Pfr. Reihs; Auslegerin: Pfrn. Reihs-Vetter

Eingang (Ingressus – Pfrn. Reihs-Vetter/ Pfr. Reihs):

Herr, bleibe bei uns,
denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget.
Gott, gedenke meiner nach Deiner Gnade
Herr, erhöre mich mit Deiner treuen Hilfe.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen

Psalm 130 (Pfrn. Reihs-Vetter/ Pfr. Reihs):

Das Tor der Schrecken tut sich auf:
Die Mächte der Hölle erschaudern beim Anblick des Höchsten.
Der über die Himmel regiert,
steigt hinab in die Tiefe des Abgrunds.

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir:
Herr, höre meine Stimme!

Lass Deine Ohren achten
auf mein lautes Flehen!

Rechnest Du, Herr, die Sünden an, -
Herr, wer wird bestehen?

Doch bei Dir ist die Vergebung,
dass man Dich fürchte.

Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele
ich warte auf Sein Wort.

Meine Seele wartet auf den Herrn
mehr als die Wächter auf den Morgen;

 Mehr als die Wächter auf den Morgen
soll Israel hoffen auf den Herrn!

Das Tor der Schrecken tut sich auf:
Die Mächte der Hölle erschaudern beim Anblick des Höchsten.
Der über die Himmel regiert,
steigt hinab in die Tiefe des Abgrunds.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen

-STILLE-

Lesung: Joh. 19, 38-42 – gerahmt mit EG 91: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht (Pfrn. Reihs-Vetter/ Pfr. Reihs)

♫ Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht. Es hat Hoffnung und Zukunft gebracht. Es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit. ♫

Josef von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, bat – jedoch heimlich, aus Furcht vor den Juden – den Pilatus, dass er den Leichnam Jesu vom Kreuz abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leichnam Jesu ab.

Es kam aber auch Nikodemus, der vormals in der Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund. Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in Leinentücher mit Spezereien, wie die Juden zu begraben pflegen.

Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war. Dahin legten sie Jesus wegen des Rüsttags der Juden, weil das Grab nahe war.

♫ Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht. Es hat Hoffnung und Zukunft gebracht. Es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit. ♫

-STILLE-

Impuls (Pfrn. Reihs-Vetter):

Verschlossen ist das Grab. Stille ist eingekehrt auf Golgatha. Die Nacht hat sich dicht und schwer auf Fels und Grab gelegt. Die Welt ruht im großen Sabbat. Karsamstag, der Tag der totalen Gottesfinsternis, des Todes Gottes. Es ist der Tag der Grabesruhe, des Schweigens, der Leere, des Nichts. Alle Hoffnungen sind mit Jesus begraben. Die Träume zerbrochen. Was Halt gab, ist nicht mehr. War es überhaupt je Wirklichkeit gewesen oder nur ein Wunschtraum, all das, was sich mit diesem Jesus von Nazareth verband? Zweifel. Klage. Weinen bestimmen diesen Tag.

Zweifel, Klage, Weinen bestimmen unsere Tage. Glaube und Hoffnung – ins Wanken geraten und dahin gerafft durch ein Virus. So viele Menschen mussten wir schon begraben. Die Angst geht um. Einsamkeit hat uns im Griff. Was gibt jetzt noch Halt?

Der Karsamstag stellt uns die anstößige Frage: Musste nicht Gott oder vielmehr das Bild, das die Menschen sich von Ihm gemacht und in das hinein sie Jesus gezwängt und gepresst hatten, sterben, damit neues Leben werden und wachsen konnte? Manchmal braucht es Scherben und Trümmer, um durch zerstörte Häuser und Ruinen hindurch wieder neu den Blick auf den Himmel frei zu machen. Manchmal braucht es auch absolute Leere und Stille, um Gottes Wort hören zu können. Denn Gott ist Wort und Jesus ist menschgewordenes Wort, aber Er ist eben auch Schweigen. Wir können Ihn nicht greifen, nicht begreifen, nicht festmachen und festhalten. Er bleibt der Verborgene, Der sich Entziehende, Der, Dessen Reden und Handeln oft nur im Schweigen vernehmbar ist. Manchmal muss man lange in die Stille hineinhorchen, um zu hören, was Gott sagen will...

Vielleicht ist das Schweigen des Karsamstags so etwas wie die Erwartungshaltung der ganzen Erde. Es erinnert an das Schweigen vor der Erschaffung der Welt (Gen 1,2) und an die Stille der Heiligen Nacht, in der Gottes Sohn Mensch wurde. Alles wartet, dass Gott machtvoll handelt. Wir alle warten.

„Hinabgestiegen in das Reich des Todes“, heißt es im Glaubensbekenntnis der Kirche, wenn es darum geht, das Geheimnis des Karsamstags zu umschreiben. Oder in der alten Formulierung: „abgestiegen in die Hölle“. Das ist ein drastisches Bild – die Hölle als Ort der totalen Gottverlassenheit, der radikalen Einsamkeit. Wo bleibt da die Hoffnung, die – wie das Sprichwort sagt – immer zuletzt stirbt? Wohl am ehesten dort, wo Christus diesen Weg in die dunkle Nacht des Todes mit uns gegangen ist. Gerade in dieser letzten Konsequenz zeigt Er sich solidarisch mit uns, ganz radikal. Damit wird die Dunkelheit zum leuchtenden Zeichen der Hoffnung. Erst durch das Scheitern, durch die Verzweiflung und durch den Tod hindurch lässt sich erahnen, wer Jesus wirklich war, und was es mit diesem Gott tatsächlich auf sich hat. Die Schriftstellerin Gertrud von le Fort  drückt es so aus: „Auch die Nacht hat ihre Wunder. Es gibt Sterne, die nur am Horizont der Wüste erscheinen. Es gibt Erfahrungen der göttlichen Liebe, die nur in der äußersten Verlassenheit, ja, am Rande der Verzweiflung geschenkt werden. Und eben das ist jene äußerste Liebe, die sogar in ihren eigenen Entzug einwilligt, darin aber zugleich die größte Annäherung an Gott erreicht.“

Wir können der großen dunklen Nacht des Todes nicht entfliehen und auch den Toden mitten im Leben nicht. Niemand ist vor dem Sars2-Virus gefeit und keine*r kann wissen, ob er/ sie diese Pandemie überleben wird. Aber Jesus Christus geht jeden Weg mit uns – Er ist ihn schon für uns vorausgegangen. Tod, Resignation, Ohnmacht und Verzweiflung haben nicht das letzte Wort. Die Pforten der Hölle werden sich öffnen und die Tore des Herzens werden wieder weit.

Das ist die Botschaft des Karsamstags: Kein Stein, wie groß auch immer, und keine Waffe, wie scharf auch immer, auch kein Virus, wie heimtückisch es auch sei, wird hindern und dem wehren können, was Gott schon längst beschlossen hat: Tief in des Felsens Grab, erweckt Er den Toten zu neuem Leben. Was kein Ohr je vernommen hat und keines Menschen Auge je gesehen, wird geschehen in dieser Nacht.

Amen

Musik zur Meditation (Meinolf Herting, Orgel)

Gebet (Pfrn. Reihs-Vetter):

Herr Jesus Christus,
im Dunkel des Todes
hast Du Licht werden lassen,
im Abgrund der tiefsten Einsamkeit
wohnt nun für immer die bergende Macht Deiner Liebe,
inmitten Deiner Verborgenheit erklingt das Halleluja der Geretteten.
Mach unseren Glauben stark,
dass er sich nicht beirren lässt
in den Stunden des Dunkels und der Verlassenheit,
wo alles fraglich zu werden scheint.
Gib uns in dieser Zeit,
da Deine Sache wie im Todeskampf liegt,
Licht genug, um Dich nicht zu verlieren;
Licht genug, damit wir andern Licht werden können,
die dessen noch mehr bedürfen.
Lass das Geheimnis Deiner österlichen Freude
wie eine Morgenröte hineinleuchten in unsere Tage,
lass uns wahrhaftig österliche Menschen sein
inmitten des Karsamstags der Geschichte.
Lass uns durch die hellen und dunklen Tage dieser Zeit hindurch
Getrost und frohgemut unterwegs sein
hin zu Deiner kommenden Herrlichkeit.
Amen

Vaterunser (Kirstin Lohfink):

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
dein Reich komme, dein Wille geschehe
wie im Himmel,so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen

Hoffnungswort zur Entlassung (Pfr. Reihs):

Ein grab greift
tiefer
als die gräber
gruben 

denn ungeheuer
ist der vorsprung tod 

am tiefsten
greift
das grab das selbst
den tod
begrub 

denn ungeheuer
ist der vorsprung leben 

(kurt marti)

Gesang (Katrin Herting/ Pfrn. Reihs-Vetter): Ich glaube – Kanon zur Jahreslosung 2020)

Segen (Pfrn. Reihs-Vetter):

Herr, segne uns und behüte uns;
Herr, lasse leuchten Dein Angesicht über uns und sei uns gnädig;
Herr, erhebe Dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden.
Amen