Mitwirkende:
Petra Luis, Jürgen Engelmann (Lektor*innen), Claus-Jürgen Reihs (Liturg und Prediger), Almuth Reihs-Vetter (Liturgin)

Eröffnung und Begrüßung

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.
Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN,
der Himmel und Erde gemacht hat.
Der HERR sei mit euch!

Am Karfreitag kommen wir zusammen, getrennt und doch verbunden unter dem Kreuz, um des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heilands Jesus Christus zu gedenken. Er hat den Tod am Kreuz erlitten, damit wir Vergebung unserer Schuld erlangen und Frieden haben mit Gott. / Christus ist unsere Hoffnung. / So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Choral: Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken (eg 91, 1-3.7.9.10)

Psalm 51

Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte,
und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.

Wasche mich rein von meiner Missetat,
und reinige mich von meiner Sünde;

denn ich erkenne meine Missetat,
und meine Sünde ist immer vor mir.

An dir allein habe ich gesündigt
und übel vor dir getan,

auf dass du recht behaltest in deinen Worten
und rein dastehst, wenn du richtest.

Siehe, dir gefällt Wahrheit, die im Verborgenen liegt,
und im Geheimen tust du mir Weisheit kund.

Lass mich hören Freude und Wonne,
dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast.

Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden,
und tilge alle meine Missetat.

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz,
und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.

Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe,
und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Kyrie / Lamm Gottes

Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser!
Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser!
Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, gib uns deinen Frieden!

Choral: O Haupt, voll Blut und Wunden (eg 85, 1-3)

Lesung, Teil 1: Johannesevangelium 19, 16-30

Da überantwortete Pilatus den Hohenpriestern Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache.  Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war aber ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt: »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.

Choral: O Haupt voll Blut und Wunden (eg 85, 4-6)

Lesung des Predigttextes: 2. Korinther 5, 19-20 (Lektor*in 3)

Der Predigttext für diesen Gottesdienst am Karfreitag steht im zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther im fünften Kapitel, die Verse 19-20:

Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

Predigt

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus, amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

„Wir müssen die Infektionsketten unterbrechen!“ So Mitte März Gesundheitsminister Spahn, assistiert vom Leiter des Robert-Koch-Instituts. „Wir müssen die Betreuung in den KiTas und den Unterricht an Schulen und Hochschulen unterbrechen“, sagt Armin Laschet einen Tag später. „Wir müssen das öffentliche Leben unterbrechen“, wieder einige Tage später die Bundeskanzlerin in ihrer Fernsehansprache. „Wir müssen die Grundrechte auf Versammlungsfreiheit, Reisefreiheit, freie Religionsausübung aussetzen!“ Darin sind sich alle Politiker*innen einig.

Und wir sagen „Ja“ dazu. Es leuchtet uns ein, dass solche Unterbrechungen notwendig sind. Im buchstäblichen Sinn: dass sie die Not wenden. Wenn nicht heute, dann aber in ein paar Wochen. Wir begreifen langsam aber sicher, dass Unterbrechungen dem Leben dienen. Dass Unterbrechungen Schaden und Unglück verlangsamen, verringern, vermeiden.

Diese Unterbrechungen lassen uns innehalten. Wir lassen uns sagen, dass unser Leben in Gefahr ist. Dass vielleicht nicht unser eigenes Leben, dann aber doch das der Schwachen, der Alten und Kranken, in Gefahr ist. Dass wir vielleicht selber eine Gefahr für andere darstellen. Wir halten inne, horchen auf unseren Atem: ist das noch Erkältung – oder schon Influenza – oder gar Corona? Wir halten Abstand zu allen. Die könnten mich anstecken. Warum laufen immer noch Menschen ohne Atemmaske herum? Warum muss ich immer auf den Mindestabstand achten und warum tun das andere nicht auch?

Ich denke manchmal, dass ich dieser Pandemie nicht entrinnen kann, dass sie mich doch irgendwie erwischen wird. So oder so. Leicht oder schwer. Dann sehne ich mich auch danach, dass diese Ansteckungsmöglichkeit unterbrochen wird. Ich sehne mich danach, dass es einen Impfstoff gibt, der mich vor der Infektion bewahrt – das ist aber noch Zukunftsmusik. Aber dann wenigstens etwas, das mir hilft, mit der Infektion fertig zu werden, sie zu überwinden, sie durchzustehen: genügend Widerstandskraft in mir; gute und treue Pflege in meiner Krankheitsphase; Ermutigung und Trost.

Liebe Schwestern und Brüder!

Soweit die Corona-Zeit. Es ist zugleich aber auch Passionszeit. Die Passionszeit steuert mit dem heutigen Karfreitag auf ihren Höhepunkt zu. Das Leiden Jesu Christi findet in seiner Kreuzigung seine Spitze. Hier wird ein Leben unterbrochen: Jesus stirbt den erbarmungswürdigen, grausamen Tod am Kreuz.

Doch diese Lebens-Unterbrechung drückt für die glaubende christliche Gemeinde  etwas ganz anderes aus: die Unterbrechung der Sünde und ihrer Macht. Es ist die Unterbrechung der missratenen Beziehung des Menschen zu Gott. Diese missratene Beziehung meint, zu Gott könnten wir uns auf Augenhöhe begeben. Meint, wir könnten Gott einen Gefallen tun und ihn mit uns versöhnen. Meint, dass all die ungerechten Taten, die die Menschen einander antun, durch gute gerechte menschliche Taten aufgehoben werden könnten.

Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

Einmal, dieses einzige Mal hat GOTT den Lauf der Welt unterbrochen und dem Menschen seinen Platz angewiesen. In der Frage der gelingenden Beziehung zwischen GOTT und uns, haben wir nichts in der Hand. Gott hat uns dafür kein Werkzeug in die Hand gegeben. Und wir können es ihm nicht wegnehmen, wir können es IHM nicht entwenden wie Prometheus den Göttern das Feuer stahl. Denn dieses eine Mal, an einem Freitag vor dem Passahfest hat Gott die tödlichen Zusammenhänge von Schuld und Versagen unterbrochen. Dieses eine Mal hat er klar gestellt: „Nur ich allein kann die Dinge wieder in Ordnung bringen. Ich allein kann euch versöhnen!“ So unterbricht Gott unseren Erlösungswillen, unseren religiösen Eifer ebenso, wie unsere religiöse Enttäuschung. Ich, du Mensch, wir können und wir brauchen uns nicht mit Gott zu versöhnen. Das sollen, das können und das müssen wir Gott überlassen. Das ist Versöhnung.

Das ist die göttliche Unterbrechung des menschlichen Lebens: Versöhnung. Jesu Sterben am Kreuz. Karfreitag.

Doch damit nicht genug. Paulus wirbt um Zustimmung und Unterstützung dieser Botschaft. Lasst euch in eurer missratenen Beziehung zu Gott unterbrechen! Macht nicht so weiter wie bisher! Lasst Gott doch endlich sein Werk der Versöhnung tun. Verzichtet darauf, ihm ins Handwerk zu pfuschen und euch selbst erlösen zu wollen!

So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

Karfreitag ist der Tag der göttlichen Unterbrechung des menschlichen Lebens. Karfreitag unterbricht die Versöhnung Gottes unser Unversöhntsein mit IHM. Karfreitag ist der Tag der Gnade, des Geschenks. Diese gnädige Unterbrechung macht uns bewusst, dass unser geistliches Leben in Gefahr ist. Vor allem unser eigenes Leben. Horchen wir in uns hinein, in unsere Gedanken der Ungerechtigkeit, die das eine menschliche Leben höher bewerten als das andere; hören wir auf die Worte, die als Pfeile des Hasses andere mobben, angreifen, verletzen, bloßstellen, drangsalieren, erpressen; sehen wir auf unsere Taten, die andere zurückdrängen, damit wir vorne stehen, die andere kleinmachen, damit wir groß sind; die nicht die Hände falten, weil sie alles von sich erwarten.

Sagt „Ja“ zur Versöhnung Gottes. Legt die Hände in den Schoß, was Gott angeht, denn an IHM allein ist alles gelegen. Dann werden die Hände und Herzen frei für ein versöhntes Leben mit der Familie, in Schule und Beruf, in und nach Corona-Zeiten.

Und der Frieden Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn, amen.

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, / den Vater, den Allmächtigen, / den Schöpfer des Himmels und der Erde, 

und an Jesus Christus, / seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,  / empfangen durch den Heiligen Geist, / geboren von der Jungfrau Maria, / gelitten unter Pontius Pilatus, / gekreuzigt, gestorben und begraben, / hinabgestiegen in das Reich des Todes, / am dritten Tage auferstanden von den Toten, / aufgefahren in den Himmel; / er sitzt zur Rechten Gottes, / des allmächtigen Vaters; / von dort wird er kommen, / zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, / die heilige christliche Kirche, / Gemeinschaft der Heiligen, / Vergebung der Sünden, / Auferstehung der Toten / und das ewige Leben. / Amen.

Lied der Gemeinde: Du großer Schmerzensmann (eg 87, 1-3.5.6)

Karfreitagslitanei

Kyriegesang eg 178.9

O Jesus Christus, Gottes Sohn
Erbarm dich über uns!
Du hättest wohl Freude haben können, / doch du hast das Kreuz erduldet / und die Schande gering geachtet.
O Jesus Christus, Gottes Sohn
Erbarm dich über uns
Dahingegeben in die Hände der Sünder, / hast du des Todes Bitterkeit geschmeckt / und die tiefste Not der Gottesferne.
O Jesus Christus, Gottes Sohn
Erbarm dich über uns!
Du hast Gehorsam gelernt, / an dem, was du littest, / und warst gehorsam bis zum Tod, / ja, zum Tode am Kreuz.
O Jesus Christus, Gottes Sohn
Erbarm dich über uns!

Kyriegesang eg 178.9

Du starker Heiland und Erretter
Befreie und erlöse uns!
Von Hass und Neid / von Hochmut und lieblosem Richten / von Selbstsucht und Härte des Herzens. /
Du starker Heiland und Erretter
Befreie und erlöse uns
Von Trägheit und Kreuzesscheu / von kaltem Stolz und feiger Anpassung / vor Ignoranz und Selbstmitleid /
Du starker Heiland und Erretter
Befreie und erlöse uns
Von Verzweiflung und Gotteshass / von Lebensangst und Todesfurcht / von Gleichgültigkeit und Hochmut /
Du starker Heiland und Erretter
Befreie und erlöse uns.

Kyriegesang eg 178.9

Gekreuzigter Jesus, durch deine Liebe
Hilf uns und stärke uns!
Dass wir dir nachfolgen / in Sanftmut und Demut / dass wir unser Kreuz auf uns nehmen.
Gekreuzigter Jesus, durch deine Liebe
Hilf uns und stärke uns!
Dass wir in der Verlassenheit zum Vater rufen / dass wir uns in seine Hände befehlen, / dass wir Glauben halten bis ans Ende.
Gekreuzigter Jesus, durch deine Liebe
Hilf uns und stärke uns!
Im Kampf gegen die Sünde / in der Stunde der Versuchung / im Dunkel der Anfechtung, / in der letzten Not.
Gekreuzigter Jesus, durch deine Liebe
Hilf uns und stärke uns!

Kyriegesang: eg 178.9

Gekreuzigter Jesus, Heiland und Erretter:
Sammle unter deinem Kreuz alle,
Für die du gestorben bist / die noch ferne sind, / die dich verloren haben / die in die Irre gehen / die dich suchen.
Gekreuzigter Jesus, Heiland und Erretter:
Hilf uns und stütze uns,
Dass wir einmütig werden, / dass wir einander lieben / dass wir uns von Herzen vergeben /
Jesus Christus, du bist unser Friede. Gib uns deinen Frieden!
Amen.

Gemeinsam beten wir
Vaterunser
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme, dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Der HERR segne Dich und behüte Dich,
der HERR lass leuchten Sein Angesicht über Dir und sei Dir gnädig,
der HERR erhebe Sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden.
Amen, amen, amen.