Gottesdienst am Sonntag Judika 29. März 2020 zum Lesen und Hören

Mitwirkende:

Jürgen Engelmann (Lektor), Meinolf Herting (Orgel), Katrin Herting (Flöten), Claus-Jürgen Reihs (Liturg und Prediger), Almuth Reihs-Vetter (Liturgin)

Eröffnung und Begrüßung (zum Hören bitte anklicken)

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Der HERR sei mit euch!

Herzlich willkommen zum Gottesdienst am Sonntag 5. Sonntag der Passionszeit!

Ich grüße Sie und euch mit dem Wochenspruch, der über diesem Sonntag und der heute beginnenden Woche steht:

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich diene lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“

Choral: Die güldene Sonne (eg 444, 1-4) 1.

Psalm 43

Gott, schaffe mir Recht / und führe meine Sache wider das unheilige Volk / und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

Denn du bist der Gott meiner Stärke: / Warum hast du mich verstoßen? / Warum muss ich so traurig gehen, / wenn mein Feind mich dränget? / Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten / und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, /

dass ich hineingehe zum Altar Gottes, / zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, / und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott. /

Was betrübst du dich, meine Seele, / und bist so unruhig in mir? / Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, / dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. //

Kommt, und lasst uns anbeten!

 

Ehre sei dem Vater:

♫ Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen, Amen.

Kyrie

Herr, unser Gott, wir haben Angst. Unsichtbar ist der Virus. Bin ich infiziert? Ist meine Familie betroffen? Habe ich andere schon angesteckt? Was muss ich tun? Was kann ich lassen? Wem kann ich vertrauen? Die ganze Welt ist durcheinander. Und in meinem Herzen und meinem Verstand geht es drunter und drüber. Wir bitten dich um dein Erbarmen!

♫ Herr, erbarme dich, erbarme dich! Herr, erbarme dich, Herr, erbarme dich.

Christus, du Sohn Gottes, wir ahnen unser Versagen. Wir waren zu leichtsinnig im Umgang miteinander. Wir waren zu nachlässig im Schutz vor der Infektion. Wir denken zu schnell nur noch an uns. Wir erleben unsere eigene Ohnmacht. Wir bitten dich um dein Erbarmen!

♫ Herr, erbarme dich, erbarme dich! Herr, erbarme dich, Herr, erbarme dich.

Gott, Heiliger Geist, wir brauchen deine wegweisende Kraft. Lass uns nicht im Ungewissen. Erforsche unsere Sorgen und Nöte. Bewahre uns die Hoffnung. Lass nicht zu, dass die Angst uns den Atem nimmt. Gib uns Freiraum für dich und andere. Wir bitten dich um dein Erbarmen!

♫ Herr, erbarme dich, erbarme dich! Herr, erbarme dich, Herr, erbarme dich.

Ein reines Herz, Herr, schaff in mir (eg 389, 1-5)

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im Brief an die Hebräer im 13. Kapitel:

Lesung

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Predigt

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus!

Liebe Gemeinde, drinnen und draußen. Das ist seit ein paar Tagen ein wichtiges Thema. Drinnen sein und bleiben ist empfohlen. Draußen sein sollten wir tunlichst vermeiden. Und wenn, dann nur vereinzelt. Drinnen entfaltet sich das Leben. Draußen lauert der Tod. Wer drinnen bleibt, ist einigermaßen in Sicherheit. Wer nach draußen geht, ist in Gefahr. Bringt auch andere in Gefahr. Wir sollen Kontakte reduzieren. Begegnungen vermeiden. Nur noch das Nötigste unternehmen.

„Bleib für dich!“ – das ist das Gebot der Stunde. „Bleib für dich!“ Diesen gut gemeinten Rat hat Jesus aus den Reihen seiner Jünger*innen und Nachfolger*innen sicherlich auch gehört. Und vielleicht schwang dabei auch mit: „Bleib für uns!“ Wir sind doch dein Drinnen! Bei uns bist du in Sicherheit. Wir passen auf dich auf! Wir schützen dich vor deinen Gegnern! Und wir schützen dich vor dir selbst, wenn es denn sein muss! Bleib für dich, bleib drinnen!
Jesus hat diese gut gemeinten Ratschläge nicht befolgt. Er ging nach draußen. Von Anfang an. Er verlässt den Ort der himmlischen Gemeinschaft mit Gott steigt hinab auf die Erde. Er gibt seine göttliche Gestalt auf und wird ein Knecht. Er liegt in Heu und Stroh. Er hat kein Nest wie die Vögel unter dem Himmel und keinen Bau wie die Füchse im Wald. Er ist draußen. Angreifbar. Schutzlos. Aber auch sorglos und voller Hingabe. Er ist für die da draußen da. Er geht dahin, wo man nicht hingeht, nicht hingehen darf. Er geht dahin, wo es für ihn wehtut. Damit es uns nicht wehtut. Er geht nach draußen. Damit wir drinnen sein können. Er lässt sich ausgrenzen. Damit unsere persönlichen Grenzen stabil bleiben. Er weicht dem Leid nicht aus. Damit uns das Leid nicht überschwemmt. Er trägt den Tod. In seinem Tod gewinnen wir das Leben.

Dem „Bleib für dich!“ setzt der Verfasser des Hebräerbriefs die Aufforderung entgegen: „Lasst uns nun zu ihm hinausgehen“. Eine Aufforderung, die nicht in unsere momentanen Herausforderungen zu passen scheint. Wir erkennen, wie schwer uns das fällt.
Wir spüren, wie groß unser Bedürfnis danach ist, Begegnungen herbei zu führen, Freunde zu treffen, Nachbarn zu sehen, Angehörige zu sprechen. Wir können und dürfen uns nicht einfach über die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts hinwegsetzen. Wir können und dürfen die Vorschriften der Bundes- und Landesregierung nicht einfach ignorieren und das tun, was eigentlich zum Christsein gehört: Nachfolgen. Hier: Hinausgehen. Damit tun wir niemandem einen Gefallen. Damit nützen wir niemandem, sondern schaden viel eher. Das leibliche Hinausgehen können wir also nicht umsetzen.
Wir spüren und wir erkennen, dass wir in einer Ausnahme-Situation leben. Wir sind herausgenommen aus unserem sozialen Gefüge. Wir sind herausgenommen aus dem Netz persönlicher Verbindungen. Warum nicht daraus lernen. Warum nicht nach anderen Möglichkeiten des Hinausgehens suchen?

Denn ein geistliches Hinaus hat Charme:

  • Hinaus aus den alten Denkmustern von Rollen, dass die Frau für Kinder, Küche und Kirche zuständig sei und der Mann für Arbeit, Auto und Abenteuer. Wie gut, dass viele Männer sich in der Erziehung ihrer Kinder engagieren, Erziehungsurlaub nehmen, auf den Spielplatz gehen und den Kindern mit offenem Ohr und helfender Hand zur Seite stehen. Wie gut, dass viele Frauen sich beruflich qualifi-zieren und engagieren, dass sie im Büro arbeiten, dass sie ein Unternehmen leiten und politisch tätig sind.
  • Hinaus aus den nicht mehr passenden Strukturen in der Gemeinde wie Gruppen und Kreise, die - einmal gegründet – eben nicht mehr bis zum Anbruch des Reiche Gottes andauern, sondern neue Formen wie Projektarbeit annehmen. Wie gut, dass es mit unserer Gemeinde das Projekt „Neustart im Team“ gibt, das sich um die Begleitung und Integration von Flüchtlingen in unserem Gemeinwesen kümmert. Und wenn diese Aufgabe erledigt ist, organisieren sich die Menschen neu.
  • Hinaus aus den mittelalterlichen Vorstellungen, dass Gott durch den Tod Jesu versöhnt werden musste für die Sünden des Volkes hin zu der modernen Erkenntnis biblischer Theologie, dass Gott selber sich in Jesus Christus mit den Menschen versöhnte. Und dass seitdem alles paletti ist zwischen IHM oder IHR und uns.
  • Hinaus aus den klaren Abgrenzungen von innen und außen hin zu der Freiheit der Erkenntnis, dass die Passion und der Kreuzestod Jesu nicht nur für die Mit-glieder der Inneren Gemeinde bedeutsam sind, sondern für alle Menschen. Dass wir als Gemeinde das Evangelium nicht als einen Schatz haben, den wir in unseren Worten und Traditionen sicher verwahren müssten, sondern den wir offen allen Menschen als Schatz anbieten können. Um das Evangelium kämpfen wir nicht wie Gollum um den einen Ring. Wir geben das Evangelium frei für jedermann und jedefrau.
  • Hinaus aus den Haltungen, jede und jeder müsse schon selbst für sich sorgen hin zur Freiheit der Hilfe. Das erleben wir ja schon. In Büren und Bad Wünnenberg und natürlich auch an unendlich vielen anderen Orten schließen sich Menschen zusammen, um anderen zu helfen, entstehen Bündnisse der Nächstenliebe, wer-den Einkäufe füreinander erledigt, Besorgungen übernommen, Pakete abgeholt, Teilhabe ermöglicht.

Drinnen und draußen. Was in unserer Welt scharf getrennt ist, wird durch das Evangelium von der Liebe Gottes verbunden. Wird verbunden durch den, der dem Evangelium menschliche Gestalt verliehen hat. Wird verbunden durch den, der drinnen und draußen, oben und unten, Himmel und Erde, Gott und Mensch verbunden hat: Jesus Christus.

Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, amen.

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde,

und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn,

unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben.

Amen.

Lied der Gemeinde: Da wohnt ein Sehnen tief in uns (Wortlaute 85)

Fürbittengebet

Barmherziger Gott, wir bitten dich:

Für alle, die unter der zerstörerischen Macht des Corona-Virus leiden, dass du ihnen Kraft gibst auszuhalten und zu widerstehen.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten lass uns auferstehn.

Für alle, die das Virus in sich tragen und ohne Symptome sind, dass sie sich und andere schützen und klug handeln. Für alle, deren Leid und Schmerz sich im Schatten der Corona-Krise verbergen, dass sie gesehen werden und sie Hilfe bekommen.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten lass uns auferstehn.

Für alle, die sich um andere sorgen, um ungeborene und geborene Kinder, um die Familie, um Nachbarn, um Freunde in Nah und Fern, dass du sie ermutigst und sie hoffen lässt.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten lass uns auferstehn.

Für alle, die sich um Kranke und Sterbende kümmern, dass du sie mit der not-wendigen Kraft ausstattest, dass du sie vor Überforderung und Überlastung schützt.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten lass uns auferstehn.

Für die Verantwortlichen im Gesundheitswesen, dass du sie achtsam sein lässt für alle, die ihnen anvertraut sind. Für die Verantwortlichen in Gesellschaft und Politik, dass sie klug und weitsichtig handeln und der Liebe zum Nächsten Raum verschaffen.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten lass uns auferstehn.

Für unsere Gemeinde, dass wir den Kontakt zu dir halten, dass wir uns auch auf Distanz verbunden wissen durch deine Liebe und Treue.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten lass uns auferstehn.

Gemeinsam beten wir

Vater unser

Segen

Der HERR segne Dich und behüte Dich,

der HERR lass leuchten Sein Angesicht über Dir und sei Dir gnädig,

der HERR erhebe Sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden.

Amen, amen, amen.